Schlafmangel kann zu Diabetes und Übergewicht führen

11. April 2012, 20:02
  • Schlafmangel und unregelmäßigen Ruhezeiten können zu einem Nachlassen des Ruheumsatzes des Stoffwechsels führen.
    foto: reuters/toby melville

    Schlafmangel und unregelmäßigen Ruhezeiten können zu einem Nachlassen des Ruheumsatzes des Stoffwechsels führen.

Erhöhtes Risiko für Vielflieger und Nachtschichtarbeiter - Unregelmäßige Ruhezeiten führten zu reduziertem Stoffwechsel

Washington - Nachtschichtarbeiter und Vielflieger wie Flugpersonal haben möglicherweise ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Durch Schlafmangel und eine Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus gerate die innere Uhr leicht aus dem Takt, berichten US-Forscher im Fachblatt "Science Translational Medicine". Das könne dazu führen, dass die Bauchspeicheldrüse weniger Insulin bilde und sich Zucker im Blut ansammle. Ein erhöhter Zuckerspiegel kann Diabetes auslösen. Die Versuchsteilnehmer hatten zudem einen verlangsamten Ruhe-Stoffwechsel, was die Entstehung von Übergewicht begünstigt.

Die Forscher um Orfeu Buxton vom Brigham and Women's Hospital in Boston (US-Staat Massachusetts) hatten 21 Versuchsteilnehmer fast sechs Wochen lang im Krankenhaus untergebracht und ihre Schlaf- und Wachzeiten gezielt beeinflusst. Sie legten fest, wie viel die Probanden schliefen und wann, und kontrollierten zudem, was sie aßen. So durften die Teilnehmer in den ersten Tagen etwa zehn Stunden pro Nacht schlafen. Dann reduzierten die Forscher drei Wochen lang die Schlafzeiten auf 5,6 Stunden pro 24 Stunden, wobei die Teilnehmer mal nachts, mal tagsüber schlafen sollten.

Stoffwechsel wird langsamer

Der Schlafmangel und die unregelmäßigen Ruhezeiten führten dazu, dass der Ruheumsatz des Stoffwechsels nachließ: Der Körper "verbrannte" im Ruhezustand weniger Kalorien als gewöhnlich. Den Forschern zufolge war die Stoffwechselleistung so stark reduziert, dass dies bei den Probanden auf ein Jahr gerechnet eine Gewichtszunahme von fast sechs Kilogramm zur Folge gehabt hätte.

Außerdem maßen die Wissenschafter nach einer Mahlzeit einen höheren Glucose-Gehalt im Blut der Probanden. Dies sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse weniger Insulin bildeten. Bei einigen Probanden erreichte der Blutzucker Werte, die als kennzeichnend für einen sogenannten Prädiabetes gelten, eine Vorstufe der Zuckerkrankheit.

Ausreichender Schlaf renkt Auffälligkeiten wieder ein

Die Auffälligkeiten, die vom Schlafmangel und dem gestörten Schlafrhythmus hervorgerufen wurden, verschwanden wieder, nachdem die Probanden neun Tage regelmäßig und ausreichend geschlafen hatten, berichten die Forscher weiter. Ihre Untersuchung untermauere Ergebnisse früherer Studien, nach denen Nachtarbeiter ein höheres Risiko für Diabetes haben. "Es ist erwiesen, dass ausreichender Schlaf wichtig für die Gesundheit ist und dass die beste Zeit zum Schlafen nachts ist", wird Buxton in einer Pressemitteilung des Brigham and Women's Hospitals zitiert. (APA, 11.4.2012)

  • Berechnen Sie Ihr Brutto- oder Netto-Gehalt mit dem Brutto-Netto-Rechner von derStandard.at/Karriere
Share if you care
2 Postings

ist auch schwierig für alle berufstätigen, eltern + schüler... ohne schichtarbeit mit dem ausschlafen, schulen fangen um 8h an (lt wissenschaft zu früh) , dh: spätestens 7h, wenn nicht schon früher, aufstehen, wenn man da nicht jeden tag um 10h abends einschläft, wird das nichts mit 8-9h schlaf. und das mit der gewichtszunahme bei schlafmangel kann ich voll und ganz bestätigen

Dbzgl. gab es schon eine Studie bei Fernfahrern.

Aber die ist natürlich nie in der Öffentlichkeit zur Sprache gekommen. Zu unbequem für allerlei Unternehmen und die Politik.

Stattdessen wird man wohl wieder "Eigenverantwortung" predigen und die Leute für ihr Übergewicht "bestrafen" wollen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.