Lymphödeme - ein vielfach verkanntes Problem

17. Juni 2003, 14:28
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Fünfzig Prozent der Patienten fühlen sich nicht optimal behandelt

Wien - Eine relativ hohe Unzufriedenheit mit der Behandlung von so genannten Lymphödemen ortet eine Befragung unter Patienten. So fühlen sich fünfzig Prozent "nicht optimal behandelt". Die von der Österreichischen Lymphliga durchgeführte "Quality of Life Studie" wird bei der 3. Jahrestagung der Liga am 20. und 21. Juni in Walchsee in Tirol präsentiert.

Lymphödeme sind durch verschiedene Ursachen hervorgerufene Stauungen der Lymphflüssigkeit. Sie können zu sicht- oder tastbaren Schwellungen der Extremitäten führen. Da die Gliedmaßen dabei im Extremfall unförmig anschwellen können, ist die Krankheit in der Bevölkerung auch als "Elephantiasis" bekannt. Lymphödeme können als Ursache angeborene Missbildungen oder Funktionsstörungen des Lymphsystems oder auch als Folge von Operationen, Verletzungen, Bestrahlungen oder Infektionen auftreten. Generell kann das Problem in jedem Lebensalter auftreten, Frauen sind zehn Mal häufiger betroffen als Männer. Am bekanntesten ist das Armlymphödem nach Brustkrebsoperationen.

Lange Therapie

Laut der Studie dauert es bis zur erfolgreichen Diagnose und Therapie durchschnittlich mehr als fünf Jahre (zwischen zwei und zehn Jahren). Bei 42 Prozent der Befragten war mehr als zehn Jahre hindurch das Ödem nicht erkannt oder jedenfalls nicht behandelt worden. 43 Prozent hatten ein Lymphodem an den Armen, 42 Prozent an den Beinen, der Rest an anderen Organen.

Psychosoziale Beeinträchtigung

Die Befragung stellte auch eine psychosoziale Beeinträchtigung der Patienten fest. Über fünfzig Prozent der Untersuchten gaben an, sich aus dem öffentlichen Leben zurück zu ziehen und sich ihres Leidens zu genieren. Drei Viertel der Betroffenen beklagten "beträchtliche finanzielle Belastungen", da die Kosten für die notwendigen Therapien nur teilweise von den Versicherungen übernommen werden. Achtzig Prozent der Patienten haben das Gefühl, dass es für sie keine Hilfe gibt, neun von zehn Patienten machen sich Sorgen über die Zukunft.

Die Österreichische Lymphliga ist seit 1994 als Interessensgemeinschaft tätig, um die Öffentlichkeit über die Problematik und die Erkrankung des Lymphödems aufmerksam zu machen. Bei der Tagung in Walchsee werden neben neuesten medizinischen Erkenntnissen auch die psychosozialen Aspekte diskutiert. (APA)

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