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Die Donauauen, in den 1980ern noch verödet, verwandeln sich durch Renaturisierung wieder in Naturparadiese.
Ein grüner, üppiger Wald mit Flussarmen, die voller Leben sind: Die Auen der Szigetköz an der Donau im ungarisch-slowakischen Grenzgebiet sind ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Gewässerrenaturierung. Noch in den 1980ern war das heutige Naturparadies weitgehend verödet. Auch in Österreich, an der Drau zum Beispiel, wurden in den vergangenen Jahren diverse erfolgreiche Renaturierungsprojekte durchgeführt. Die EU schreibt einen "guten ökologischen Zustand" der europäischen Gewässer bis spätestens 2027 vor.
Susanne Muhar und ihre Forschungsgruppe an der Wiener Universität für Bodenkultur erarbeiten die Grundlagen. Sie leisten nicht nur die wissenschaftliche Betreuung von Revitalisierungsvorhaben, sondern beteiligen sich auch an der Entwicklung von Leitlinien und Bewertungsinstrumenten. Die Problemstellungen werden zudem außerwissenschaftlich erörtert, betont Muhar. Die Fragen und das Wissen der Menschen vor Ort, derjenigen, die praktisch täglich mit den Flüssen zu tun haben, werden mit einbezogen. Das erhöht die Akzeptanz solcher Maßnahmen.
Gesunde Gewässer brauchen nicht nur sauberes Wasser. "Revitalisierungen haben den Vorteil, dass Lebensraumverhältnisse an sich verbessert werden", sagt Muhar. Das gilt für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, und die Auswirkungen zeigen sich nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ. So nimmt zum Beispiel der Fischbestand in renaturierten Gewässerabschnitten deutlich zu.
Die natürliche Vermehrung wird gefördert, vor allem, was kieslaichende Fischspezies wie Forellen, Huchen und Barben betrifft. Sie benötigen schlickfreie, durchströmte Kiesböden mit einer kräftigen Wasserströmung darüber. Nur dann sind ihre im Flussbett abgelegten Eier ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Ebenfalls wichtig sind flache, strömungsarme Uferzonen. Dort finden Fischlarven Nahrung und Schutz.
Kies, Sand und Schotter sind in vielen Gewässern längst Mangelware. Dämme halten zu viel davon zurück, aus dem Gebirge wird nicht genug nachgeliefert. Dadurch graben sich die Flüsse auch im Tiefland immer stärker ein. Fachleute bezeichnen diesen Effekt als Furkation. Diese verursacht Senkungen des flussnahen Grundwasserspiegels, was wiederum den Auwäldern schadet. Weitere ökologische Gefahren gehen von zu geringen Durchflüssen aus. Sie sind meist eine Folge von Wasserrückhaltung und -ableitung zur Energiegewinnung.
Eine ganz wesentliche Rolle spielt Totholz - abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume, die in den Fluss oder den Bach geraten sind und sich dort für gewisse Zeit festsetzen. Unter natürlichen Umständen können das gewaltige Mengen sein. "Wir haben in Mitteleuropa kaum eine Vorstellung mehr von der Quantität an Totholz, die ursprünglich in Fließgewässer eingetragen wurde", sagt Muhar. Äste und Stämme erfüllen eine ganze Reihe ökologischer Funktionen. So verändern sie die Strömungsverhältnisse, es entstehen Mäander mit tiefen Kolken und flachen Bereichen. Die strukturelle Vielfalt nimmt zu, jene der Kleinhabitate ebenfalls. Totholzansammlungen selbst sind Lebensräume für zahlreiche Organismen.
Offene Ufergestaltung
Das künstliche Einbringen von Totholz hat für Gewässerrenaturierungen enormes Potenzial, viel sinnvoller ist es aber, den natürlichen Eintrag von Baumstämmen und Geäst zu fördern. Das bringt langfristig die größeren Erfolge (vgl. Journal of Applied Ecology, Bd. 44, S. 1145). Dazu müssen Auwälder aufgeforstet werden, ihre Vernetzung mit den Flüssen muss wiederhergestellt werden.Eine offene Ufergestaltung mit Dammrückverlegungen ist erforderlich, das Wasser soll bei steigendem Pegel wieder in die umliegende Flusslandschaft gelangen können - dorthin, wo keine Siedlungsflächen oder Infrastruktur betroffen ist. Man braucht außer an Gefahrenstellen angeschwemmtes Totholz nicht zu entfernen.
Flussanwohnern leuchtet der Nutzen von Totholz meist nicht sofort ein. Es sieht nach Unordnung aus, und das ist vielen noch immer ein Dorn im Auge. "Und wann kommt ihr aufräumen?", wurden Muhar und ihre Kollegen am Ende einer Renaturierungsmaßnahme schon einmal gefragt. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, 11.4.2012)
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