Machtkampf nach Entlassung von Militärs

7. April 2012, 16:42

Vertraute des ehemaligen Langzeit-Präsidenten Saleh wollen nicht ohne weiteres das Feld räumen

Kairo/Sanaa - Im Jemen stürzt ein neuer Machtkampf das Land noch tiefer in die Krise. Auslöser ist die Entlassung von führenden Militärs sowie Gouverneuren, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh nahestehen. Auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Sanaa mussten am Samstag nach einer Drohung mit Anschlägen alle Flüge gestrichen werden. Anhänger des geschassten Luftwaffenkommandanten, Mohammed Salih Al-Ahmar, einem Halbbruder des zurückgetretenen Langzeit-Präsidenten, hätten angekündigt, Flugzeuge angreifen zu wollen, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Der neue Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi hatte die Militärs am Freitag entlassen. Damit erfüllt das Staatsoberhaupt einen Teil der Vereinbarung zur Neugestaltung des Landes. Diese hatte Saleh im November in Saudi-Arabien nach monatelangen Massenprotesten unterzeichnet. Neben dem Rückzug des Machthabers sieht das Papier vor, dass die vielen Kommandanten, die zu Salehs Familie gehören, abgesetzt werden. Nach Informationen des Fernsehsenders Al-Arabiya will Al-Ahmar aber erst gehen, wenn auch andere hochrangige Mitarbeiter im Verteidigungsministerium ihre Ämter aufgeben.

Sohn Ahmed noch im Amt

Weiterhin im Amt ist Salehs Sohn Ahmed, der die Elitetruppe der Republikanischen Garde führt. Beobachter rechnen aber damit, dass auch er bald ersetzt wird.

Seit Amtsantritt des neuen Präsidenten im Februar hatte es immer wieder blutige Terroranschläge auf die Sicherheitskräfte des Landes gegeben. Der ölreiche Süden des Jemen will sich vom fragilen Zentralstaat abspalten, und im Nordwesten betreiben die schiitischen Houthi-Rebellen bereits praktisch einen eigenen Staat im Staat. Die Extremistenorganisation Al-Kaida hat wegen der Schwäche des Zentralstaats an Stärke gewonnen. Versinkt der Jemen in Gewalt, könnte dies auch Auswirkungen auf den weltweiten Seehandel und die Erdöllieferungen haben: Das Land liegt gegenüber von Dschibuti an der Meerenge Bab al-Mandab, die die Erdöl- und Flüssiggastanker auf dem Weg nach Europa und Amerika passieren müssen. (APA, 7.4.2012)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.