"Nur" noch 30 Prozent Raubkopien in Österreichs Unternehmen

18. Juni 2003, 14:39
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Osteuropa mit 71 Prozent "Spitzenreiter"

Die heimischen Betriebe haben im vergangenen Jahr mehr Bewusstsein für geistiges Eigentum an den Tag gelegt und mehr Software offiziell erworben. "Österreich hat mit 30 Prozent mangelhaft oder nicht lizenzierter gewerblicher Software die niedrigste Pirateriequote im gesamten deutschsprachigen Raum", so Georg Herrnleben, Regional Manager der BSA (Business Software Alliance) Zentraleuropa am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Die meisten raubkopierten Computerprogramme in der EU gibt es in Griechenland (63 Prozent), am vorbildlichsten agieren die Dänen mit einem Raubkopie-Anteil von knapp 25 Prozent.

In Osteuropa am weitesten verbreitet

Illegale Unternehmens-Software ist zwar in Osteuropa am weitesten verbreitet (71 Prozent), der wirtschaftliche Schaden ist aber in Deutschland am größten: Die BSA schätzt dort den Umsatzausfall 2002 auf 962 Mio. Euro. Die europäische Kommission will durch einen harmonisierten EU-weiten Urheberrechtsschutz die Piraterie weiter zurückdrängen.

"Schonfrist"

Der Rückgang der Pirateriequote in Österreich von 33 auf 30 Prozent im vergangenen Jahr ist laut Herrnleben vor allem Folge von Informationskampagnen unter dem Motto "Schonfrist", die nach kostenloser Registrierung rechtliche Beratung und Straffreiheit für vergangene "Sünden" vorsahen. Denn viele Klein- und Mittelbetriebe - in Großbetrieben kommt Softwarediebstahl laut BSA kaum vor - wissen oft gar nicht, welche Programme sie einsetzen und heben Lizenzen gar nicht auf, so Herrnleben. "Raubkopien sind strafbar - das ist unsere Botschaft." Mit dieser Taktik habe sich die Position Österreichs seit dem Jahr 2000 im Westeuropa-Vergleich um vier Plätze auf den fünften Rang verbessert. Trotz der geringeren Verbreitung ist der Schaden durch Raubkopien auch in Österreich auf rund 60 Mio. Euro gestiegen. Der Grund dafür sind die gestiegenen Softwarepreise.

Weltweit 13 Mrd. Euro Umsatzausfall

Weltweit spricht die BSA von geschätzten 13 Mrd. Euro Umsatzausfall, 3,2 Mrd. davon alleine in Westeuropa. Von einer Reduktion der Rate erhofft sich Herrnleben einen zusätzlichen Schub bei Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen: "Nach der überstandenen Krise ist IT noch immer die Wachstumsbranche in Europa - diese Entwicklung kann man mit klaren und effizienten Gesetzen verstärken." So hätten Spanien und Irland durch eine Reduktion ihrer hohen Piraterieraten mittels neuen Gesetzen ein überdurchschnittliches IT-Wachstum verzeichnet.

EU-weites Vorgehen gefordert

Um diese Ziele zu erreichen, sei ein EU-weites Vorgehen notwendig, wie der BSA-Rechtsexperte Guido Kucsko von Schönherr darlegte. Bisher sind im EU-Recht nur Teilaspekte des Urheberschutzes vereinheitlicht, die beispielsweise den Schutz von Software und Datenbanken regeln sowie Schutzfristen und Verleihrechte definieren. "Der für die Umsetzung wesentliche Teil fehlt bisher aber: Sanktionen und Verfahren," so Kucsko. Dieser Problematik trage die EU-Kommission mit der "Richtlinie des europäischen Parlaments und des Rates über die Maßnahmen und Verfahren zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum" Rechnung, die rasch umgesetzt werden soll. In Österreich wird bereits mit Juli 2003 die Urheberrechtsrichtlinie in Kraft treten, die das europäische Urheberrecht an die Digitalisierung und das Internet anpassen soll.

Coup

Den für heuer bisher größten Coup hat die BSA in Italien gelandet: Dort konnte ein Raubkopie-Ring zerschlagen werden, dabei wurde Software im Wert von 118 Mio. Euro beschlagnahmt. Die italienische Finanzpolizei spricht von 10.000 Verdächtigen.(APA)

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