"Microsoft hat sie gepeitscht"

18. Juni 2003, 15:05
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Marktanteil gesunken - Novell ist weit von alten Glanzzeiten entfernt - Software zur umfassenden und sicheren Vernetzung

Anfang der neunziger Jahre liefen noch sieben von zehn Computernetzen in aller Welt mit Programmen des Software-Pioniers Novell. Ein Jahrzehnt danach ist der Marktanteil auf 17 Prozent zusammen geschmolzen. Aber trotzdem versucht Novell immer wieder, sich mit veränderten Strategien an neue Gegebenheiten anzupassen und zu alter Größe zurück zu finden.

Microsoft auf der einen und Linux auf der anderen Seite

Weil das robuste Betriebssystem Novell Netware von Microsoft auf der einen und Linux auf der anderen Seite zurückgedrängt wurde, gestaltet Novell sein Menü von Software-Werkzeugen für E-Mail und Identitätsmanagement unter dem Markennamen GroupWise immer reichhaltiger - und bietet dieses für alle Betriebssysteme an. "Wir haben Novell mit einer neuen Strategie von Grund auf geändert", sagt der Vorstandsvorsitzende Jack Messman, der von der vor zwei Jahren übernommenen Beratungsfirma Cambridge zu Novell gekommen ist. "Wir bringen das Unternehmen in eine Ausgangsposition für wachsende Erträge, sobald der Markt für Informationstechnik wieder anzieht."

Software zur umfassenden und sicheren Vernetzung

Im Mittelpunkt der Novell-Pläne steht eine ebenso umfassende wie sichere Vernetzungssoftware, die Server und PCs, Notebooks und Tablet-PCs, PDA-Computer und Handys miteinander verbindet. "Wir wollen einen einfachen Zugang, können aber nicht zulassen, dass er missbraucht wird", sagte der bisherige Entwicklungschef von Novell, Carl Ledbetter, der das Unternehmen Anfang dieses Monats verlassen hat.

Warum muss man sich im Web immer wieder neu mit einem Passwort anmelden?

Maßgeblich für Ledbetter waren dabei die Erfahrungen seiner 88-jährigen Großmutter im Internet. Warum muss man sich im Web immer wieder neu mit einem Passwort anmelden? Das Internet sollte sie gefälligst kennen, klagte die alte Dame. Ihr Enkel bestätigt sie und findet seine persönliche Strategie im Umgang mit Internet-Passwörtern auch nicht besonders sicher: Neben seinem PC hängt eine Liste mit 72 Passwörtern, lauter Varianten seines eigenen Namens.

Ein Teil der Arbeit von Messman besteht darin, langjährige Kunden davon zu überzeugen, Novell die Treue zu halten und nicht am Fortbestand des Unternehmens zu zweifeln. Börsenanalysten sind sich nicht sicher, ob Novell die jahrelangen Verluste umkehren kann. In dem Ende April beendeten Quartal betrugen die Nettoverluste 28,6 Millionen Dollar bei Umsätzen von 276 Millionen Dollar. Die weit gespannten Visionen Messmans stehen in Wettbewerb zu den Erfordernissen, möglichst kurzfristig Kosten zu sparen.

"Microsoft hat sie gepeitscht"

An der Börse rutschte der Novell-Kurs von 43,60 Dollar im Februar 2001 auf wenig mehr als drei Dollar. "Microsoft hat sie gepeitscht", sagt dazu der Analyst von Standard and Poors, Jonathan Rudy. Die Übernahme von Cambridge müsse ihren Wert erst noch beweisen. Und wahrscheinlich können nur eine allgemeine Erholung der IT-Branche Novell wieder nach oben hieven. Aber Rudy erwartet, dass Novell noch lange vom Kapital seiner frühen Profitjahre zehren kann: "Sie sollten überleben. Sie haben genug auf dem Bilanzzettel." (APA/AP)

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