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Ein sehr experimenteller Zugang ist der "Faraday Chair" von Fiona Raby aus den 1990er-Jahren. Das Objekt, das den Schutz vor Elektrosmog thematisiert, ist heute in der permanenten Sammlung des Victoria & Albert Museum zu sehen.
Fiona Raby (Jg. 1963) leitet seit dem vergangenen Wintersemester die Abteilung Industrial Design 2 an der Universität für angewandte Kunst Wien. Raby war zunächst als Architektin tätig und unterrichtete zuvor am Royal College of Art in London. Dort baute sie die Abteilung für Design Interactions mit auf. Gemeinsam mit Anthony Dunne gründete sie das Studio Dunne & Raby. In ihren Projekten verwenden sie Produkte und Dienstleistungen als Medium, um Designer, Industrie und die Öffentlichkeit zur Diskussion anzuregen. Dunne und Raby sind Gründungsmitglieder des Computer Related Design Studios am Royal College of Arts (RCA), London.
STANDARD: Sie sind seit dem Wintersemester Design-Professorin an der Angewandten. Wie läuft's?
Fiona Raby: Gut. Es war überraschend zu erkennen, wie exotisch es hier zugeht. Exotisch im positiven Sinn. In Wien ist eine sehr starke Kultur zu spüren, die sich sehr von anderen europäischen Städten unterscheidet. In London ist zum Beispiel einfach für nichts mehr Zeit, man ist nur mehr am wurlen. Die Stadt saugt dich aus. Von den Leuten hier in Wien geht eine warme, einzigartige Energie aus. Man spürt auch eine andere, angenehme Form von Intelligenz. Fragen Sie mich nicht warum, aber ich werde das noch herausfinden.
STANDARD: Ihr Vorgänger, Hartmut Esslinger, war nicht begeistert über Ihre Wahl als Nachfolgerin für seine Klasse. Er meinte, das sei eine Entscheidung zurück zum Kunsthandwerk, anstatt Design als Beruf mit der Mission zu nachhaltiger Entwicklung zu fördern.
Raby: Wirklich, Kunsthandwerk hat er gesagt? Das find ich sehr eigenartig. Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit künftigen Technologien. Ich hab überhaupt einen sehr technologischen Background. Vielleicht meint er damit unseren experimentellen Zugang, was Materialien betrifft, aber das hat doch nichts mit Kunsthandwerk zu tun. Das überrascht mich sehr.
STANDARD: Vielleicht ein Missverständnis?
Raby: Ich glaube eher eine Missinterpretation unserer Arbeit. Esslingers und meine Methoden sind sehr verschieden. Wir interpretieren sehr viel, schauen uns an, wie Menschen mit Dingen umgehen. Vielleicht ist dieser Prozess handwerklicher, als eine Idee umzusetzen. Ich verstehe meinen Ansatz als sehr bodenständig, das heißt aber doch nicht, dass wir uns nicht mit den komplexesten Technologien auseinandersetzen. Design wird immer mehr Teil der Wissenschaft. Und umgekehrt.
STANDARD: Wie schwierig ist es, in eine Klasse zu kommen, die mehr oder weniger von der Designphilosophie des Vorgängers geprägt ist?
Raby: Es ist schwierig, aber ich bin da sehr offen. Manche wollen auf die eine Art arbeiten, andere auf eine andere Weise. Mir geht es um die Verschiedenheit. Der eine arbeitet eher wie ein Esslinger, der andere ganz anders. Das stört mich gar nicht, ich möchte nur ganz sicher keine "Rabys" heranziehen.
STANDARD: Was sollen die Studenten bei Ihnen lernen?
Raby: Ich möchte ihnen beibringen, mögliche Entscheidungen innerhalb eines Prozesses zu bewerten. Das ist sehr wichtig für einen Designer. Es geht bei Design immer um eine Synthese. Meine Studenten sollen unabhängige Denker sein.
STANDARD: Was lernen Sie selbst durch Ihre Lehrtätigkeit?
Raby: Dass die Internetgeneration heute unzählige Möglichkeiten hat, kreativ zu sein, über ein sehr breites Wissen verfügt, aber mitunter Schwierigkeiten hat, hinter die Oberfläche zu schauen. Das kann ich überall beobachten. Die Frage ist also, wie können sie all das Wissen aus allen möglichen Bereichen in eine Form bringen? Das ist einer der Nachteile dieses Systems, so viele Vorteile es auch immer bringt. Ich spüre, dass die Studenten ihren Computern mehr vertrauen als dem Material. Ich nehme außerdem einen sehr starken intellektuellen Zugang wahr, der bei der Umsetzung in ein Objekt mitunter auch blockieren kann.
STANDARD: Was halten Sie von der österreichischen Designszene?
Raby: Ich bin erst dabei zu lernen, was sich hier alles so tut. Ich spreche viel mit jungen Designern, zum Beispiel den beiden von mischer'traxler. Ich werde auch die Studenten mehr mit aktiven Designern zusammenbringen. Mir kommt vor, das passiert zu wenig. Dabei wäre das für beide Seiten befruchtend. Am 3. Mai kommt uns sogar Konstantin Grcic besuchen.
STANDARD: Eine Frage, die ich auch Hartmut Esslinger stellte: Nehmen Sie die Gegenstände in Ihrer Umwelt eigentlich alle bewusst wahr?
Raby: Ich schau mir vor allem an, mit welchen Dingen sich Menschen umgeben und wie sie sie benützen. Wenn Ihr Telefon jetzt klingeln würde, würd ich mir anschauen, wie Sie es abheben.
STANDARD: Was denken Sie, wie viele Ihrer Studenten werden eines Tages als erfolgreiche Designer arbeiten?
Raby: Ich hoffe, alle. Außerdem würde ich mir wünschen, dass sie dies in sehr verschiedenen Bereichen tun. Die nächste Generation wird mit einem breiteren Designbegriff konfrontiert sein. In einer so technisierten Gesellschaft geht es nicht nur um die Möglichkeiten der neuen Techniken, sondern auch um die kulturellen, die ethischen und sozialen Konsequenzen. Ich bin jedenfalls schon gespannt. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 06.04.2012)
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