Clement färbelt am Kalender

17. Juni 2003, 21:02
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Wirtschaftsminister ist die hohe Zahl an Feiertagen ein Dorn im Auge - Er erhofft sich von einer Streichung deutliche Wachstumsimpulse

Clement - Deutsche müssen wieder mehr arbeiten Arbeitsminister kritisiert 35-Stunden-Woche

Hamburg (APA/AFP) - Die Deutschen müssen in Zukunft nach Auffassung des deutschen Wirtschaftsministers Wolfgang Clement (SPD) wieder länger arbeiten. "Wir sind, was Urlaubszeit, Feiertage und Arbeitszeit angeht, zweifelsohne an der Grenze angelangt", sagte er in einem am Dienstag im voraus veröffentlichten Interview mit dem Hamburger Magazin "Stern".

Den Streik der IG Metall für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland bezeichnete Clement in diesem Zusammenhang als "Konflikt zur falschen Zeit am völlig falschen Ort." Auch für Westdeutschland stellte der Minister die 35-Stunden-Woche in Frage: "Wir sind meines Erachtens am Anschlag angekommen." Clement schloss nicht aus, dass die Arbeitslosenzahl im Winter über fünf Millionen steigen werde.

Feiertagskalender im Fokus

Clement kritisierte ebenfalls die Zahl der Feiertage in Deutschland: "Wer unseren Feiertagskalender mit dem anderer Staaten vergleicht, der kann auch ins Grübeln kommen." Der Wirtschaftsminister verwies darauf, dass im nächsten Jahr allein deswegen das Wirtschaftswachstum um bis zu 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen werde, weil eine ganze Reihe von Feiertagen ins Wochenende falle.

Clement sagte weiter, er erwarte jedoch, dass Deutschland unter der Fünf-Millionen-Grenze bleibe und alles, tue "um das zu verhindern". Clement machte sich die Zielmarke von Peter Hartz zum Abbau der Arbeitslosigkeit zu eigen. Die Kommission des VW-Managers wollte die Zahl der Jobsuchenden innerhalb von drei Jahren um zwei Millionen verringern. Clement sagte: "Ich bin überzeugt, dass Peter Hartz recht hat, nicht in den Zeitvorstellungen, aber in den Größenordnungen. Wir werden die Arbeitslosigkeit drastisch senken können." Allerdings werde es "vier bis fünf Jahre brauchen, bis wir den Arbeitsmarkt wieder in Ordnung haben". 3,5 Millarden Euro Einsparung

Die Streichung der Bezahlung eines Feiertages in Deutschland würde nach Berechnungen des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung der Wirtschaft 3,5 Mrd. Euro im Jahr bringen. "Müssten alle angestellten Beschäftigten beispielsweise am Pfingstmontag ohne zusätzliches Entgelt arbeiten, würde das Bruttoinlandsprodukt um rund 3,5 Mrd. Euro steigen", sagte ifo-Konjunkturchef Jan-Egbert Sturm der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe).

Aus ökonomischer Sicht wäre eine solche Maßnahme nach Ansicht des Ökonomen deshalb zu begrüßen. "Das wäre ein möglicher Schritt zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes", so Sturm.

Weil die absoluten Gehälter dadurch nicht sänken, würde sich die Streichung von Feiertagen auch nicht negativ auf das Konsumverhalten auswirken, so der Konjunkturexperte. "Allenfalls würde der Tourismus etwas darunter leiden, weil die Leute dann weniger freie Tage zur Verfügung hätten. Dafür würde dann aber an anderer Stelle mehr konsumiert", sagte Sturm. "Es fände also lediglich eine Verschiebung der Nachfrage statt."

  • "Wir sind, was Urlaubszeit, Feiertage und
Arbeitszeit angeht, zweifelsohne an der Grenze angelangt"
    montage: derstandard.at

    "Wir sind, was Urlaubszeit, Feiertage und Arbeitszeit angeht, zweifelsohne an der Grenze angelangt"

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