Grass Persona non grata in Israel

Ben Segenreich aus Tel Aviv
9. April 2012, 18:19
  • Tom Segev: Einreiseverbot für Grass "rückt 
uns näher an Iran und Syrien".
    foto: apa/hans klaus techt

    Tom Segev: Einreiseverbot für Grass "rückt uns näher an Iran und Syrien".

Innenminister verhängt Einreiseverbot - Historiker Segev: "Völlig idiotisch"

Überraschung rief am Sonntag in Israel die Entscheidung der Regierung hervor, Günter Grass zur Persona non grata (unerwünschte Person) zu erklären. Das Iran-Israel-Gedicht des deutschen Schriftstellers, das in Deutschland eine lautstarke Debatte auslöste, hatte in Israel vergleichsweise wenig Beachtung gefunden.

"Eine Aussage dieser Art stellt klaren Antisemitismus dar, der einen Aufschrei in der ganzen Welt hervorrufen muss", begründete Innenminister Eli Jischai von der religiösen Schass-Partei das von ihm verkündete Einreiseverbot. "Das Wenigste, was wir tun können, und besonders ich als Innenminister, der das Recht dazu hat, ist, so einen Menschen daran zu hindern, nach Israel zu kommen." Der israelische Historiker und Kolumnist Tom Segev bezeichnete das Einreiseverbot am Montag im Gespräch mit dem STANDARD als "völlig idiotisch". Am Sonntag hatte sich auch Außenminister Avigdor Lieberman zu Grass geäußert und "westliche Intellektuelle" kritisiert, die "zur Eigenwerbung bereit sind, die Juden zum zweiten Mal auf dem Altar verrückter Antisemiten zu opfern".

Zuvor hatten die wenigen israelischen Kommentare, die sich mit dem in der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichten Text befassten, die Grass'' Thesen in teils scharfen Tönen zurückgewiesen. "Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden", hatte Grass geschrieben und vor einem " Erstschlag" gewarnt, der das "iranische Volk auslöschen könnte". Segev hatte dazu gemeint, dass "Grass überhaupt keine Ahnung haben kann" und manchmal ein "Bedürfnis hat, Provokationen aufzubringen". Israel habe noch niemals gedroht, irgendein Land zu vernichten, "während der Iran Tag und Nacht droht, Israel zu vernichten".

Doch das Einreiseverbot für Grass bezeichnete Segev nun als "peinlich in dem Sinn, als es uns näher an Iran und Syrien rückt als an ein Land, in dem freie und intelligente Menschen leben, wie die meisten Israelis das wollen". Gerade Israel als " ein Land, das sich fast täglich gegen irgendeine Art von Kulturboykott wehren muss, tut nicht gut daran, jemanden nur wegen seiner politischen Auffassungen zu boykottieren". (Ben Segenreich, DER STANDARD, 10.4.2012)

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werter herr minister:...

...angenommen, burundi erklaerte mich zur persona non grata: wie sehr, meinen sie, koennte mich das kratzen?

erstens.

zweitens wirkt ihr vorgehen zumindest leicht erratisch: wenn grass eine persona non grata fuer sie ist, wieso lassen sie dann einen strache mit einem kapperl einer rechtsextremen, xenophoben, antisemitischen burschenschaft als kopfbedeckung nach yad vashem?

drittens: grass ist "ein nazi"? sie verharmlosen die nazis, guter mann.

Burundi

was haben Sie gegen burundi? Ich wäre traurig!

wenn

man den Standard liest, es entsteht der Eindruck,in israel gäbe nur ein Historiker, Herr Segev. bei allem Respekt, zur seiner Person, der Historiker ignoriert,dass Grass bei Waffen SS gedient hat, und diese Tatsache verschwiegen hat. Allein das wäre ein Grund ihm die Einreise nach Israel zu verbieten.Segev sollte eigentlich sich schämen Israel auf eine Stufe mit Syrien und Iran zu stellen. damit bringt er sich selbst die nähe von Grass. Was heisst das:"tut nicht gut wegen politischen blabla zu boykottieren?" heisst das das man muss mit jedem Hass verbreiter diskutieren? Was für Unsinn!

Und wenn schon, dann war er halt dort.

Viele mußten, das wird gerne vergessen.

also nicht viel mehr ein Totschlagargument, um freie Meinungsäußerung zu unterdrücken, ganz im Stil der gewohnten Apartheitspolitik.

wer einen strache mit der kopfbedeckung einer rechtsextremen, antisemitischen burschenschaft...

...nach yad vashem laesst hat jedwedes einschaetzungsvermoegen im spind seiner hysterie gelassen.

soweit ich weiß, hat hr. grass nicht geleugnet,

zur waffen-ss eingezogen worden zu sein

aber vielleicht ist ihnen ja auch peinlich, als jugendlicher mal äpfel geklaut zu haben, und sie rennen auch nicht seither mit einem pappschild vor der brust herum "ich bin ein apfeldieb!"

sollte man ihnen dann auch die einreise nach israel verbieten?

ridentem

Ihr latein, hat Ihnen a bissl geschadet, sorry...
apfel mit SS zu vergleichen, darauf muss man noch kommen...

Diebe sinds oft freiwillig.Da besteht schon ein Unterschied.

Stimmt, die armen Äpfel.
Aber die Tatsachen bleiben mWn folgende:
Grass meldete sich wie viele begeisterte/gehirnwaschene junge Männer mit 17 zum Militär.
Er wird zur SS abkommandiert und muss dort dienen.
Nach Kriegsende gibt er beim Verhör durch die Amerikaner zu, bei der SS gelandet zu sein.
Die nächsten 60 Jahre spricht er nicht von sich selbst aus darüber (so wie eigentlich alle Österreicher und Deutschen).
Bei der Veröffentlichung seiner Autobiografie gibt er es (erneut) zu.
Aufgrund der (medialen) Aufschaukelung des Konflikts Israel-Iran und der Möglichkeit einer globalen Ausweitung produziert er ein provokantes Gedicht.
Sehr viele reden darüber, aber nicht über den Inhalt.
mMn: Knapp vorbei ist auch daneben.

segev

bringt es auf den punkt. exakt so ist es. die idioten beider seiten versuchen, einander zu übertreffen.

Ich tendiere dazu, die Einschätzung von Tom Segev über das Einreiseverbot f. Grass zu teilen. Allerdings halte ich es als Reaktion des Staates, über den Grass in seinen Auslassungen mit Falschbehauptungen und Unterstellungen herzieht, für...

...zumindest verständlich.

Grass wird es aber sicher verschmerzen, umso mehr als angesichts der begeisterten Reaktionen aus der islamischen Republik Iran sicher schon eine Einladung zu einer Tour mit Lesungen von dort winkt.

"Es geht nicht um U-Boote. Es geht um Schuldverschiebung und Selbstentlastung."
http://www.zeit.de/politik/a... ettansicht

off topic

im gegensatz zum newcomer, aus dem artikel mit dem george clooney look alike, sieht Tom Sege Gene Hackman wirklich ähnlich

Wenn Grass nun die Einreise verweigert wird, ist damit der Weltfrieden gesichert?

Dann ist es ja gut.

Was für ein Schmarrn!

Bei einem Einreiseverbot die Einreise verweigern?
Soll wohl lustig sein?

Für Sie ist es ein Schmarrn, andere haben es verstanden. So ist das Leben, oder?

"...ein Land, in dem freie und intelligente Menschen leben, wie die meisten Israelis das wollen"

Ist doch seltsam, dass die Mehrheit dieser freien und intelligenten Menschen dann immer wieder völlig unterbelichtete Kriegshetzer ins Regierungsamt wählt.

... Israel Persona non grata in world!
wer austeilt, muss auch einstecken können.

schass partei ist nicht besser als jeder antisemit die sind vielleich sogar noch radikaler und wenn die könnten wie sie wollten

Ist Ihr Posting auf Deutsch abgefasst?
Was soll dieses Kauderwelsch?

98, 99, 100 Erbsen.
so fertig

Es geht um das Recht der freien Meinungsäußerung

und der Freiheit der Kunst. Es geht nicht um Rassismus oder Hetze gegen eine Glaubensgemeinschaft. Grass kritisiert die Regierung eines Staates, der sich "Demokratie" nennt. Schade, dass die Kritik an Israel bei uns immer mit Antisemitismus gleichgesetzt wird.

Wird sie nicht immer, sie ist es leider fast immer.

aber in grass kannst du das nicht unterstellen. kennst du seine aussagen? ode rnur die 10 sek zusammenfassung für die schlagzeilen? jeder der den grass antisemit bezeichnet, ist nicht ganz ernst zu nehmen.

Grass hat mit seiner Kritik an der rechten Regierung Recht. Wenn diese wirklich einen 3. Weltkrieg auslösen ..... nah Danke, 2 Weltkriege haben uns schon gereicht. Kritik an die Rechten und Ultrareligiöse hat mit Antisemetismus nichts zu tun.

Die einen zeichnen Comics über Mohammed, der andere macht ein kritisches Gedicht, ... die Reaktion ist immer die gleiche!

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