Japans Industrie verliert den Anschluss

Bettina Pfluger, Martin Kölling, 10. April 2012, 19:00

Sony kommt nicht aus der Verlustzone, der Gewinn bei Sharp bricht weg. Die japanische Industrie kämpft um ihre Weltmarktstellung

Tokio/Wien - In der japanischen Unternehmensszene kennt man ihn - den festen Händedruck von Kazuo Hirai. Einen harten Durchgriff hat der neue Sony-Chef bereits angekündigt. Rund 10.000 Jobs will er streichen, das sind sechs Prozent der Gesamtbelegschaft. Wie viele Stellen in Japan, wie viele im Rest der Welt wegfallen, ist noch offen. Details zum Restrukturierungsplan gibt der seit Anfang April amtierende Sony-Chef am Donnerstag bekannt. Von Sony-Österreich gibt es dazu vorerst keine Einschätzung.

Eine Sanierung hat der Elektronikkonzern bitter nötig. Seit vier Jahren kommt das Unternehmen nicht aus der Verlustzone. Der Fehlbetrag für das kürzlich zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2011/2012 liegt mit 520 Milliarden Yen (4,9 Mrd. Euro) doppelt so hoch wie zuletzt veranschlagt. Der einst erfolgsverwöhnte Anbieter von Unterhaltungselektronik kämpft an mehreren Fronten. Die TV-Sparte schwächelt, und die Tablet-PCs bedrohen das Segment der Videospiele. Im Kamerageschäft lässt der zunehmende Wettbewerb die einst satten Margen deutlich schrumpfen.

Großer Konkurrenzdruck

Sony hat in fast allen Segmenten die Innovationsführerschaft verloren, und Apple lockt immer mehr Kunden an. Bei organischen Leuchtdioden (Oleds) etwa galt Sony als Technikführer. Doch die ersten Fernsehgeräte auf Oled-Basis bringen nun die Koreaner Samsung und LG auf den Markt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Sharp. Dort hat der Verlust für das abgelaufene Geschäftsjahr mit minus 380 Mrd. Yen ein Rekordhoch erreicht. Eigentlich hatte der Elektronikhersteller einen Gewinn in der Höhe von sechs Mrd. Yen in Aussicht gestellt. Angesichts der Probleme sucht Sharp nun den Schulterschluss mit dem Auftragsfertiger Foxconn, der in seinen chinesischen Fabriken unter anderem Apples iPhones und iPads baut. Die taiwanische Foxconn-Mutter Hon Hai und andere Unternehmen der Gruppe sollen zehn Prozent an Sharp übernehmen. Dafür zahlen sie gut 66 Mrd. Yen und wollen auch eine bisher nur auf halber Kapazität laufende große Sharp-Fabrik auslasten.

Ausweg gesucht

Abgerutscht ist zuletzt auch der japanische Autohersteller Toyota. Das Unternehmen hat sich zwar von den Folgen der Tsunami-Katastrophe und den Überflutungen in Thailand erholt - im weltweiten Ranking ist Toyota aber hinter GM und VW auf den dritten Platz gerutscht. Den Autohersteller hat vor allem die Rückholaktion wegen Problemen mit dem Bremspedal getroffen - hunderttausende Autos mussten in die Werkstatt.

"Was für die japanischen Unternehmen zur Bürde geworden ist, ist der starke Yen, der die Chancen am Exportmarkt schmälert", sagt Monika Rosen, Chefanalystin im Bank Austria UniCredit Private Banking. Auch die starke Abhängigkeit vom westlichen Konsumenten - Hauptmärkte sind die USA und Europa - wiegt schwer, da sich die Konsumlaune vor allem in den USA ob der strauchelnden Konjunktur abflaut. Hinzu kommt, dass das Land keine Rohstoffe hat, "somit wirkt sich jede Preiserhöhung bei Rohstoffen negativ auf die Industrie im Land aus", fasst Rosen zusammen.

Grenzen des Führungsmodells

Die Schwierigkeiten in der Japan AG zeigen aber auch, dass das japanische Führungsmodell an seine Grenzen gestoßen ist. Traditionell ist der Chef schwach, die Führung kollektiv. Unternehmen sind darauf ausgerichtet, gemeinsam in kleinen, aber kontinuierlichen Schritten Produkte zu verbessern und eine Art Konsens zu finden. Entscheidungen dauern oft lange. Sind sie getroffen, werden sie aber rasch ausgeführt.

In wirtschaftlich stabilen Zeiten der langsamen analogen Wirtschaft sind die Unternehmen damit gut gefahren. Aber im digitalen Umbruch, in der Krise und globalisierten Märkten haben schnelle Unternehmen die Nase vorn. Auch in Japan findet daher ein Generationswechsel in der Führung statt. Sonys Chef Hirai gibt sich etwa gern amerikanisch zupackend. Auch Toyotas neuer Chef, Akio Toyoda, (Enkel des Firmengründers) ist aus anderem Holz geschnitzt als seine Vorgänger. Toyoda fälle Entscheidungen selbst, verrät ein Vorstand. Und er zwingt seine Kollegen ebenfalls, schnell Stellung zu beziehen. Denn nur der Schnelle gewinnt. (Bettina Pfluger, Martin Kölling, DER STANDARD, 11.4.2012)

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das zeigt zwei Dinge:

Die Alterung der Bevölkerung und der Verzicht auf Immigranten führt zu einem Absinken der Wettbewerbsfähigkeit

und alle, die uns in den 1980ern und 1990ern predigten, dass wir mehr wie die Japaner werden müssen um die europäische Wirtschaft in Schwung zu halten, waren wirklich so blöd wie sie damals schon ausgesehen haben.

die SLT-Kameras von Sony sind von der idee her genial

und sony imaging beliefert auch nikon und pentax. bloß ist dieses segment zu klein, um sony aus der verlustzone zu ziehen.

und zum proprietären memorystick, zumindest bei den besseren kameras kann man zwar einen memorystickslot einbauen, aber blumentopf kann man keinen gewinnen, wenn man nicht auch einen sd oder cf slot hat.

"Sony hat in fast allen Segmenten die Innovationsführerschaft verloren, und Apple lockt immer mehr Kunden an."

Na klar Apple wars! Und nicht Samsung..

Sony hat aber noch ein bissi mehr auf Lager als nur mobile devices.

Zum Glück hat unser Land ja nicht diese Probleme.
Hier hat man gleich die Zukunft verschlafen, die Führungskaste beschäftigt sich lieber mit der Selbstbereicherung und das Volk wählt wissendlich diese auch noch.

oh welch wunder

sony - einst inbegriff von hightech und qualität - mich wundert das die so lange überlegt haben, nachdem sie in den letzten 10-15 jahren eine fehlentscheidung nach der anderen getroffen haben

- minidisk (proprietär...)
- mp3 (verschlafen, dann mit aac proprietär)
- kameras (wieder mir memory stick als medium proprietär)
- flatscreens (kompelett verpennt den markt, sony röhren sind ja eh besser...)
- playstation 3 (viel zu teuer in produktion und verkauf, kaum nutzbare anschlüsse...)
- Laptops (völlig überteuert, Qualität eher bescheiden)

naja, zu glauben man kann den markt mit proprietären beglücken und so die konkurrenz ausschalten schafft eben nur apple ;)

Seit 2005 von einer Niete geführt

seit Jahren mit Riesenverlusten beglückt.

-> http://en.wikipedia.org/wiki/Howa... d_Stringer

Dieser Mann wird auch noch Aufsichtsratsvorsitzender.

Unverständlich, dass die Aktionäre das Spiel nicht beenden.

Sonys erstes Problem war Howard Stringer

Erstaunlich, dass der Typ das Unternehmen so herunterwirtschaften durfte und erst jetzt die Notbremse gezogen wurde.

Sony kommt zum Stillstand, denn jetzt werden die besten Köpfe gehen.

Totgespart ist auch gestorben.

The pot telling the kettle "you're black!"

:-)

Da war doch etwas mit einem Erdbeben und dem darauf folgendem Wasser letztes Jahr. Würde mich wundern wenn dies keine Auswirkungen auf die Wirtschaft haben würde.

Sieh da, trotz dieses enormen Drills im Bildungssystem.

Bildung nach dem Elite-Schema dient dem Verdrängungswettbewerb am Arbeitsmarkt (sich Elite zertifizieren zu lassen), erzeugt aber offensichtlich weder Kreativität noch Genialität. Vielmehr ist sie ein Argument, gesellschaftliche Ansprüche (eine Wahrnehmung der Gesellschaft als selbstverständliche Klassengesellschaft) zu legitimieren. Die Herausforderung liegt nicht nur im Bekämpfen des das Zusammenleben gefährdenden Finanzkapitalismus, auch das Auseinanderklaffen der Einkommen (einer arbeitenden Mittelschicht den Anteil am kollektiv erarbeiteten Wohlstand vorenthalten) muss bekämpft werden.

na geh! wenn irgendein amerikanischer oder europaeischer Unternehmen Leute entlaesst, ist es nur eine kurze Meldung wert. Entlaesst Sony ein Paar Tausend, geht gleich ganz Japan runter, oder was? Sehr einleuchtend.

Es ist klar, dass heutzutage insbesondere die asiatische Konkurrenz gross ist aber 1 Jahr nach einer verheerenden Katastrophe den Untergang japanischer Wirtschaft herbeizusehnen, ist Blödsinn, zumal sie sich so bewundernswert aufgerappelt haben.

Laut einer OECD Meldung von gestern erholen sich amerikanische und japanische Wirtschaft ziemlich schnell, waehrend Eurozone hinterherhinkt, Japan von allen mit der geringsten Arbeitslosigkeit, wohlbemerkt. http://tinyurl.com/c8j3c4g

Die Euro-3 (D-F-I) werden im ersten Quartal demnach 0.4% schrumpfen, waehrend Japan 3.4% wachsen wird. Natürlich sind das derzeit bloss Prognosen aber die Tendenzen sind ganz klar.

Merke: totgesagte leben laenger.

+3,4% bei Japan, -0,4% in Eurozone

Prozent ist relativ, wieviel ist es im Kapital und wie hoch ist das Kapital????
3,4 % von € ? Verschuldet mit ? %
0,4% - " -

Japan schaechelt seit den 80er Jahren mit 150% Defizit und einer immens toplastigen Alterspyramide. Japan braucht dringenst Strukuranpassungen, und genau wegen der Alterspyramide ist das schwierig. Das einzige was Japan aufrecht gehalten hat waren die guten Exporte. Wenn das einbricht, dann schaut es tatsaechlich schlecht aus.

Die Alterspyramide und die Verschuldung

Japans hat aber mit Sony und Toyota nix zu tun, der starke Yen schon eher...

Japan ist seit Jahrzehnten pleite und wird künstlich am Leben erhalten.

Wozu und wie lang noch.

hm?

vielleicht sind konkurrenzwirtschaft und geldsystem nicht mehr angemessen für die jetztige entwicklungsstufe unserer gesellschaft.

Der Großvater, Akio Morita, hat die Entscheidungen auch selbst gefällt, die Dinge ganz höchstselbst vorangetrieben, sonst hätte es keinen Walkman gegeben

Hab vergessen wie sein Standardwerk heißt, aber ist genial zu lesen

Made in Japan

heißt es.

was für ein käseblatt seid ihr eigentlich?

Die Schreiber halt

und was bist Du?

Das ist ja wirklich eine erklaerung einer krise-die es erstens garnicht gibt-zweitens so banal als haetten es heute journalisten verfasst.

was man auch noch bedenken sollte ist

das Apple ja nichts wirklich selber baut. Was sie haben ist eine gute Geschäftsidee. Edle Verpackungen die flinke Chinesische Kinderfinger anfertigen und wenn sie Patzer machen gibst eine drauf von da kommen die iPones & iPad her nicht aus der USA. Was aber in der USA bleibt ist der satte Gewinn.

Kinderarbeit in China-also ich hab viele Werke gesehen von grossen Firmen-Kinder? Fehlanzeige.

Die sind brav in der Schule, den im gegensatz zu uns nehmen die das wirklich ziemlich ernst mit Ausbildung und so...

In china arbeiten keine kinder!

das schaut nur so aus - die sind dort so klein?

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