Italienische Marine wird nicht mit Gewalt gegen Immigration vorgehen
Rom - Italiens Verteidigungsminister Antonio Martino hat am
Dienstag entschieden ausgeschlossen, dass die Marine mit der Gewalt
die Landung von Schiffen mit Flüchtlingen an den süditalienischen
Küsten verhindern wird, wie es die Regierungspartei Lega Nord mit
Nachdruck fordert. "Die italienische Marine ist keine
Polizeieinheit", betonte Martino am Rande eines Gesprächs in Rom mit
seinem albanischen Amtskollegen Pandelj Maico.
"Aufgabe der Marine ist die Kontrolle der internationalen
Gewässer. Die Küstenwache kontrolliert das Meer vor den nationalen
Küsten", betonte der Minister. Er schloss aus, dass die Worte des
Lega-Chefs Umberto Bossi, der den Einsatz von "Kanonen" gegen die
Immigrantenschiffe gefordert hatte, Ernst zu nehmen sei.
Flüchtlingsboot gesunken
In Italien ist die Sorge wegen der zunehmenden Immigrationswelle
groß. Beim Untergang eines Flüchtlings-Bootes vor der italienischen
Küste sind nach Angaben von Überlebenden vermutlich fast 70 Menschen
ertrunken. Das Boot sei bereits am Samstag 50 Seemeilen südlich der
Insel Lampedusa gesunken, berichteten am Dienstag drei Überlebende,
die von einem tunesischen Kutter gerettet worden waren. Küstenwache
und Militär machten sich sofort auf die Suche nach Überlebenden,
fanden aber zunächst nur elf Leichen.
Die Lega Nord, drittstärkste Regierungspartei, hatte mit dem
Austritt aus dem Koalitionsbündnis gedroht, sollte Ministerpräsident
Silvio Berlusconi nicht effektiver das strenge Immigrationsgesetz
durchsetzen, das im vergangenen Jahr verabschiedet worden war. Die
Regierung erwiderte Bossi, in den ersten fünf Monaten 2003 sei die
Zahl der Immigranten, die die Küsten Süditaliens erreichten, um fast
50 Prozent zurückgegangen.(APA)