Der Krampf mit den Fremdsprachen

18. Juni 2003, 10:49
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Die ORF-Chefin und der "Hochmut" - "Sehe es nicht als Auftrag des öffentlich- rechtlichen Rundfunks, englischsprachige Kindersendungen oder Filme anzubieten"

Einen Höhepunkt vor der Sommerpause seines "Zigarrenklubs" versprach Wolfgang Rosam seinen Gästen: Monika Lindner, Generaldirektorin des ORF, referiert vor durchaus wichtigen Menschen aus Politik, Wirtschaft, Werbewirtschaft.

Werbern liest die ORF-Chefin die Leviten, warum sie sich auf die Zielgruppe der Zwölf-bis 49-Jährigen kaprizieren und nicht noch zehn Jahre darüber gelten lassen: "Das sind unsere treuesten Seher."

Nur wenige Minuten darauf erklärt Lindner das Phänomen selbst ein bisschen. Als Chefin von "Willkommen Österreich" verbat sie sich zum Thema Krampfadern ein Muatterl "mit dem Handtaschl auf den Knien" im Studio. Nein, junge Frauen mit dem Problem galt es zu finden: "Alte Leute wollen keine alten Leute sehen."

Mit "Starmania" holt man junge Leute zurück. "Was an dem Format nicht öffentlich-rechtlich sein soll, weiß ich nicht." Aber: "Bei der Finanzierung von ,Starmania' müssen wir uns natürlich kommerzieller Mittel bedienen."

So kommerzieller Mittel wie heftigsten Product-Placements, dass selbst den Kaufmännischen Direktor zwischendurch sein "Rechtsgefühl" beschleicht, man ging zu weit. Werberichtlinien werden gerade mit den Verlegern akkordiert - auch im Tausch für Frieden bei der Gebührenerhöhung.

Die fehlt nicht im "ZK" des PR-Agenturchefs und Lobbyisten Rosam. Lindner begründet damit, Gehörlosen künftig eine Nachrichtensendung pro Tag mit eingeblendetem Gebärdendolmetsch zu bieten. Zentrales Argument Lindners - neben Landesstudios - für mehr Gebühren. Dafür sind 0,5 der fast 32 Millionen Euro vorgesehen.

Andere Sprachen liegen Lindner nicht so am Herzen. ZK-Besucher verweisen auf hervorragende Englischkenntnisse in Skandinavien dank Filmen und Kindersendungen in Fremdsprache.

Englisch? Bei uns?

"Nicht Bildungsauftrag des ORF" sei, "Leuten Fremdsprachen beizubringen", "das steht in keinem Gesetz". "Intellektuellen Hochmut" sagt sie nach, wer derlei fordert. Und: "Ich sehe es nicht als Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, englischsprachige Kindersendungen oder Filme anzubieten." Wer Englisch hören will, kann doch CNN schauen.

Sachdienliche Ergänzung aus dem Publikum: "FM4". Der ORF-Sender spricht täglich zeitweise englisch.

Lindner selbst war erst kürzlich in Los Angeles. Zum Sprachkurs, sagen böse Zungen auf dem Küniglberg. (fid/DER STANDARD, Printausgabe vom 18./19.6.2003)

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    Monika Lindner

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