Showdown um den Schweizer Franken

6. April 2012, 13:25

Der starke Franken ist ein herber Rückschlag für die Notenbank. Die Schweizer können sich nicht von der Eurokrise abkapseln

Erstmals seit September 2011 ist der Euro unter die Marke von 1,20 Franken gefallen. Für die Schweizer ist das ein herber Rückschlag, wollten sie diese Marke doch mit aller Macht verteidigen. Der teure Franken macht die Exporte des Landes teurer und schadet der Industrie. Spekulanten haben die Schweizer Notenbank (SNB) geknackt.

Das Aufwerten des Franken ist insofern ein starkes Signal, als die SNB genau das mit Milliarden-Einsätzen verhindern wollte. Sie kauft in regelmäßigen Abständen Euro, um dessen Abwerten gegenüber dem Franken zu verhindern. Dennoch war am Donnerstag ein Euro nur mehr 1,1990 Franken wert. Die Nationalbank hatte 1,20 als absolute Mindestgrenze bezeichnet.

Schweizer geben sich kämpferisch

"Wir sind weiterhin bereit, Fremdwährungen in unbegrenzter Höhe zu kaufen, um dieses Niveau zu verteidigen", sagte ein Sprecher der SNB im Namen des Notenbank-Chefs Thomas Jordan. Peter Rosenstreich von der Swissquote Bank in Genf spricht von einem "Weckruf" für die Nationalbank. "Ihre Glaubwürdigkeit wird in Frage gestellt werden und sie müssen in irgendeiner Art darauf antworten", sagte der Analyst der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das ist am Freitag auch passiert, Euro-Stützungskäufe haben die Gemeinschaftswährung wieder auf 1,21 Franken gehoben. Dennoch bahnt sich an, was Rosenstreich einen "Straßenkampf zwischen Zentralbanken und Märkten" nennt.

Teure Exporte und Patriotenrabatt

Die Hoheit über ihren Wechselkurs ist den Schweizern deshalb so wichtig, weil der Franken gegenüber dem Euro im Zuge der Schuldenkrise massiv aufwertete. War ein Euro im September 2010 noch 1,30 Franken wert, waren es im Jahr darauf nur noch 1,10 Euro. Die Schweizer Exporte in den Euroraum wurden dadurch massiv teurer. Viele Firmen begannen daraufhin, ihre Angestellten in Euro zu bezahlen. Auf der anderen Seite zog es viele Schweizer zum Einkaufen in die Nachbarländer Österreich und Deutschland, sie konnten sich plötzlich viel mehr leisten. Das Ganze ging so weit, dass Schweizer Handelsketten von ihren Zulieferern einen Patriotenrabatt verlangten. Günstigere Produkte sollten die Menschen vom Kauf in der Heimat überzeugen.

Endlose Eurokrise

Grund für den Run auf den Franken ist laut Devisenhändlern die Angst vor einer weiteren Eskalation der Eurokrise, nachdem die Zinsaufschläge spanischer und italienischer Staatsanleihen wieder deutlich in die Höhe geschnellt sind (hier die Details). Die Phase rückläufiger Renditen, die durch die "Big Bertha" genannte Banken-Finanzspritze (1.000 Milliarden Euro) von Mario Draghis Europäischer Zentralbank (EZB) ausgelöst worden sei, dürfte zu einem Ende gekommen sein.

Deshalb hat der Euro auch gegenüber anderen Währungen wie dem japanischen Yen verloren. Mit 106,86 Yen landete die Gemeinschaftswährung am Donnerstag auf dem tiefsten Stand seit Anfang März. Am Freitag hat sich die Lage etwas stabilisiert, ein Euro war wieder über 107 Yen wert. Das Drei-Wochen-Tief gegenüber dem Dollar (1,3055) hat sich am Ende der Woche wieder in Richtung 1,307 bewegt.

Stabilisierung hin oder her, nachdem der von der Schweizer Notenbank festgesetzte Wechselkurs zum Euro kurzzeitig unterschritten wurde, stellen sich Kritiker die Frage, wie lange das Institut die Maßnahme noch aufrechterhalten kann. Laut Claude Maurer, Ökonom bei der Credit Suisse in Zürich, hat die SNB auf eine ruhigere Osterwoche gehofft. "Jordans Job wird damit nicht leichter", sagte Mauer. Die Risikoaversion der Menschen habe sich erhöht, die damit den Euro meiden wollen.

Fazit: In den nächsten Monaten wird die SNB alles daransetzen, nicht noch einmal übertölpelt zu werden. (Reuters/clt/sos, derStandard.at, 6.4.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
1 2 3
Man muss ja sehen, dass der hohe Frankenkurs in keiner.....

...Weise durch die fundamentalen volkswirtschaftlichen Daten gesichert sind. Der Kurs ist allein durch die Nachfrage begründet.

Die Schweiz könnte das Bankgeheimnis abschaffen und mit der EU kooperieren,

Milliardenbeträge würden fluchtartig das Land verlassen!

die schweizer sind ja angeblich rect stolz auf ihr land wie der roma bericht zeigt auch extrem rechts

solche staaten gehören vor ein internationales gericht da die gesammte existenz auf betrug und verbrechen basiert

Sie sind ein Spiegelbild der Wirtschafts-Kompetenz der....

....der meisten Poster, aber ebenso deprimiereend sind ihre Konsequenzen.

Selten eine so präzise und gleichwohl differenzierte Analyse gelesen!

Eine Frage noch: Wie bist du mit den Bildern im Wirtschaftsteil zufrieden?

ja, sehr scharfsinnig und auf dicht gespanntem logischen fundament argumentiert.
es braucht in zukunft kürzere sätze und mehr bilder im wirtschaftsteil um mehr fachkundige experten anzulocken.

Der CHF

wird das nicht lange durchstehen.

Der Euro ist einfach zu schwach und er könnte noch viel schwächer werden.

wenn die snb es geschickt macht ist es durchaus leicht haltbar dieses niveau, bezweifle aber das dort richtig angegangen wird...

Die Schweiz könnte den CHF leicht dauerhaft abwerten: Anonymität bei Banken abschaffen und alle Steuersünder in den Wohnsitzländern "verpetzen".

Damit würde sich die Scheiz aber selber massiv ins eigene Fleisch schneiden. Denn die Schweiz lebt von den Steuerbetrügern, nicht von den schweizer "Exporten".

Von einer Papierwährung in die andere wegen Angst vor Crash macht wenig Sinn. Daher Steuerflucht und Steuerbetrug ist das eigentliche Motiv dahinter.

Siehe nur das Theater was sich Schweiz-Deutschland in Steuersachen die letzten Wochen liefert.

Und die SNB lässt nun als Gegenwaffe eben den CHF etwas aufwerten, so dass die Währungsspekulanten in der EU gezwickt werden -> Unter 1,2 beginnt für die meisten Häuslbauer-Spekulanten in der EU mit CHF-Krediten die "Todeszone". Das weiss auch die SNB. Und das setzt die Schweiz nun eben im Steuerstreit mit GER als Druckmittel ein.

Zerschlagt die Investmentbanken ! Ohne Schwarzgeldvermögen aus dem ausland wäre die Schweiz längst Bankrott...

genial..

am Ende zahlen nicht die Deutschen, sondern die Schweizer den Euro-Pleiterverein. Wird spannend..

'..macht die Exporte des Landes teurer und schadet der Industrie'

was ich dabei nicht ganz versteh: wird das nicht zumindest zum Teil abgefangen davon, dass die Importe billiger werden ? Die Schweizer Industrie wird ja wohl auch genug importieren f. die Herstellung ihrer Produkte, somit die Herstellkosten senken und vielleicht die Preise auch reduzieren können.

Nunja

Geld bringt nur der Verkauf und nicht der günstige Einkauf. Wenn du deine Waren nicht verkaufen kannst, weil es sich niemand mehr leisten kann - wegen des hohen Wechselkurses - bringt es dir nichts, wenn du das Rohmaterial günstiger einkaufen kannst.

Und für "Jose A.", die Schweiz musste bislang noch keine Franken drucken sondern hat mit dieser Ankündigung im Vorjahr mehrere zigmilliarden Euro verdient - nachzulesen auch in Schweizer Onlinezeitungen.

Eines steht ganz sicher fest

Noch KEIN Land konnte seinen Wohlstand erhöhen, indem es Geld wie wild druckte.

Denn wäre es so, wäre Symbabwe wohl extrem wohlhabend. Genau das Gegenteil ist der Fall!

Naja, die Sache ist nicht ganz so einfach...

...zum Teil wird es Firmen geben, die in CHF einkaufen und so das Fremswährungsrisiko an den Lieferanten ausgelagert haben. Diese profitieren im Moment nicht vom starken Franken.
...selbst wenn man billiger einkauft ist, bergen Preisenkungen in CHF mit dem Ziel, den starken Schweizer Franken auszugleichen, ein hohes Risiko, dass man Preissteigerungen später nicht mehr durchsetzen kann, wenn der Franken wieder schwächer wird...
...in Summe ist das keine einfache Situtation.

Es geht um die Kosten für die heimische Wertschöpfung

Wenn ein schweizer Produkt aus den selben Rohstoffen besteht wie sein deutsches Konkurrenzprodukt, dann sind für beide Hersteller die Rohstoffe weiterhin real gleich teuer.

Nur die schweizer Veredelung (der Bau des Produktes aus den Rohstoffen) wurde um 20% teurer als das deutsche Produkt.

Wenn z.B. 50% der Veredelung (=Wertschöpfung) in der Schweiz erfolgen, ist somit dieses Produkt nun 10% teurer (bei 20% Aufwertung) als das deutsche Produkt.

Wer eine auf den Preis schauende Kundschaft hat ist da sehr rasch pleite...

Völlig neue Erkenntnisse!

Erzählen Sie besser Ihre absurde LOgik nicht weiter. Sie ernten nur HOhn und Spott.

Die Logik geht für mich nicht ganz auf.
""Wenn ein schweizer Produkt aus den selben Rohstoffen besteht wie sein deutsches Konkurrenzprodukt, dann sind für beide Hersteller die Rohstoffe weiterhin real gleich teuer.""

Warum? Der Schweizer muss weniger seiner Währung hinblättern, um gleich viel indische Währung kaufen zu können wie der Deutsche.
Wenn die Schweizer ihre Währung abwerten, müssen sie am nächsten Tag mehr für das Eisen aus Indien zahlen, wenn die eine Stahlproduktion hätten z.B.

Klar, der in CHF bezahlte Schweizer bekommt sein importiertes Produkt in CHF umgerechnet nun billiger.

Aber aus Sicht des Außenhandels (der Exportwirtschaft) kauft z.B. ein schweizer Fabrikant Rohstoffe um den selben Weltmarktpreis wie der Österreicher (dem Weltmarkt ist der CHF-Kurs egal).

Nun veredelt der Schweizer mit X Arbeitsstunden den Rohstoff zur Fertigware um diese zu EXPORTIEREN, wieder auf dem Weltmarkt, dem der CHF-Kurs WIEDER egal ist.

Der Österreicher macht das auch mit den selben X Arbeitsstunden.

Aber die Schweizer Veredelung kostet nun um 20% mehr, weil mit dem CHF Löhne, Abgaben, Steuern etc. um 20% stiegen.

Dieser Preisauftrieb kann weder in der Schweiz noch im Export durch Preissteigerungen ausgeglichen werden, da auch die Fertigware am Weltmarkt gehandelt wird und auch in die Schweiz importiert werden könnte.

Warum nicht gleich richtig?

1. Der Schweizer wendet weniger Franken auf für den Einkauf aus dem Ausland.

2. Die Wertschöpfung am eingekauften Produkt ist kostenneutral unter dem Gesichgspunkt des Wechselkurses. Nur dürfte es aufgrund der sehr hohen Arbeitskosten in der Schweiz teurer sei

3. Das grosse Dlemma entsteht erst beim Weitervrkauf ans Ausland. Der ausländische Kunde muss ungemein viel seiner eigenen Währung aufwenden. um die extrem teuren Franken einzukaufen um Bezahlen zu können. Das ist die Crux der schweizer Wirtschaft.

Das stimmt schon so.

Aber es kommt natürlich auf das Produkt an.
Wird das Produkt fast nur im Inland verkauft (z.B. Brot) profitieren die Schweizer davon, Weizen billiger zu importieren.
Ein anderes Beispiel wären Medikamente. Rohstoffe werden durch stärkeren Franken "billig" in Deutschland oder Russland eingekauft, die Wertschöpfung ist zwar teurer als in D aber bei Pharmazeutika ist im Verkaufspreis oft der Arbeitsanteil sehr gering. Ich hab in der Branche gearbeitet, es gibt Tabletten da sind die Arbeitskosten unter 5% des Gesamtumsatzes, bei anderen sind es 30%. Dazu kommt noch, dass manche Produkte Monopole haben, und der Kunde kauft, auch wenn der Preis 10% steigt.
Also manche Branchen haben Nachteile, andere Vorteile. Der Markt sortiert sie aus.

vermutlich fallen die billigeren importe kaum ins gewicht, da die arbeitszeit einen großen teil der kosten ausmachen. schätze ich als laie halt

Frage: Was macht die Zentralbank mit den gekauften Euros?

an die schweizer bevölkerung ausgeben wenn in der schweiz vom franken zum euro gewechselt wird

vorher fliesst der Rhein flussaufwärts ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.