Reisewarnung: Großbritannien zieht Botschaftspersonal aus Mali ab

6. April 2012, 22:38
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EU und Afrikanische Union lehnen die Unabhängigkeit Nord-Malis ab - ECOWAS stellt 2.000 Mann starke Eingreiftruppe auf

Paris - Die Tuareg-Rebellen der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) haben die Unabhängigkeit für den Norden Malis ausgerufen. "Wir verkünden feierlich die Unabhängigkeit von Azawad, die von heute an gilt", sagte MNLA-Sprecher Mossa Ag Attaher am Freitag dem französischen Sender France 24. Der neue Staat solle im Einklang mit den Grundsätzen der Vereinten Nationen stehen, erklärten die Tuareg-Rebellen. Alle Grenzen mit den Nachbarländern würden anerkannt und die MNLA werde alle militärischen Aktionen einstellen. Auch in einer im Internet verbreiteten Erklärung gaben die Tuareg-Rebellen die Unabhängigkeit von Azawad bekannt. Das Exekutivkomitee der MNLA bitte die Internationale Gemeinschaft, ihren Staat unverzüglich anzuerkennen.

Die britische Regierung zog am Freitag ihr Personal aus der Botschaft in Bamako ab und riet  ihren Staatsbürgern, das westafrikanische Land umgehend zu verlassen.

Kritik von EU und Afrikanischer Union

Die Europäische Union und die Afrikanische Union (AU) lehnen die von Tuareg-Rebellen ausgerufene Unabhängigkeit ab. "Die EU hat in der Krise durchgehend deutlich gemacht, dass sie die territoriale Unversehrtheit Malis respektiert", erklärte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Auch die Afrikanische Union wies die Ausrufung der Unabhängigkeit durch die Rebellen zurück. Diese sei "nichtig und habe keinen Wert", hieß es in einer Erklärung von AU-Kommissionspräsident Jean Ping. Laut BBC hat die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) beschlossen, eine 2.000 Mann starke Eingreiftruppe aufzustellen.

Frankreich soll logistische Hilfe zugesagt haben. Die New York Times berichtet, dass Frankreich nicht plant, eigene Truppen in das nordafrikanische Land zu schicken, aber gewillt ist, den Kampf gegen Islamisten logistisch zu unterstützen. Der Außenminister Alain Juppe sagte am Freitag, es müsse gemeinsam mit den Rebellen eine politische Lösung gesucht werden. Der Weltsicherheitsrat hatte bereits am Mittwoch in New York eine Erklärung verabschiedet, in der unter anderem die Angriffe der Rebellen im Norden des Landes scharf verurteilt und ein Ende der Gewalt gefordert wurde.

Jahrelanger Konflikt

Azawad nennen die Tuareg-Rebellen ihre Heimatregion, die sich in Mali vom Westen bis in den Norden erstreckt und auch Teile Nordnigers und Südalgeriens umfasst. Die Tuareg kämpfen für die Unabhängigkeit dieser Region. Das über mehrere Staaten verteilte Nomadenvolk der Tuareg - heute leben 1,5 Millionen im Nordwesten Afrikas - hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gewaltsam aufbegehrt. Denn die Tuareg fühlen sich zunehmend in ihrer nomadischen Lebensweise eingeschränkt.

In den 1980er Jahre verließen viele Tuareg infolge einer Dürre Mali. Als sie zurückkehrten, führten sie Krieg gegen die Regierungstruppen. Nach langen Verhandlungen wurden die Tuareg in Malis Armee integriert. Auch Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi rekrutierte Tuareg für seine Streitkräfte. Nach seinem Sturz und Tod schlossen sich viele von ihnen Aufständischen im unsicheren Grenzgebiet von Mali zu Niger und Algerien an.

Ein Streit zwischen Malis Regierung und Armee über ein härteres Vorgehen gegen das Nomadenvolk war der Auslöser für einen Staatsstreich von Offizieren am 22. März gegen Präsident Amadou Toumani Toure. Die Tuareg verbündeten sich daraufhin mit islamistischen Kämpfern der Gruppe Ansar Dine und starteten eine Offensive. Innerhalb weniger Tage brachten sie weite Teile des Nordens unter ihre Kontrolle.

Zuletzt hatten sich die Islamisten jedoch von den Tuareg distanziert und ihre vormaligen Verbündeten aus der Stadt Timbuktu vertrieben. Ein Ansar-Dine-Sprecher sagte am Freitag in einer Videobotschaft, seine Gruppierung erkenne die Unabhängigkeitserklärung der Tuareg nicht an. "Wir sind gegen Revolutionen, die nicht im Namen des Islam sind", sagte der Sprecher. (red, APA, 6.4.2012)

 

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An die werten ExpertInnen

Wer von den Postern kennt die historischen, sozialen, ökonomischen und religiösen Zusammenhänge? Wer war schon dort und hat monatelang mit den Menschen gelebt? Aber plötzlich ALLES EXPERTEN!

The Economic Community Of West African States (ECOWAS

Die Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (ECOWAS) stellt eine 2.000 Mann starke Eingreiftruppe auf

Die Organisation arbeitet offiziell in drei Co-gleich-Sprachen Englisch, Französisch und Portugiesisch.

jeder weitere kommentar is überflüssig

vielleicht nochmal daran erinnern
Creation of AFRICOM (2006–2008)

Die involvierten ECOWAS Staaten sind neben Liberia und dem Benin

die Nachbarstaaten Cote d'Ivoir, Burkina Faso und Niger.

Alles frankophone Staaten über deren Kasernen auch die Tricolore weht.

Frankreich lässt wieder sterben.

heute eine historische allianz - alle, einschließlich islamisten, gegen den touareg-staat ;-) ist das nicht ein bissl viel?

weißt Du

an genau so eine Entgegnung habe Ich gedacht

Leute, die in diesen Ängsten gefangen sind, kommen nicht los von den Zwängen die Sie umgeben und lassen andere nicht los

Die Reife mit der Ich dieses Ansinnen habe, denkt nicht an Vergehen

Ich denke aber sehr wohl an die Wahrnehmung meiner ganzen Souveränität als einzelner Mensch.

König ohne Untertanen; mein eigener Arbeiter

Den Fürsten von Liechtenstein erkennt Österreich an.

Er hat Untertanen und ist ein Erbmonarch.

Mich hat Österreich mindestens ebenso als unabhängig anzuerkennen.

Mein Unterschied zu Ihm ist: Ich habe keine Untertanen.

Ich will keine. Sie wären Mir lästig und würden Mich behindern.

Georg

das ist eine Entgegnung auf:

heut' is heiß ich brauch ein eis
06.04.2012 22:30

Die Europäer, insbesonders Frankreich, sollen endlich ihre Finger von Afrika lassen! Das geht die da unten gar nichts an! Die Unrechtsgrenzen sind von den Kolonialregimen gezogen worden und haben viel Leid verursacht!

Iyad ag Ghaly

http://en.wikipedia.org/wiki/Iyad_Ag_Ghaly

siehe auch references

In diesem Artikel

fehlt mir jedweder Hinweis auf die Geschichte und aktuelle Situation der Tuareg. Da gibt es so viele, die sich für Kurden oder Palestinenser einsetzen, aber Tuaregs? Wer sich ein wenig mit der Geschichte dieses Volkes auseinandersetzt könnte leicht Sympathien für einen unabhängigen Tuareg Staat entwickeln. Schade, das der Standard sich nicht diese Mühe gemacht hat.

das wäre dann

wohlmehr ein fall für rondo!

VW

Man sollte die MLNA darauf aufmerkam machen , daß VW schon lange den Namen ihres Volksstammes für deren Premium SUV benutzt.
Für die gegenwärtige allseits presente Gratiswerbung dieses Produktes und ev. auch Lizenzgebühren für jedes bereits verkaufte Fahrzeug wäre schon eine namhafte Summe fällig - ein junger Staat braucht Startgeld !

Die meisten kennen den Namen Tuareg nur aus dem VW- Prospekt.

Traurig aber leider wahr.

kennan se die Zeitung "Österreich"?

Super

Ja. Einfach geniale Idee.

Vielmehr würde mich interessieren was in Bamako los ist

Auszug Wikipedia
"..Am 21. März 2012 wurde Touré einen Monat vor dem regulären Ende seiner Amtszeit durch einen Militärputsch gestürzt.."

Vielleicht wollen sich die Tuaregs nur aus einen Krieg heraushalten der jetzt zwischen Mali Burkina faso und
Senegal kommt

weil ein (zugegebenermassen kluger) Herrscher abgeschossen wurde.

Mich erinnert das an Slowenien 1992

Korrektur : SLO + CRO 1991 !

2009 war ich noch in Timbutu und Esskane.

Mit dem Festival au Desert dürfte es nun wohl auch vorbei sein. Schade!

wird schon wieder....zuerst muessen die ein paar kleine existentielle problemchen loesen.....

Sorry, sollte Essakane heißen!

gut, dass du keine anderen sorgen hast - es geht hier um menschliche tragödien, und nicht um ein bobo-festival in der wüste!

nur gut, dass die leute, die in der region gerade auf der flucht sind, deine gedanken nicht lesen können

Bobo? Das zitierte Festival kennen SIE sicher nicht! Si tacuisses....

Immerhin

war Ihr Vorposter schon einmal vor Ort, und es ist wohl auch kein "Bobo-Festival", sondern eines von und mit den Einheimischen.

Gibt es einen tieferen Grund für Ihren gehässigen Ton?

Immerhin

war ich selbst auch schon vor ort - ändert das jetzt irgend etwas?

und an dem Festival nehmen natürlich auch Einheimische teil, und hätte es zur selben Zeit meines Aufenthaltes statt gefunden, wäre ich wohl auch hingegangen

es ist aber schon in erster Linie für die Touristen (Bobos, Rucksacktouristen, ...) konzipiert, und nicht für die Einheimischen - für die ist es - hoffentlich (?) - eine gute Einnahmequelle

und das ändert nichts daran, dass ich mich frage, ob jemand noch ganz bei Trost ist, wenn er/sie in einem solchen Kontext lediglich dieses Festival betrauert

ich war selbst - immerhin - auch schon vor Ort (krieg ich jetzt eine Auszeichnung?)

die Touristen, die das festival besuchen, sind aber vorwiegend bobos- und rucksacktouristen, und natürlich auch einheimische

in so einem Zusammenhang zu beklagen, dass dieses festival vorerst nicht stattfinden wird, finde ich
jedenfalls kotzig

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