"Nicht Genügend" heißt noch nicht Sitzenbleiben

20. Juni 2003, 22:46
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"Aufsteigen mit Fünfer" und Berufungsmöglichkeiten

Ein "Nicht Genügend" im Zeugnis heißt noch lange nicht, dass der betreffende Schüler das Schuljahr wiederholen muss. Die Betroffenen haben vielmehr einige "Chancen" auf das Aufsteigen in die nächste Klasse. Diese reichen von einem "Jolly Joker" durch die Klassenkonferenz über das Bestehen einer Nachprüfung am Ende des Sommers bis zur Berufung gegen den "Fleck".

Klassenkonferenzen

Demnächst finden in den östlichen Bundesländern - der Westen folgt eine Woche später - die so genannten Klassenkonferenzen statt: Dabei beraten die Lehrer unter Vorsitz des Klassenvorstandes über die Beurteilung der einzelnen Schüler. Bei einem einzigen "Nicht Genügend" im Zeugnis entscheidet die Konferenz auch über die automatische Berechtigung des Schülers zum Aufsteigen in die nächst höhere Schulstufe derselben Schulart. Möglich ist dieser "Jolly Joker" aber nur dann, wenn der betreffende Gegenstand nicht schon im Schuljahr zuvor mit "Nicht Genügend" beurteilt wurde und in einer höheren Schulstufe auch im Lehrplan vorgesehen ist.

Nachprüfung

Erteilt die Klassenkonferenz dem Schüler keinen "Freibrief" zum Aufsteigen, muss zu Beginn des folgenden Schuljahrs eine Nachprüfung in dem mit "Nicht Genügend" beurteilten Fach positiv absolviert werden. Die Nichtberechtigung zum Aufsteigen ist spätestens am Tag nach der Klassenkonferenz unter Angabe der Gründe den betroffenen Schülern bekannt zu geben.

Bei "Nicht Genügend" in zwei Pflichtfächern darf der Schüler vorläufig nicht aufsteigen, hat aber ebenfalls die Möglichkeit, zu Beginn des nächsten Schuljahrs in beiden Gegenständen zu einer Nachprüfung anzutreten. Bei einem Fünfer in drei oder mehr Pflichtgegenständen ist kein "Nachzipf" erlaubt, die Klasse muss noch einmal absolviert werden. Allerdings kann man sich unter Umständen bei einem Schulwechsel - zum Beispiel von der AHS-Unterstufe in die Hauptschule - die Wiederholung der Schulstufe ersparen. Ausnahmeregelungen gibt es in Volks- und Sonderschulen.

Berufungsmöglichkeit

Wer sich ungerecht behandelt fühlt, hat die Möglichkeit, gegen die Nichtberechtigung zum Aufsteigen in die nächste Klasse bzw. den nicht erfolgreichen Abschluss der letzten Schulstufe zu berufen. Eine Berufung ist schriftlich, telegrafisch oder mittels Fax innerhalb von fünf Tagen ab Erhalt der Entscheidung der Klassenkonferenz bei der Schule einzubringen.

Über die Berufung hat der Landes- bzw. Stadtschulrat als Schulbehörde erster Instanz innerhalb von drei Wochen nach Einlangen der Berufung bei der Bildungseinrichtung zu entscheiden. Die Berufung hat dabei keine aufschiebende Wirkung: Bis zu einer eventuell anders lautenden Entscheidung darf der betroffene Schüler nicht aufsteigen bzw. gilt die letzte Schulstufe als nicht abgeschlossen. (APA)

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