Powell: Nordkoreanische Atomfrage von größter Dringlichkeit

18. Juni 2003, 13:04
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ASEAN-Staaten zu Druck aufgefordert - Nordkorea will atomare Abschreckungskraft stärken

Seoul/Phnom Penh - Die USA messen der Lösung der nordkoreanischen Atomfrage nach den Worten von Außenminister Colin Powell größte Bedeutung bei. "Keine Frage ist für die USA von größerer Dringlichkeit als die des Atomwaffenprogramms von Nordkorea", wurde Powell am Mittwoch in US-Regierungskreisen zitiert.

Die USA könnten nicht mit einem Nordkorea zusammenarbeiten, das nach Atomwaffen strebe, habe Powell bei einem Außenminister-Treffen in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh gesagt. Die USA würden das kommunistische Land entgegen der Behauptung Nordkoreas nicht bedrohen. Die USA ließen jedoch auch nicht zu, dass Nordkorea die USA oder ihre Verbündeten bedrohten.

ASEAN-Staaten zu Druck aufgefordert

Die USA haben die Südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) aufgefordert, im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm Druck auf die kommunistische Führung in Pjöngjang auszuüben. Die südostasiatischen Länder sollten Nordkorea von der Teilnahme an multilateralen Gesprächen überzeugen, sagte Colin Powell beim ASEAN-Regionalforum in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Zur ASEAN gehören Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Brunei, Vietnam, Laos, Kambodscha und Burma (Myanmar). An dem Regionalforum nehmen die 13 Partnerländer der ASEAN teil, darunter die USA, China, Japan, Russland, Nord- und Südkorea.

Das nordkoreanische Nuklearprogramm sei keine bilaterale Angelegenheit zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea, sagte Powell. Die Unterstützung der ASEAN-Staaten sei notwendig, um den Druck auf Pjöngjang aufrecht erhalten zu können. Der nordkoreanische Außenminister Paek Nam Sun nahm nicht an den Gesprächen in Phnom Penh teil. Er wurde von einem Diplomaten vertreten. Malaysia bot sich als Gastgeber für Verhandlungen über den Atomstreit an, wie die malaysische Nachrichtenagentur Bernama berichtete.

Abschreckungskraft stärken

Nordkorea bekräftigte unterdessen, seine atomare Abschreckungskraft stärken zu wollen und wies eine Forderung der USA nach multilateralen Gesprächen über Nordkoreas Atomprogramm zurück. Die atomare Abschreckung sei "eine Maßnahme zur Selbstverteidigung, um der täglich wachsenden Bedrohung durch die USA entgegenzuwirken, die eine Strategie der Isolation Nordkoreas verfolgen", teilte Nordkoreas Außenministerium am Mittwoch über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA mit.

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sprach sich unterdessen dafür aus, Nordkorea international zu isolieren. Hoon sagte in der australischen Hauptstadt Canberra, durch eine Isolation könne Nordkorea gezeigt werden, dass sein Streben nach Massenvernichtungswaffen nicht toleriert werde.

Nordkorea erneuert Kriegsdrohungen

Vor dem Hintergrund des Streits um sein Atomprogramm hat Nordkorea vor einer Wirtschaftsblockade durch die USA gewarnt und seine Kriegsdrohungen erneuert. In einem Kommentar der staatlichen Zeitung "Rodong Sinmun" wurde den USA am Dienstag vorgeworfen, als Teil ihrer Angriffsabsichten eine internationale Belagerung gegen Nordkorea zu planen. "Niemand kann garantieren, dass diese Blockadeoperation nicht zu einer solch ernsten Entwicklung wie einem totalen Krieg führen wird." (APA/dpa/Reuters/AP)

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