Kindergarten, eine Querschnittsmaterie

Leserkommentar |

Scheinbar nehmen sich alle des Themas an, aber keiner ist wirklich zuständig

Das Thema Kindergarten berührt Kinder, Eltern, Alleinerziehende, PädagogInnen, Zukunftsforscher, PolitikerInnen, JournalistInnen und viele andere mehr - aber offenbar ist niemand genügend berührt, die derzeitige Lähmung der elementaren Bildung zu diagnostizieren und auch Rehabilitationsmaßnahmen zu ergreifen. Alle nehmen sich dieses Themas an, aber keiner ist wirklich zuständig. Und so schaut dann die Behandlung des für die Zukunft unseres Landes beinahe wichtigsten Bildungsschrittes der Kinder leider auch aus:

Unterschiedlichste Zuständigkeiten, auch in den Medien

Der Kindergarten: ein Thema in Printmedien, Hörfunk, Fernsehen und Neuen Medien - für die Politikredaktion, für die Chronik, für Gesundheit, Erziehung, Frauen und Gender, Familie, Bildung, manchmal sogar für Karriere und Wissenschaft. Ein Thema in vielen Blogs und Facebook-Foren unterschiedlichster Intention.

Spielball zwischen den Körperschaften

Der Kindergarten: ein Thema für neun Bundesländer mit oft zwei verschiedenen Landesräten sowie für die Verbindungsstelle der Bundesländer und den Bundesrat, für acht Bundesministerien mit etlichen Sektionen, für den Nationalrat mit zumindest mehreren Ausschüssen, die einander widersprechende Intentionen haben (siehe zum Beispiel aktuell: Familienausschuss gegen besonderen Ausschuss für die Behandlung des Bildungsvolksbegehrens).

Institutionelle Aufsplitterung erschwert einheitliches Auftreten

2.357 Gemeinden (hiervon 243 Städte) und zwei Gemeindebünde: Bei über 60 Prozent der Kindertagesheime sind öffentliche Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) für die Erhaltung zuständig. Abgesehen von Wien (40,8 Prozent) werden in allen Bundesländern mehr als die Hälfte der Kindergärten durch die öffentliche Hand betrieben. Besonders stark ist diese Dominanz mit 96,6 Prozent in Niederösterreich, aber auch im Burgenland, in Tirol und Vorarlberg haben rund 90 Prozent der Kindergärten einen öffentlichen Träger.

Private als Betreiber: Fast alle staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften (rund 30 Prozent werden von kirchlichen Organisationen geführt) und eine große Zahl von Familienorganisationen, gemeinnützigen Vereinen, Betrieben und Privatpersonen (62,2 Prozent werden nicht von religiösen Organisationen geführt) unterhalten Kindertagesstätten. In Kärnten werden mehr als ein Viertel und in Oberösterreich mehr als ein Drittel der Einrichtungen von Kirchen geführt. Vereine agieren bei einem Viertel der Kindergärten in Wien als Träger.

MitarbeiterInnen wenig organisiert

Es gibt mehr als 50.000 MitarbeiterInnen, von der Kindergartenpädagogin (meist sind es ja Frauen) bis zur Helferin oder wie immer die weiteren Mitarbeiterinnen in den verschiedenen Bundesländern genannt werden. Die MitarbeiterInnen in den institutionellen Kindertagesstätten werden - bei geringer gewerkschaftlicher Organisation - von jeweils auf den Arbeitgeber zugeschnittenen Gewerkschaften vertreten, etwa der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten oder der Gewerkschaft der Privatangestellten.

Dem gegenüber stehen hoch engagierte Zusammenschlüsse wie die (theoretisch) neun im Österreichischen Dachverband der Berufsgruppen der Kindergarten- und HortpädagogInnen organisierten privaten Berufsvereinigungen ohne Kollektivvertragsfähigkeit und verschiedene Vernetzungen wie das Kollektiv Kindergartenaufstand.

Rechtliches Chaos - Namens-Wirrwarr

Dazu kommt, dass die Formen "institutioneller Kinderbetreuung" (wie die Einrichtungen für Kinder unter sechs Jahren meist noch immer genannt werden) sich vor allem nach der Altersstruktur der betreuten Kinder in Krippe, Kindergarten, Hort und Kindergruppe unterscheiden, wobei die verwendeten Begriffe in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind. Zum Beispiel werden im Burgenland, in Kärnten, der Steiermark und Tirol Einrichtungen für unter Dreijährige Kinderkrippen genannt, in Oberösterreich Krabbelstuben, in Salzburg Krabbelgruppen und in Wien Kleinkindergruppen. In Niederösterreich werden unter Dreijährige in Krabbelstuben, die unter Tagesbetreuungseinrichtungen eingeordnet werden, betreut, in Vorarlberg existiert keine eigene Bezeichnung.

Die rechtlichen Bestimmungen bei der "institutionellen Kinderbetreuung" unterscheiden sich österreichweit in vielen Bereichen nicht nur hinsichtlich Struktur und Inhalt, sondern vor allem in den verwendeten Begriffsbestimmungen. Neben grundlegenden Kinderbetreuungsgesetzen existiert eine unterschiedliche Anzahl begleitender Gesetze, Verordnungen und Richtlinien, in denen Entlohnungsschemata und Anstellungserfordernisse des Personals, Ausstattung der Einrichtungen und die schulische Nachmittagsbetreuung organisiert werden. In den einzelnen Bundesländern gibt es zumindest zwischen acht und drei verschiedene Gesetze, die für die Führung von Kindertagesstätten anzuwenden sind.

Qualifikationsfrage

Sehr ausgeprägt sind die Unterschiede bei den Qualifikationserfordernissen für das Personal, besonders für Hilfskräfte. Sie reichen von keiner besonderen Fachqualifikation in Kärnten, Niederösterreich, Tirol und Wien über erwünschte Ausbildungen in Salzburg und Vorarlberg bis zu 60- bis 300-stündigen Kursen inklusive Praxis in Oberösterreich, dem Burgenland und der Steiermark.

Aufsperrzeiten, Schließzeiten, geöffnete Stunden, Ferienregelungen variieren von Bundesland zu Bundesland. Die Möglichkeit der Begleitung bzw. der Mitwirkung bei Veranstaltungen durch die Eltern wird überhaupt nur im Burgenland, in der Steiermark und in Vorarlberg explizit erwähnt.

Rascher Ausbau von Kindergartenplätzen

Eine österreichweite Arbeitsgemeinschaft will dieser Zersplitterung entgegenwirken: In der Plattform EduCare haben sich VertreterInnen von Institutionen, Interessengemeinschaften und Trägerorganisationen sowie ExpertInnen aus dem elementaren Bildungsbereich freiwillig zusammengeschlossen. Herkunft, Ideologie, Partei, Konfession, pädagogische Lehrmeinung und Schule sowie Trägerorganisationen spielen darin keine trennende Rolle, sondern sind wertvolle Grundlage gegenseitigen Gedankenaustausches.

Die derzeitige Bundesregierung - unter der Federführung von Bundesminsterin Schmied und Staatssekretärin Marek - begann 2008 mit der Umsetzung jener Maßnahmen, die auf EU-Ebene zum quantitativen und qualitativen Ausbau der elementaren Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen festgelegt und von Österreich ratifiziert worden sind: dem raschen Ausbau von Kindergartenplätzen zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf und der bundesweiten Festlegung von Bildungsaufgaben für den Kindergarten.

Eingliederung des elementaren Bildungsbereichs in das Bildungsressort

Es wurden die verpflichtende Sprachförderung, das verpflichtende Kindergartenjahr und ein bundesweit gültiger Bildungs-Rahmenplan zwischen Bund und Ländern vereinbart. Meilensteine in der österreichischen Bildungspolitik.

Der Ruf nach einer Qualitätsoffensive wurde immer lauter: nach bundesweit einheitlichen und guten Bedingungen für Eltern, Kinder, PädagogInnen und Trägervereinen und nach der Eingliederung des elementaren Bildungsbereichs in das Bildungsressort.

Handlungsbedarf hinsichtlich der Qualität

Alle ExpertInnen und PraktikerInnen sind sich darüber einig, dass dringender Handlungsbedarf in der Qualität der Tagesstätten besteht. Die Regierung selbst postuliert in ihrer Strategie zum lebensbegleitenden Lernen "LLL:2020" in Österreich die Verabschiedung eines Bundesrahmengesetzes für Kindergärten zur Sicherstellung qualitativer Mindeststandards bei der frühen Förderung bis 2014.

Nur: Es tut sich wenig bis nichts - außer schönen Worten und vielen Versprechungen. Angst vor der eigenen Courage?

Offensichtlich handelt es sich um eine "Querschnittsmaterie", die offenbar niemanden genügend berührt, die Lähmung der elementaren Bildung nicht nur zu diagnostizieren, sondern Rehabilitationsmaßnahmen zu ergreifen. (Leserkommentar, Johannes-Maria Lex, derStandard.at, 6.4.2012)

Autor

Johannes-Maria Lex ist Bildungsaktivist.

Links

• Working Paper "Kinderbetreuung in Österreich"
• Lebenslanges Lernen - LLL:2020
Kindertagesheimstatistik

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Liebe(r) Orbit Ohne Zucker, wir - die elementarpädagogische Community...

haben auf Grundlage der Erfahrungen, die in dem Artikel aufgezeigt worden sind, eine Fülle von Aktivitäten gesetzt, die in etlichen Fällen bereits Besserung erreicht haben, in vielen Bereichen - vor allem bei der Kompetenzfrage - aber am beharrlichen Widerstand des "politischen Establishments" wider dessen besseren Wissens nicht weiterkommen. Aber wir geben nicht auf: im Sinn von konstruktivem Wut-/Mutbürgertum, wie das zwischenzeitlich genannt wird.
Die Aktivitäten - auch der Berufsvertretung ÖDKH und vieler anderer engagierten Menschens, etwa im Kindergartenaufstand, ind im Artikel auch angedeutet. Schauen Sie doch einmal auf unserer Homepage nach - http://www.Plattform-EduCare.org. Oder, noch besser, engagieren Sie sich mit uns!

Genau das hätte auch im Artikel stehen sollen

und das wollte ich mit meinem Posting ausdrücken.
Wie mühsam es ist, gegen des Establishment anzukämpfen ist bekannt. Darum ist es ja um so vieles interessanter zu zeigen, was wie wann und wo schon funktioniert hat.
Wie Sie sagen, haben Sie ja schon einiges erreicht. Her damit also! In den Artikel und nicht auf der homepage verstecken :-)

Als Leser wünsche ich mir Antworten auf diese drei Fragen, wenn ich den Artikel lese:
Who are you?
What do you do?
Why does it matter?

Ich kann auch noch diese Buch empfehlen und dann höre ich schon auf zu nerven ;-). Darin wird gezeigt, wie man eine gute Geschichte aufbaut - und Ihre Arbeit ist eine hervorragende Geschichte!
http://amzn.to/HPz2yf

Leider steht "nur" ein begrenzter Platz in der Zeitung zur Verfügung,

und daher habe ich mich auf das Aufzeigen von einigen konkreten Missständen samt Hinweisen auf konkrete Organisationen wie ÖDKH (mit seinen Länderorganisationen), Kindergartenaufstand, Plattform EduCare beschränkt.

Ich freue mich, dass ich für Sie - und für einige andere Leser - offenbar ein Thema getroffen habe, das nun "Orbit = Umlaufbahn" für konkrete Gedanken geworden ist.

Danke für alle Hinweise auf die interessanten Bücher!

Das Verständnis über den Kindergarten tümpelt noch immer in seinen Anfängen herum. Er war als Aufbewahrungsanstalt für berufstätige Frauen gedacht. Leider hat er sich nie richtig emanzipieren können, so ist es auch zu erklären, dass Öffnungszeiten und BETREUNGSplätze nach wie vor vorrangige Themen sind, die öffentlich diskutiert werden. Der Kindergarten als Bildungsinstitution ist für Österreich eine Vision! So lange der Gemeindebund und andere PolitikerInnen gegen die Aufwertung der PädaogogInnen und der Institution sind, wird sich nichts ändern. Die Institution befindet sich in der Grauzone zwischen Bildung und Betreuung und das Personal bleiben PädagogInnen 2. Wahl. Den d Gewerkschaft und die Politik sind mit den LehrerInnen beschäftigt!

Sie haben leider recht!

Aber: Die bundesländerübegreifende Vorgangsweise der §15a-Vereinbarungen hatte einen für manche unerwünschten Nebeneffekt: erstmals kamen damit die riesigen Unterschiede zwischen den Bundesländern und teilweise auch zwischen Gemeinden und einzelnen Trägervereinen deutlich zu Tage: Unterschiede bei den Platzangeboten – vor allem für Unter Drei-Jährige, bei den täglichen und jährlichen Öffnungs- und Schließzeiten, bei der Mitwirkung/Mitbestimmung von Eltern, bei der Entlohnung und den Vor- und Nachbereitungszeiten der PädagogInnen, bei den Gruppengrößen ebenso wie beim PädagogInnen-Kinder-Schlüssel und nicht zuletzt bei der Qualifikation des gesamten Personals.
So bleibt die begründete Hoffung, dass "steter Tropfen den Stein höhlt"!

Aber diese Unterschiede sind doch jahrzehntelang schon bekannt, so gab es z. B. im Burgenland bis in die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts kein einheitliches Besoldungsrecht und und und. Ich denke, es wird hier so viel kostbare Zeit vertan und diese Berufsgruppe und die Kinder bleiben weiterhin auf der Strecke!

Bekannt ja, aber ENGAGEMENT ist wichtig...

... um hier Änderungen zu ermöglichen.

Etwa hier: http://www.facebook.com/groups/23... 976414966/
oder hier:
http://de-de.facebook.com/people/Pl... 1984122451
u.v.a.m.

Alles Liebe!

... und was macht man, wenn man nicht bei facebook ist????????????

Für alle "Nicht-Facebookianer"

und vor allem für "La Balance" (danke für das Interesse!) eine kleine Auswahl, wo man/frau sich engagieren kann, Ideen einbringen kann, etwas bewegen kann:

http://www.Plattform-EduCare.org
http://elementarbildung.blogspot.com/
http://www.oedkh.at (samt den Länderorganisationen)
http://kindergartenaufstand.at

Treffend, liebe "La Balance"!

Aber bitte nicht resignieren: mitdenken, mitarbeiten, engagieren! Zum Beispiel bei der bbk, bei Facebook-Foren wie BILDUNG IST ZUKUNFT - FÜR ALLE MENSCHEN IN ÖSTERREICH! und, und, und.

Herzliche Grüße!

Ergänzung...

manch Land überträgt sie noch in den eigenen Wirkungsbereich der Gemeinde: Setzt voraus: "geeignet auf lokaler Ebene erledigt zu werden" plus "Interesse überschreitet Ortsgrenzen nicht". (!)

VfgH wurde konfrontiert, gibt Akt zum VwGh, Grund: Ausführungsgesetz darf auch von diesem beurteilt werden. 5 Jahre später: VwGH. "VwGH darf ohen Begründung Beschwerde ablehnen und tut er"

Bei Interesse: Beschlüsse in Kopie auf Anfrage

Danke für diese Information!

Wenn es Ihnen möglich ist, schicken Sie mir, bitte, die Kopien eingescannt an: johannes-maria.lex@plattform-educare.org.

Herzlichen Dank!

Gerne! Noch etwas...

ich freue mich über Ihr Interesse und werde sie gerne einscannen. PS.: Kennen Sie den Art. 14 Abs. 6 letzter Satz in unserem BVG? Den "fand" ich als Studentin. Dokumentiert wird er nicht, er hat NULL Rechtsprechung. Nur in manchen Materialen zu Landesgesetzen gibt man zu, dem nicht gerecht zu werden. Ich denke, dass dies die Ursache ist, warum das Rechtsverhältnis ins "Privatrecht" übertragen wird zumeist - damit er nie Rechtsprechung bekommt. Ich würde mich freuen, wenn das jemand noch versucht

Ich würde übrigens nach meiner Beschwerde vom Bürgermeister so fertig gemacht, dass ich weggezogen bin. Mein Kind wurde aus dem Kindergarten verbannt.

Mein größter Wunsch: die finanzielle Stabilität, mich aus Ö problemlos verabschieden zu können

Liebe(r) Sambapati!

Leider sind Sie mit Ihrer Erfahrung bezüglich Kindergarten und Bürgermeister nicht alleine - wenngleich dazugefügt werden muss, dass dies wirklich nicht die Regel ist.

Trotzdem: ich empfinde wider allen Mängeln, die mich stören bis erregen, Österreich als in vielen Belangen als äußerst lebens- und liebenswert.

Und gerade deshalb: mitmischen!

Liebe Grüße!

Danke. Höre ich selten

Ich war danach nur im niedrigschwelligen Bereich als Juristin tätig und habe noch unglaublich mehr auf den Deckel bekommen. Da war der Bürgermeister ein richtiger Spaß dagegen. Ich bin am Ende in jeder Hinsicht. Aber grundsätzlich denke ich wie sie.

Vielleicht von weit weg. Publikationen wird es gewiss geben.

von der Kindergartenpädagogin (meist sind es ja Frauen)

1. leider - mehr Männer als Pädagogen wäre dringend notwendig !
2. Bitte gendern, es arbeiten auch Männer in diesem Bereich!

Es gibt eine Studie über Männer im Kindergarten...

... und dazu auch ein Buch Elementar – "Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern" - , das in einer gemeinsamen Veranstaltung der Plattform EduCare und der Buchhandlung Kuppitsch von den Herausgebern Univ.-Prof. Dr. Josef Christian Aigner und Dr. Tim Rohrmann am 4. Mai 2012 um 19.30 Uhr in den Räumen der Buchhandlung Kuppitsch in Wien 1., Schottengasse 4, vorgestellt wird.

Nähere Details siehe unter -> http://elementarbildung.blogspot.com/2012/03/p... g-mit.html

ich brauch dazu kein buch, ich bin selbst ein mann im kindergarten

Lieber Kollege Thomas,

genau das ist unter anderem ein Thema, dass die Kindergartenlandschaft (und viele andere) prägt: "Ich brauch dazu keine Ideen von jemandem anderen, ich bin selbst Experte" - das stimmt für viele (und auch wohl für Sie!), aber: vieles wissen wir alle nicht, weil wir gar nicht wissen, was wir nicht wissen (auch mir geht's so!) - und daher ist hinausschauen über den eigenen Tellerrand so wichtig!
Liebe Grüße und viel Freude am Beruf!

Keine Qualifikation in Wien? Stimmt nicht

Das betrifft nicht mal die Assistentinnen. In den KG ist es, bis auf die wirklich schlechte Bezahlung, wie im Spital : immer mehr Kontrolle und zusätzliche Belastung von Dienststellen, die sich immer weniger auskennen. Der KG ist zur Spielwiese von Vorgesetzten mit Kontrollmacke geworden, die Eltern (v.a. aus muslimischen Familien) nehmen die weiblichen Kindergärtnerinnen sowieso nicht ernst. Das Arbeitsklima geht den Bach runter und die Gewerkschaft kümmert sich sowieso um nichts.

Siehe dazu das Working Paper, Seite 74:

"Sehr ausgeprägt sind die Unterschiede bei den Qualifikationserfordernissen für das Personal, besonders für Hilfskräfte. Sie reichen von keiner besonderen Fachqualifikation in Kärnten, Niederösterreich, Tirol und Wien über erwünschte Ausbildungen in Salzburg und Vorarlberg bis zu 60- bis 300-stündigen Kursen inklusive Praxis in Oberösterreich, dem Burgenland und der Steiermark."

und vor allem ist meiner meinung nach die unglaublich niedrige bezahlung in diesem bereich ein skandal.

O, hier ist die Antwort falsch eingereiht!

Siehe die Tabelle 15 im angeführten Link "Working Paper" und vergleichen Sie die dort angeführten Entlohnungen mit vergleichbaren Berufen in Österreich. Spannend!

Da man ja sieht, dass die Bildung (neben dem Spiel) für unsere Kinder eine immer größere Bedeutung erlangt, ist eine Frage: wäre es nicht sinnvoll, die Ausbildung der Kinder ab dem 3. Lj. dem Bundesmin.f.Unterr. zu unterstellen? Eine einheitliche Linie der Bildung unserer Kinder wäre sehr wichtig.

Bitte keinem Ministerium! Bitte!

Der jetzige Gesundheitsminister ist ausgebildeter Maschinenschlosser, vielleicht ist der nächste Unterrichtsminister Friseur oder singender Transvestit..

Siehe die Tabelle 15 im angegebenen Link "Working Paper"...

... und vergleichen Sie, bitte, die dort dargestellten Einkommen mit denen vergleichbarer Berufsschichten in Österreich.

Genau das ist die konsequente Forderung...

... der elementarpädagogische Community, die frühkindlichen Einrichtungen als BILDUNGSEINRICHTUNGEN versteht.

Die Zuordnung im Sinn des "sonstigen" Bildungswesens zu einem Bildungsministerium (wie immer es dann auch konkret genannt wird) und die einheitliche Ausbildung aller PädagogInnen (im Sinn der bereits bestehenden Vorschläge aus den Papieren der PädagogInnenBildungNEU des bm:ukk und des bmwf) erscheint unabdingbar.

Siehe dazu u.a. -> http://www.plattform-educare.org/Bundesrahmen.htm

Lesbare Statistik

Mit Verlaub, das hier wäre der brauchbarere Link, auch wenn er ein Jahr älter ist. Bei Ihrem Link kommt man auch nicht kostenlos einsehbare Daten, die man bestellen muss. Die Daten von einem Jahr davor sind kostenfrei einzusehen.

http://www.statistik.at/web_de/st... 21645.html

Danke, lieber Gemeindebund, für...

... diesen Link!

Ich - und wohl auch die elementarpädagogische Community - hätte mir jedoch gewünscht, dass der Gemeinde-/Städtebund vor allem inhaltlich Stellung bezieht: wobei es interessant wäre, wie die unterschiedlichen Stellungnahmen von Gemeinde- und Städtebund zu einzelnen Punkten, vor allem zum Kindergarten als Bildungsinsitzution (außer ideologisch) begründet werden.

Etwa: Mödlhammer: "Gratiskindergarten für alle ist nicht sozial" -> http://www.gemeindebund.at/news.php?... &m=5&sm=15
vs.
Beitragsfrei in den Kindergarten -> http://www.staedtebund.gv.at/gemeindez... orgot%5D=1

Der Standpunkt des Gemeindebundes ist zwar hinlänglich bekannt, aber bitte.

Den Gemeinden geht es vorwiegend um die Finanzierungsfrage. Derzeit reden alle von Ihnen auch genannten Ebenen mit, am Ende bleiben aber die Erhalter, eben vielfach die Gemeinden, mit den Kosten übrig. Organisatorisch wäre sinnvoll: Klare organisatorische und finanzielle Zuständigkeit schaffen. Leitlinien vereinheitlichen, Umsetzung durch die Gemeinden. Keine Hin-und-Her-Transfers mehr zwischen den Gebietskörperschaften. Das ist unser wichtigstes Anliegen.

Gegen das Gießkannen-Prinzip (alles soll für alle gratis sein) ist immer etwas einzuwenden. Das ist sozial nicht gerecht.

Ist aber schwierig einen langen Kommentar in nur 800 Zeichen zu kommentieren.

Sehr geehrter Österreichischer Gemeindebund! Ihnen ist aber schon klar, dass Österreich neben Malta europäischisches Schlusslicht ist, was die Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen betrifft. In allen anderen europ. Ländern befindet sich die Ausbildung bereits im tertitären Bereich. Und wenn man für Autobahnauffahrten, den Strassenbau,... Geld übrig hat, dann sollte man auch für die nächste Generation Geld übrig haben und nicht nur in Form von langen Öffnungszeiten! Es herrscht KPmangel und wenn es so weiter geht, dann können sie im AMS ihr Personal suchen, denn keine Frau wird sich dieses "Hobby mehr leisten können - Männer so wie so nicht, denn die müssen ja eine Familie ernähren!

Auch Malta offensichtlich nicht mehr...

... denn dort wird es demnächst schon die ersten Bachelors als ElementarpädagogInnen geben, wie ich eben "aus gewöhnlich gut informierter Quelle" höre!

Hut ab - das nenne ich "Kommunikation"!

Leider ist das so nicht immer ausgesprochen worden: "Den Gemeinden geht es vorwiegend um die Finanzierungsfrage...Organisatorisch wäre sinnvoll: Klare organisatorische und finanzielle Zuständigkeit schaffen. Leitlinien vereinheitlichen, Umsetzung durch die Gemeinden. Keine Hin-und-Her-Transfers mehr zwischen den Gebietskörperschaften. Das ist unser wichtigstes Anliegen."
Danke für diese "Aufklärung" und siehe dazu -> http://www.plattform-educare.org/Bundesrahmen.htm

bitte nicht unvollständig zu sein. Ich habe einen der hauptaspekte hier erläutert, für mehr hat der kurze platz nicht gereicht. es gibt sehr wohl auch einwände, die über die finanzierungsfrage hinausgehen, ich habe auch angemerkt, dass nicht alles mit der begrenzten zeichenanzahl hier zu erklären ist.

das thema ist sehr vielschichtig und reicht von finanzierungsfragen, über organisatorische fragen bishin zu pädagogischen fragen.

Ich würde gerne präzisieren, um nicht missverstanden zu werden: Die Verantwortung für die Kinderbetreuung könnte unserer Ansicht nach den Gemeinden vollständig übertragen werden. Inklusive aller Finanzmittel die dafür jetzt auch aufgewandt werden. Dafür geben wir gerne die Verantwortung für die Pflege ab.

leitlinien

eine ergänzung noch, weil sichtlich auch das missverstanden wurde:

mit "einheitliche leitlinien" ist nicht gemeint regional unterschiedliche bedürfnisse mit zwang anzugleichen. eine einrichtung in wien braucht womöglich andere öffnungszeiten als im südburgenland oder im zillertal. manche entscheidungen sind regional besser aufgehoben, bürgermeister, die bestehende bedürfnisse dauerhaft ignorieren, werden nicht lange im amt sein.

es braucht gemeinsame grundregeln, ohne regionale bedürfnisse mit zwang zu vereinheitlichen, wo es gar nicht notwendig ist.

Nein!

Bildung gehört nicht verländert und schon gar nicht vergemeindet - jeder Gemeinde eine spezielle Schule, Universität?!
Bildung muss für alle Menschen in allen Gemeinden gleich zugänglich sein - unabhängig vom Wohnort.
Bessere Arbeitsbedingungen für Pädagoginnen und Pädagogen, qualitativ hochwertige Kinder"betreuung", die für alle Eltern erschwinglich ist und größtmögliche Förderung aller Kinder – davon profitiert die gesamte Gesellschaft.

Die bloße Existenz eines ambitionierten BildungsRahmenplanes, wie derzeit, verändert die Realität in den Kindergärten nicht. Er muss auch umgesetzt werden (können). Und eine "Vergemeindung" wäre höchst kontraproduktiv - bei aller Wichtigkeit, auf die örtliche Situation sehr konkret einzugehen!

Sie argumentieren hier gegen etwas, das ich gar nicht gefordert habe.

Finanzierung, Organisation und Personal in Gemeindezuständigkeit, davon hab ich gesprochen. Dass nicht jede Gemeinde Betreuungs- oder Bildungsstandards selbst festlegen kann, ist eh klar. Über diese Standards zu entscheiden, liegt daher auch nicht bei uns. Wir weisen nur darauf hin, welche finanziellen Folgen es für die Gemeinden hätte, wenn die Ausbildung auf universitäres Niveau gehoben wird.

Mir ist bewusst, dass Ihnen vermutlich wurscht ist, wer das bezahlt. Uns Gemeindevertretern ist es halt nicht wurscht.

Die Rahmenbedingungen in den Kindergärten...

... sind weit von den international geforderten Qualitätsstandards entfernt und die Ausbildung der KindergärtnerInnen europaweit auf dem niedrigsten Niveau. Unter diesen Bedingungen kann der Kindergarten kein Bildungsgarten sein!

Um dies zu verändern, braucht es einen "nationalen Kraftakt", wie ihn die Sozialpartner in ihren Bildungspapieren, wie ihn Caritas und Diakonie ebenso wie die Kinderfreunde u.a.m., wie ihn namhafte Vertreter aus allen Bildungsinstitutionen nicht müde werden, zu fordern.

Auch das Bildungsvolksbegehren hat diese Forderung aufgenommen.

Dass wir uns das "leisten" können und sollen, ist für mich keine Frage. Dass dies die einzelnen Gemeinden nicht alleine können, steht für mich auch außer Frage.

Das widerspricht völlig der Chancengleichheit aller ÖsterreicherInnen!

Derzeit ist die österreichische Versorgungssituation mit Betreuungseinrichtungen für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr regional höchst unterschiedlich und wird damit einer Chancengleichheit im gesamten Bundesgebiet nicht gerecht: nur ein bundesweites Gesetz für Kinderbetreuungseinrichtungen kann einheitliche hohe Standards in der Kinderbetreuung gewährleisten.
Dieses Gesetz muss unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten Richtlinien für Öffnungszeiten sowie Standards für Gruppengrößen und Personalschlüssel enthalten und die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für die ElementarpädagogInnen und das weitere Personal regeln.
Es kann nicht sein, dass Eltern in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Gesetze vorfinden!

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