Tschechisch-slowakisch­er Fonds will Schlecker

Penta hat bereits ein unver­bindliches Angebot eingereicht, allerdings wollten sich die Investoren nicht mit den Schlecker-Erben zusammentun

Hamburg - Für die insolvente deutsche Drogeriekette Schlecker interessiert sich ein weiteres Unternehmen. Der tschechisch-slowakische Finanzinvestor Penta Investments hat nach eigenen Angaben ein Übernahmeangebot für den zurechtgestutzten Konzern abgegeben. Penta-Sprecher Martin Danko bestätigte einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht. Derzeit warte man auf eine Nachricht vom Insolvenzverwalter. "Die Situation ist ernst, und Schlecker ist auf eine schnelle Lösung angewiesen", sagte Danko der dpa in Prag. Das unverbindliche Angebot von Penta beziehe sich auf den Gesamtkonzern.

Droege nicht mehr in der engeren Auswahl

Bisher war bekannt geworden, dass sich das Düsseldorfer Beratungs- und Investmenthaus Droege International Group für eine Schlecker-Übernahme interessiert. Der Investor hatte "Orientierungsgespräche" bestätigt. Laut einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" ist Droege allerdings nicht mehr in der engeren Auswahl. Das Angebot sei so gering, dass es nur noch unter "ferner liefen" geführt werde, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Übrig seien nur noch zwei internationale Finanzinvestoren.

Droege war ebenso wie Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Geiwitz hatte erklärt, es gebe fünf "ernstzunehmende" Interessenten. Bei der Auswahl ist er auf die Zustimmung der Gläubiger angewiesen, ein Abschluss ist für Mai vorgesehen. Nach der Kündigung von rund 11.000 Mitarbeitern arbeiten nur noch etwa 13.500 Beschäftigte für die Drogeriekette.

Interessent Penta ist laut "Spiegel" skeptisch, was ein neues Engagement von Meike und Lars Schlecker angeht. Man könne sich höchstens eine symbolische Minderheitsbeteiligung der beiden Kinder von Firmengründer Anton Schlecker vorstellen. Für die Modernisierung der verbliebenen Schlecker-Läden könnten rund 90 Millionen Euro eingesetzt werden, ein weiterer Jobabbau sei nicht vorgesehen.

Schlagzeilen mit "Gorilla"-Korruptionsaffäre

Penta mit Hauptsitz in Prag hat osteuropäische Wurzeln und startete in den 1990-er Jahren als Wertpapierhändler, hat sich aber seitdem zu einer internationalen Investment- und Immobiliengruppe entwickelt. Schwerpunkte sind Tschechien, die Slowakei und Polen. Zuletzt machte das Unternehmen in Berichten über die "Gorilla"-Korruptionsaffäre in der Slowakei Schlagzeilen, wies jedoch eine Verwicklung strikt zurück. Der Skandal reicht auch nach Österreich. Dabei geht es u.a. um die geplante Privatisierung des Flughafens Bratislava, für die sich ein österreichisch-slowakisches Konsortium beworben hatte. Die Meinl Bank, die damals Privatisierungsberater der slowakischen Regierung war, wird verdächtigt, für die Penta-Gruppe Geld gewaschen zu haben. Die Meinl Bank wies alle Vorwürfe zurück.

Der Knackpunkt in den Schlecker-Verhandlungen dürfte der Kaufpreis sein. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, gelten in Finanz- und Gläubigerkreisen 100 Mio. Euro als Obergrenze für Interessenten, zumal noch hohe Investitionen erforderlich sind. Insolvenzverwalter Geiwitz wollte sich bisher weder zu den Namen möglicher Investoren noch zu den Geboten äußern. Das Rennen werde aber nach derzeitigem Stand der Investor mit dem höchsten Preisangebot machen, hieß es.

Fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) erwarten laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag des "Focus" nicht, dass sie die Schlecker-Märkte im Fall eines Scheiterns des Rettungskonzepts vermissen würden. Fehlen würden die Filialen hingegen 26 Prozent der Befragten. (APA, 6.4.2012)

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