Umgeben von Autisten

Blog | Solmaz Khorsand, 10. April 2012, 17:09
  • Tarya Seagraves-Quee und ihr autistischer Sohn Joshua: Die Zahl von Kindern mit Autismus, Asperger-Syndrom und ähnlichen Erkrankungen soll in den vergangenen zwei Jahren in den USA um 20 Prozent gestiegen sein.
    foto: reuters/brian snyder/files

    Tarya Seagraves-Quee und ihr autistischer Sohn Joshua: Die Zahl von Kindern mit Autismus, Asperger-Syndrom und ähnlichen Erkrankungen soll in den vergangenen zwei Jahren in den USA um 20 Prozent gestiegen sein.

Warum Amerikaner in jedem Mitmenschen einen Autisten vermuten

Amerikaner sind niemals durstig - sie sind dehydriert. Sie haben eben auch nicht Kopfschmerzen, sondern Migräne. Und schrullige Bekannte sind nicht einfach nur schrullig, sondern gleich neurotisch. Warum Dinge beim Namen nennen, wenn man sie pathologisieren kann. Ein Krankheitsbild scheint besonders angesagt zu sein: Autismus. Jede noch so undefinierbare Eigenart wird vom Laien als autistische Störung registriert. Die Krankheit ist ungewöhnlich präsent in den amerikanischen Medien.

Vor ein paar Wochen hat das Center for Disease Control and Prevention des US-Gesundheitsministeriums eine Studie veröffentlicht, wonach die Anzahl der Kinder mit Autismus, Asperger-Syndrom oder ähnlichen Erkrankungen innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozent gestiegen sei. Kein Wunder also, wenn in jedem verträumten Einzelgänger Rain Man gesichtet wird.

Die Ursachen der Krankheit sind unklar. Einige Mediziner sprechen davon, dass autistische Störungen vor allem genetisch bedingt seien, andere, dass Umweltfaktoren eine Rolle spielen würden. In den 90er Jahren hat eine britische Studie für Aufruhr gesorgt, als ein vermeintlicher Zusammenhang zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung und Autismus untersucht wurde.

Mittlerweile wurde die umstrittene Studie zurückgezogen, die Autoren haben sich von deren Schlussfolgerungen distanziert. Als Grund für den enormen Anstieg der Erkrankungen wird die Diagnostizierung von Autismus und ähnlichen Störungen angeführt. Das Krankheitsbild sei sehr breit gefasst. Demnach könnte jeder wortkarge Achtjährige autistische Tendenzen aufweisen.

Je breiter die Diagnose gefasst ist, desto mehr Eltern können auf finanzielle Unterstützung für ihre betroffenen Kinder hoffen. Kritiker meinen hingegen, dass der umfassende Diagnosekatalog dazu führe, dass Ärzte in jedem Kind einen Autisten vermuten und die Diagnose übereilt stellen würden. Vergleichbar sei der Trend mit der Diagnose des Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS), womit jedes lebhaftere Kind als Abweichung von der Norm begriffen wurde.

Experten arbeiten daran, die Definition von autistischen Krankheiten einzuschränken, wodurch weniger Kinder in das Krankheitsbild passen würden. Psychiater und Eltern warnen davor, dass eine neue Definition der Krankheit zum Nachteil der Betroffenen wäre. Wenn sie nicht länger als autistisch gelten, erhalten sie weder die finanzielle Unterstützung noch haben sie Zugang zu den Spezialeinrichtungen, die für sie vorgesehen wären. Im Mai 2013 wird der neue Diagnoseleitfaden, das Diagnostic Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), veröffentlicht. Vielleicht wird dann der Begriff Autismus weniger inflationär gebraucht - und eigenartige Partybekanntschaften sind dann einfach nur eigenartig. (Solmaz Khorsand, derStandard.at, 10.4.2012)

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11 Postings

Asperger ist keine Krankheit, sondern eine Entwicklungsstörung. Die meisten sind meistens völlig gesund.

das explodieren von derlei diagnosen in den usa ist kein zufall. die american psychological association (apa) publiziert das sogenannte doagnostic and statistic manual of mental disorders (DSM). mit jeder neuen auflage steigt natuerlich die zahl der diagnostizierbaren "krankheitsbilder" an.

man scherzt in den usa, dass man als gesunder nicht mehr zum psychologen gehen kann, ohne mit einer krankheit disagnostiziert zu werden.

der anstieg der diagnosen bei kindern ist besonders pervers. dank dieses phaenomens sind schulkinder jene bevoelkerungsgruppe, die am meisten psychopharmaka verschrieben bekommt. die pharmaindustrie freut's.

So wie bald JEDES Kind entweder an Autismus oder an ADHS leidet,

wird jeder Erwachsene bald entweder krankhaft hohen Blutdruck (ab 120) oder chronische Hypotonie (unter 120) haben.
Und entweder an krankhafter Adipositas (BMI über 22) oder nervöser Anorexie (BMI unter 22) leiden.
Der Zeitgeist und die Interessen der Pharmaindustrie sprechen eindeutig dafür...

keine ahnung

asperger autismus und rain man (=kanner autismus) auf die selbe stufe zu setzen kann man maximal von der kronen zeitung tolerieren. ein ganzes volk für blöd zu erklären, weil ein bestimmtes krankheitsbild in letzter zeit häufiger diagnostiziert wird ohne nun der frage nachzugehen, ob die psychologen geschulter darin sind, darauf zu achten oder ob es tatsächlich ursächliche gründe dafür gibt...tststs.. wo ist der unterschied zu "österreich" oder "heute"??

So gut mir der Blog gefaellt, zeigt sich an diesem Beitrag halt die gewisse Eindimensionalitaet, der man ausgesetzt ist, wenn man in New York wohnt und glaubt das Verhalten der Mitmenschen auf die ganze USA extrapolieren zu koennen.
Neurosen sind ja doch nur in NYC und Kalifornien chic und nicht ganz so im bible belt.

stimmt unter dem namen jesu seine frau und die kinder alkoholisiert verprügeln und lustige weiße hüte mit fackeln tragen, ist ja ganz normal und in seiner dogmatik gar nicht neurotisch.

denn dort ist jemand mit den gleichen symptomen halt vom teufel besessen :)

Das Hauptproblem: Eine Zuverlässige Diagnose können nur speziell ausgebildete Psychologen stellen.

Meist sind die selbst Asperger und erkennen ihre "Kollegen" recht schnell. Andere Psychologen und Psychiater erstellen meist Fehldiagnosen und empfehlen völlig falsche Therapien.

In Wien gibt es ein Problem bei AMS und MA40. Die für Diagnosen verpflichtete Firma, ist völlig Unfähig. Sie erstellt im 3 Minutentakt Gutachten mit völlig unzulänglich durchgeführten Untersuchungen, die meiner Meinung nie Stimmen können, bestenfalls per Zufall.

Autismustests gibt es in Wien nur Kostenpflichtig. Ich versuche seit Jänner so einen Test bezahlt zu bekommen, kann also nicht sagen, ob der bewilligt wird. Ich warte!

Jedenfalls fühle ich mich nicht nur massiv diskriminiert sondern auch seit drei Jahren falsch informiert, hingehalten, veräppelt.

Die meisten Psychologen "sind selbst Asperger"? Aha, wieder was gelernt, danke ;)

Gemeint sind jene

die sich auf Autismus spezialisiert haben ...

Die anderen lieben es eher ihre Dominanz an Menschen, die bei ihnen Hilfe suchen, auszuleben ...

die spinnen die neuzeitlichen römer !!!

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