Grass würde Israel-Text jetzt anders schreiben

562 Postings

"Ja, ich würde den pauschalen Begriff 'Israel' vermeiden" - Autor hält Israels Regierung für schädlich

Berlin - Nach massiver Kritik hat Literaturnobelpreisträger Günter Grass Formulierungen in seinem Israel-Gedicht relativiert. "Ja, ich würde den pauschalen Begriff 'Israel' vermeiden", antwortete Grass in einem Interview auf die Frage, ob er den Text inzwischen anders schreiben würde. Zudem würde er nun deutlicher machen, dass er sich in erster Linie gegen die derzeitige israelische Regierung von Benjamin Netanyahu wende, sagte er der "Süddeutschen Zeitung" weiter.

"Die kritisiere ich: Eine Politik, die gegen jede UN-Resolution den Siedlungsbau fortsetzt. Ich kritisiere eine Politik, die Israel mehr und mehr Feinde schafft und das Land mehr und mehr isoliert." Netanyahu sei nach seiner Einschätzung der Mann, der Israel zurzeit am meisten schade, "und das hätte ich in das Gedicht noch hineinbringen sollen", sagte der 84-Jährige.

Netanyahu gehört zu den schärfsten Kritikern des Textes, in dem Grass Israel wegen eines drohenden Militärschlags gegen den Iran eine Gefahr für den Weltfrieden nennt. Der Ministerpräsident warf Grass vor, die Verhältnisse zu verdrehen. Nicht der jüdische Staat, sondern der Iran bedrohe mit seinem Atomprogramm den Weltfrieden, sagte Netanyahu am Freitag. Auch Politiker von Union, SPD und Grünen äußerten sich empört über die Aussagen von Grass. (APA/Reuters, 7.4.2012)

  • Ein Mann, eine Pfeife: Günter Grass in seiner Denkerpose.
    foto:jens meyer/ap/dapd

    Ein Mann, eine Pfeife: Günter Grass in seiner Denkerpose.

Share if you care.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen ( siehe ausführliche Forenregeln ), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.