Immer mehr Fehler in Deutsch-Maturaarbeiten

  • Für die Studie "Wandel der
deutschen Sprache" wurden 138 Arbeiten untersucht.
    foto: apa/markus prosswitz

    Für die Studie "Wandel der deutschen Sprache" wurden 138 Arbeiten untersucht.

Unsicherheit bei Verwendung von Satzzeichen und Redewendungen - Weniger Wörter mit lateinisch-griechischen Wurzeln, mehr Anglizismen

Wien - Dativ- anstelle von Genitivkonstruktionen, Probleme bei Punkt- und Beistrichsetzung, Zeitenfolge, Redewendungen und festen Fügungen - eine Pilotstudie einer Forschergruppe um die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak weist auf eine Zunahme von Fehlern in Deutsch-Maturaarbeiten in den vergangenen Jahrzehnten hin. "Nüchtern betrachtet ist die Fehlerzahl in den Maturaarbeiten insgesamt deutlich gestiegen", heißt es in der Studie "Wandel der deutschen Sprache", für die 138 Maturaarbeiten aus den Jahren 1970, 1997 und 2010 verglichen wurden. Wegen der beschränkten Datenmenge könne aber nur "von Indizien" gesprochen werden.

Insgesamt waren die Maturatexte 2010 deutlich kürzer als früher, der Satzbau wurde indes komplexer - und die Benotung der Lehrer weniger streng. So sei in der Notengebung "mehr Toleranz für fast alle Arten von Fehlern feststellbar, insbesondere Satzzeichen, Rechtschreibung, Ausdruck", so die Autoren.

Probleme bei Interpunktion

Vor allem die korrekte Verwendung von Satzzeichen bereitet Schülern mehr Probleme als früher, was aber nicht als generelles Zeichen von Problemen mit der Sprache zu werten sei. Die Interpunktion sei nämlich ein Bereich, der sehr stark vom jeweiligen Unterricht abhänge und weniger allgemeine Sprachkompetenz als explizites Regelwissen voraussetze.

Mehr Umgangssprache

Besonders auffällig war laut den Forschern ein starker Rückgang von Lehnwörtern mit lateinisch-griechischen Wurzeln, während Anglizismen gleichzeitig zugenommen haben. "Dies deutet auf ein Zurücktreten der Bildungssprache als stilistischer Orientierungspunkt für das Deutsche hin; diese Rolle wird zunehmend von der Umgangssprache erfüllt", heißt es in der Studie. Dieser Eindruck werde dadurch verstärkt, dass Redewendungen und feste Fügungen abnehmen und, wenn sie doch vorkommen, fehlerhaft verwendet werden - etwa "es liegt jedem frei", "nichts als die Wahrheit nennen" oder "die Möglichkeit besitzen".

138 Arbeiten untersucht

Die Erhebung zu den Maturaarbeiten war Teil einer umfassenderen, privat beauftragten Untersuchung, bei der neben dem veränderten Sprachgebrauch in der Schule auch jener in Medien (anhand von Artikeln der APA, der "Presse" und der "Kronen Zeitung") und in Geschäftsberichten analysiert wurde. Im Schulbereich wurden 138 Maturaarbeiten aus je einem Wiener Innen- und Außenbezirk und einer Schule aus Graz untersucht, dabei wurden Stichproben aus den Jahren 1970 (Wien) bzw. mangels älterer Unterlagen aus 1997 (Graz) und 2010 verglichen. (APA, 10.4.2012)

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