Ein Drittel bricht Schule vorzeitig ab

  • Schüler in Sekundarstufe II: Über ein Drittel bricht die Ausbildung vorzeitig ab.
    foto: apa/armin weigel

    Schüler in Sekundarstufe II: Über ein Drittel bricht die Ausbildung vorzeitig ab.

Vorgängerschule und Umgangssprache entscheiden über Drop-out-Quote - Burschen haben höhere Abbruchrate

Nicht jeder, der es in Österreich an eine Schule der Sekundarstufe II geschafft hat, absolviert diese auch bis zum Schluss. Über ein Drittel bricht die Ausbildung vorzeitig ab. Sowohl die mittleren als auch die höheren Schulen weisen eine hohe Drop-out-Rate auf. Das geht aus einer Analyse der Statistik Austria hervor, die am Mittwoch im Rahmen des jährlichen Berichts "Bildung in Zahlen" veröffentlich wurde.

Rund 75.000 SchülerInnen haben im Schuljahr 2006/07 die 9. Schulstufe einer AHS, einer berufsbildenden mittleren Schule (BMS) oder einer berufsbildenden höheren Schule (BHS) besucht. Vier Jahre lang untersuchte die Statistik Austria den Bildungsweg, dabei zeigte sich, dass mehr als ein Drittel die begonnene Ausbildung ohne Abschluss abgebrochen haben. Besonders hoch ist die Drop-out-Quote bei SchülerInnen, die aus Hauptschulen kommen oder eine Klasse wiederholen müssen. Für die Drop-out-Rate entscheidend ist auch, welches Geschlecht sie haben und ob Deutsch als Umgangssprache gesprochen wird.

Burschen haben höhere Abbruchrate

An den BMS brechen 53,3 Prozent der Burschen die Schule ab, gegenüber 47,6 Prozent der Mädchen. An den BHS finden sich 37,8 Prozent der Burschen nicht mehr in der Abschlussklasse, 29,4 Prozent der Mädchen brechen die Ausbildung ab. Bei den AHS hören 29,1 Prozent der Burschen mit der Schule auf und 22,2 Prozent der Mädchen.

Umgangssprache als Kriterium

Ein weiteres Kriterium bei der Verlustrate ist die Umgangssprache. An den BMS brechen 47,8 Prozent der SchülerInnen mit deutscher Umgangssprache die Schule ab, bei ihren KollegInnen mit nichtdeutscher Umgangssprache sind es 61,9 Prozent.

An BHS und AHS ist der Unterschied noch größer: 54,4 Prozent der SchülerInnen mit nichtdeutscher Umgangssprache brechen ihre BHS-Ausbildung ab, aber nur 30,9 Prozent mit deutscher Umgangssprache. An den AHS sind es 39 Prozent bei SchülerInnen mit nichtdeutscher Umgangssprache, bei den SchülerInnen mit deutscher Umgangssprache lediglich 23,4 Prozent.

Vorgängerschule bestimmt Abbruch mit

Entscheidend für den Schulerfolg ist auch die Vorgängerschule. Vor allem SchülerInnen, die vorher eine Hauptschule besucht haben oder die Ausbildung an einer anderen höheren Schule abgebrochen haben, sind von einem Schulabbruch betroffen. SchülerInnen, die aus einer AHS-Unterstufe kommen, brechen an den BMS zu 32,7 Prozent ab, an den BHS zu 17,8 Prozent und an der AHS-Oberstufe zu 17,5 Prozent.

Ehemalige Hauptschüler sind bedeutend häufiger von einem Drop-out betroffen, an den BMS zu 46,3 Prozent, an den BHS zu 33,3 Prozent und an den AHS zu 30 Prozent. Noch öfter brechen lediglich jene SchülerInnen ab, die aus anderen Schulen der Sekundarstufe II kommen oder die eine Klasse wiederholt haben. 

Hauptschule wirkt selektierend

Hauptschüler haben es auch generell schwerer in der Sekundarstufe II. Von den SchülerInnen, die im Schuljahr 2009/10 von einer Hauptschule an eine AHS oder eine BHS wechselten, schafften nur rund drei Viertel den Übertritt in die nächste Schulstufe (75,8 bzw. 75,4). SchülerInnen aus der AHS-Unterstufe schafften den Übertritt zu 88 Prozent an den AHS und zu 88,5 Prozent an den BHS.

Zusätzlich zu diesen Faktoren entscheidet über die Drop-out-Quote auch der Standort. "Die Abbruchquoten in Wien sind tendenziell höher, in Niederösterreich sind die Abbruchquoten niedriger als in Gesamtösterreich", sagte Regina Radinger von der Statistik Austria bei einem Pressegespräch am Mittwochabend.

BMS hat höchste Verlustrate

Die höchste Verlustrate im Bereich der Sekundarstufe II gibt es bei den BMS. Von den rund 18.000 SchülerInnen, die zu Beginn des Schuljahrs 2006/07 diesen Schultyp besuchten, hat die Hälfte (50,4 Prozent) die Ausbildung abgebrochen, 47,5 Prozent haben den Abschluss geschafft, der Rest befand sich wegen einer Klassenwiederholung noch in der Schulausbildung. Wird die Ausbildung abgebrochen, bedeutet das aber nicht automatisch das Ausscheiden aus dem Bildungssystem: 57,3 Prozent der AbbrecherInnen wechselten an eine Berufsschule, machten also eine Lehre. Immerhin aber 14 Prozent derjenigen, die vor fünf Jahren die Ausbildung begonnen haben, haben die Schule dauerhaft abgebrochen.

Ein Grund für die hohe Drop-out-Quote im Bereich der BMS lässt sich schon nach einem Schuljahr erkennen: Rund 30 Prozent verlassen mit Ende der Schulpflicht die Schule. "Die BMS wird in diesen Fällen hauptsächlich zur Absolvierung der Schulpflicht vor dem Wechsel in die Lehre besucht", heißt es in der Broschüre "Bildung in Zahlen".

Generell ist auch in den anderen Schultypen die Verlustquote nach dem ersten Schuljahr am höchsten; das gilt auch für den Anteil der SchülerInnen, die ein Jahr wiederholen müssen.

Rund ein Drittel bricht BHS ab

In den BHS haben im Schuljahr 2006/07 rund 33.000 Personen eine Schulausbildung begonnen, etwas mehr als die Hälfte (55,6 Prozent) von ihnen befanden sich 2010/11 in der Abschlussklasse der fünfjährigen Ausbildung, rund ein Zehntel (10,2 Prozent) saß aufgrund von Klassenwiederholungen eine oder zwei Klassen darunter. Ein Jahr vor Schulende hatten 34,2 Prozent die Ausbildung abgebrochen, für etwas weniger als die Hälfte von ihnen (45,6 Prozent) führte der weitere Weg in eine Berufsschule, rund ein Viertel wechselte auf eine BMS (23,5 Prozent), 17,4 Prozent brachen die Schule überhaupt ab.

Niedrigste Drop-out-Quote an AHS

In der AHS ist die Drop-out-Rate bedeutend niedriger. Von rund 24.000 SchülerInnen, die 2006/07 begonnen haben, haben 66,3 Prozent den Abschluss schon geschafft, 8,5 Prozent wiederholen die Klasse. Rund ein Viertel (25,2 Prozent) hat die Schule jedoch verlassen.

Drop-out am Ende der Schulzeit


BMS
BHS AHS
Abbruch der Ausbildung bis 2010/2011 (in Prozent)
50,4
33,4
25,2
Männlich
53,3
37,8
29,1
Weiblich
47,6
29,4
22,2
Umgangssprache Deutsch
47,8
30,9
23,4
Umgangssprache nicht Deutsch
61,9
54,4
39,0
Übertritt aus Gymnasium
32,7
17,8
17,5
Übertritt aus Hauptschule
46,3
33,3
30,0
Übertritt aus anderer Schulform
54,1
51,1
53,5
Wiederholte Klasse
72,5
73,0
71,8
Schulanfänger 2006/07
17.674
33.243 24.026

Quelle: Statistik Austria, Schulstatistik, Bildung in Zahlen 2010/2011

(seb, derStandard.at, 11.4.2012)

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