Wenn die Pilze sprießen

9. April 2012, 17:00
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Was tun bei feuchten Mauern? - Am besten sofort handeln, denn je länger man wartet, desto teurer wird es

Wasser ist unser ständiger Begleiter. Wir finden es in der Luft, im Boden oder in uns selbst. Schließlich besteht der menschliche Körper - in Abhängigkeit vom Alter - zwischen 75 und 50 Prozent aus Wasser.

Im Mauerwerk hat es allerdings nichts verloren, da Feuchtigkeit auf Dauer die Bausubstanz schädigt, die Wohnqualität beeinträchtigt und im schlimmsten Fall sogar die Gesundheit gefährdet. Maßnahmen zur Trockenlegung sind häufig ein komplexer bautechnischer Vorgang, der nicht von Laien durchgeführt werden sollte. Für Verwirrung sorgt außerdem das breite Angebot von unterschiedlichen Verfahren, die bei mangelhafter oder falscher "Diagnose" wenig bis gar nichts verbessern.

Wo lauert der Feind?

Die Wahl der "richtigen" Methode hängt von der Feuchtigkeitsursache ab. Dringt Wasser durch das Erdreich in die Mauern? Stammen die Flecken an den Wänden von einem schadhaften Dach oder einer verstopften Regenrinne? Oder handelt es sich lediglich um Kondensationsfeuchte, bei der warme Raumluft an kalten Innenwänden kondensiert?

Für eine derartige Expertise braucht es Erfahrung. Deshalb empfiehlt beispielsweise die niederösterreichische Energieberatung, dass sich Betroffene nur an firmenunabhängige Sachverständige wenden sollten.

Richtiges Lüften

Ein vierköpfiger Haushalt "produziert" täglich bis zu zehn Liter Feuchtigkeit. Weitere Quellen von Wasserdampf sind Pflanzen, Aquarien und Zimmerbrunnen. Sogar Topferde kann die Ursache für das Sprießen von Sporenpilzen sein.

Wird das Erdreich mit drei bis fünf Zentimetern Quarzsand abgedeckt, kann sich kein Schimmel mehr bilden, da die Oberfläche nach dem Gießen durch die grobe Kornstruktur schnell abtrocknet. Den größten Effekt gegen Kondensationsfeuchte bietet allerdings die richtige Raumlüftung. "Häufig tritt Schimmelpilz nach einem Fenstertausch auf. Während die alten, undichten Fenster noch für einen konstanten Luftwechsel - allerdings begleitet von hohen Wärmeverlusten - gesorgt haben, sind die neuen Fenster dicht. Dadurch steigt die Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen", erklärt die Energieberatung NÖ.

Da kühle Luft trockener als warme ist, sollte im Sommer immer nur dann gelüftet werden, wenn die Temperatur draußen niedriger ist als im Inneren, also spätabends, nachts oder morgens. Bei der sogenannten "Querlüftung", die im Winter zu empfehlen ist, werden Fenster und Tür bis zu fünf Minuten lang ganz geöffnet. Ist das nicht möglich, bietet sich als Alternative eine fünf- bis zehnminütige "Stoßlüftung" über das Fenster oder die Tür an. Im Sommer reicht es in der Regel aus, die Fenster für einen längeren Zeitraum zu kippen.

Wenn die Feuchtigkeit in den Mauern sitzt

Vertikalabdichtungen verhindern das Eindringen von seitlichem Bodenwasser oder Schäden durch Spritzwasser. Beim nachträglichen Einbau wird der betroffene Mauerabschnitt oder ein Teil des Fundaments freigelegt, gereinigt und dann abgedichtet. Eine häufige Ursache von feuchten Mauern ist allerdings eine beschädigte oder fehlende Horizontalabdichtung. "Vor allem Häuser, die vor 1960 errichtet wurden, leiden an diesem Problem", heißt es von Seiten der Energieberatung NÖ. Laut Ö-NORM bieten sich hier drei übergeordnete Verfahrensweisen an, die allerdings größtenteils sehr aufwändig und mit erheblichen Kosten verbunden sind.

  • Mechanische Verfahren

Bei den "mechanischen Verfahren" wird ein Teil des Mauerwerks herausgestemmt, neu gemauert und mit einer Dichtungsbahn versehen oder die Mauer mit Trennscheiben beziehungsweise Fräsen "durchgeschnitten". Die so geschaffene Trennfuge schafft Platz für die Abdichtung und wird mit Quellmörtel geschlossen. Allerdings können bei beiden Methoden Setzungsrisse auftreten. Ist bereits eine durchgehende Mauerfuge vorhanden - was bei älteren Gebäuden so gut wie nie vorkommt - bieten gewellte Edelstahlplatten, die in die Fuge "eingeschossen" werden, einen probaten Schutz gegen Feuchtigkeit.

  • Injektionen in die Mauer

Injektionsverfahren verhindern den Aufstieg von 80 bis 95 Prozent der Feuchtigkeit. Dabei werden etwa alle 20 Zentimeter Löcher ins Mauerwerk gebohrt und mit Silikon, Kunststoff oder Harz gefüllt. Diese Abdichtung ist allerdings nur begrenzt haltbar und für stark durchfeuchtetes Mauerwerk (mehr als 60 Prozent) nicht geeignet, da in diesem Fall die Poren und Kapillaren zu sehr mit Wasser gesättigt sind, wodurch sich das Injektionsmittel nicht ausreichend verteilen kann. Eine Verbesserung bringt hier das Ausheizen der Feuchtigkeit mit Elektroheizstäben.

  • Elektrophysikalische Methode

Durch zwei Elektroden, die sich unter dem elektrisch leitenden Putz befinden, und einer geringen Gleichspannung wird in der Mauer ein elektromagnetisches Feld aufgebaut, das die Ionenwanderung der Wassermoleküle und damit das Aufsteigen von Feuchtigkeit verhindern soll. Es sind zwar kaum mechanische Eingriffe ins Mauerwerk notwendig, was besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden begrüßenswert ist, allerdings bleibt der Strom permanent an und die Elektroden müssen zweimal im Jahr auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden. Außerdem ist das Verfahren für mehrschalige Mauerwerke oder Stahlbetonwände ungeeignet.

Umstrittene Alternative

Wahre Wunder verspricht ein alternatives Verfahren, das über "Gravomagnetokinese" die Feuchtigkeit im Mauerwerk zur "Abwärtsbewegung" veranlassen will. "Die umweltfreundliche Aquapol-Technologie des Erfinders und Naturforschers Wilhelm Mohorn wirkt auf den ersten Blick wie Zauberei", schrieb einst eine Nachrichtenillustrierte in einem ganzseitigen Artikel über die "geheimnisvolle" Methode. Es folgte eine Aufzählung zahlreicher publikumswirksamer Erfolgsprojekte, eine plausible Erklärung über die Funktionsweise wurde aber nicht geliefert. Dafür der Hinweis: "Klappt die Trockenlegung nicht, was in Einzelfällen vorkommen kann, wird der Kaufpreis zurückerstattet."

Einer dieser "Einzelfälle" ist der Niederösterreicher Herwig Reisinger, der sich im Jahre 2001 von einer Behandlung seiner feuchten Wände mit Aquapol um mehr als 11.000 Euro überzeugen ließ. "Nach über zwei Jahren habe ich gesehen, dass das Gerät nicht wirkt", erzählt der gelernte Elektroingenieur. Allerdings verweist das Unternehmen selbst auf einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bis zu maximal drei Jahren, die zur Austrocknung notwendig sind. Auf die Rückerstattung des Kaufpreises musste Herwig Reisinger bis zum Jahr 2011 warten, nachdem ihm gerichtlich Recht gegeben wurde.

Die "unbeschreibliche" Kraft des Erdfelds

Was die Funktionsweise betrifft, so bleiben auch die Angaben des Erfinders Mohorn sehr kryptisch. Die Energieversorgung des Geräts, das beispielsweise an der Decke montiert wird, erfolgt nicht mit Strom, sondern "über ein genau definiertes Erdfeld mit bestimmter Frequenz und Wellennatur sowie mit Raumenergie", heißt es in einem Informationsblatt des Unternehmens. "Das resonanzfähige Gerät koppelt mit dem besagten Erdfeld ein und geht gleichzeitig mit der Raumenergie in Resonanz. Die Raumenergie wird dabei in jene Energieform des Erdfeldes umgewandelt. Das elektromagnetähnliche Gerätefeld bewirkt nun eine Abwärtsbewegung der Feuchtemoleküle im kapillarartigen System der Mauer", heißt es dazu weiter.

Die Energieberatung NÖ gibt für dieses Verfahren allerdings keine Empfehlung ab. (Günther Brandstetter, derStandard.at, 9.4.2012)

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