Im Spiegel menschlicher Sehnsüchte

10. April 2012, 17:32
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Die Basis all seiner Arbeiten ist die Collage - Der in Kopenhagen lebende Künstler Tal Rosenzweig alias Tal R stellt seine Arbeiten in der Galerie im Taxispalais aus

Innsbruck - Als Sonja Delaunay 1913 in dem Gemälde Bal Bullier ihre Vorstellung der rhythmischen Tanzbewegung in geometrische Farbflächen umsetzte und daraus sogenannte "Simultankleider" für Tänzerinnen entwickelte, stellte dies die Übertragung auf die Alltagskultur, das Modedesign, dar und verschränkte unterschiedliche Disziplinen zu neuen Oberflächen.

Die in der Ausstellung Mann über Bord in der Galerie im Taxispalais präsentierten Arbeiten des 1967 in Tel Aviv geborenen und in Kopenhagen lebenden Künstlers Tal Rosenzweig (Tal R) reiben sich an solch verschnittenen Oberflächen, an denen sich hoch aufgeladene Inhalte von Erfahrungen und Erlebnissen aus der Alltagskultur in einen eigenen, spielerischen Kosmos entladen.

Mann über Bord erstreckt sich über sieben bunte und einzeln betitelte Inseln, die je eine Werkgruppe aus Zeichnungen, Gemälden, Skulpturen, Collagen und Textilarbeiten aus den frühen 1990er-Jahren bis heute zeigen.

Moonspoon Saloon stellt eine Kollektion aus verfremdeten Kostümen, Accessoires und puppenartigen Formen vor, die sich zur Pyramide türmen und die Sicht in den Galerieraum versperren. Dress up canvas nennt Tal R die Schnittstelle von konstruktivistischer Malerei und Modedesign, die er in Popvideos, Kunst- und Tanzperformances verarbeitet und in Viva Ultra als Bilderflut in eine andere Disziplin überführt.

"Die Methode meiner Arbeit, die Basis von allem ist immer die Collage", sagt Tal R und lässt als Referenz auf das Lied The Mountain Choir von Will Oldham kleine, fehlerhafte Zeichnungen von Männern, Frauen und Tieren zu großformatigen Collagen heranwachsen, die ein wenig verstecken, was darunter ist, und so kann in Adieu Interessant (Blue), 2005/8, die Oberfläche aus Pailletten und Pins nur noch mühsam die Zeichnungen und Fotografien darunter festhalten. Sie vibriert und lässt strahlenförmig aus dem Zentrum heraus jene Details hervorblitzen, die gesellschaftlich meist ausgeblendet werden - Begehren, Sex und Tod.

In End of Palace - Teenager Beach - House of Prince wird das Formenvokabular der Skulpturen durch ihre spiegelglatte Oberfläche aufgelöst. Gleichzeitig führt Tal R kindlich anmutende Gemälde in eine eindeutige Sprache über und hinterfragt mit einer naiv gehaltenen Signatur die künstlerische Identität.

Träume und Schlüssellöcher

Diese Frage wird von den Gemälden der Inselgruppe Figur im Untergeschoß aufgegriffen. In Traumszenen werden Blicke durch Fenster und Schlüssellöcher auf vorbeiziehende Schiffe und verschlossene Türen, schattige Innenhöfe oder dunkle Gänge geworfen. Es sind Blicke auf die Kehrseiten einer Gesellschaft, die, in Hasenleim und reinen Pigmenten ausgeführt, an ihrer pudrigen Oberfläche verblassen. Diese Grenzziehung ergänzen Gemälde, die der Einfachheit in der Darstellung, aber der Fehlerhaftigkeit im Inhalt nachgehen; sie umlaufen einen Spielplatz aus Gebilden aus Früchten, Bronzen, Objekten oder Skulpturen aus glasierter Keramik, die aufgrund ihrer geschönten Oberfläche wie Satelliten lakonisch menschliche Sehnsüchte spiegeln. (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 11.4.2012)

Bis 3. 6.

  • Tal Rosenzweigs Arbeiten sind bis Anfang Juni in Innsbruck zu sehen.
    foto: galerie im taxispalais

    Tal Rosenzweigs Arbeiten sind bis Anfang Juni in Innsbruck zu sehen.

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