Schön vereint

Bettina Stimeder
11. April 2012, 14:38
  • Chemiker und "Zuckerbauer" Peter Seeberger.
    foto: hersteller

    Chemiker und "Zuckerbauer" Peter Seeberger.

  • >>>Zur Ansichtssache: Faltenkiller
    foto: hersteller

    >>>Zur Ansichtssache: Faltenkiller

Peter Seeberger forscht an den Bausteinen des Lebens und teilt sein Wissen mit der Schönheitsindustrie

Der Chemiker Peter Seeberger leitet die Abteilung Biomolekulare Systeme am Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Der Forscher mit internationaler wissenschaftlicher Biografie (ETH Zürich, Sloan Kettering in New York, Affiliate Professor La Jolla) ist ein Proponent der Glyco-Biologie und Entwickler des sogenannten Carbohydrate Synthesizer, der "Zuckermaschine", die viele komplexe Zuckerketten nachbauen kann. Mit dieser Technologie, die es ermöglicht "biologisch relevante Kohlehydrate" in größeren Mengen zu produzieren und sie damit für die biologische, pharmazeutische und medizinische Forschung verfügbar zu machen arbeitet Seeberger vornehmlich an sogenannten Impfstoffkandidaten, also Grundlagen für Impfstoffe etwa für Malaria. Yves Saint Laurent bringt soeben die Anti-Aging-Pflegeserie Forever Youth Liberator auf den Markt, die sich den wissenschaftlichen Ansatz der Glyco-Biologie auf die Fahnen heftet. Nun stehen Seeberger und Yves Saint Laurent in wissenschaftlichem Austausch und in einem Vertragsverhältnis.

STANDARD: Worin genau besteht Ihre Zusammenarbeit?

Seeberger: Die Zusammenarbeit gibt es seit ca. zwei Jahren. Man fragte mich, ob ich aus meinem Fachgebiet, der Glyco-Biologie, heraus nicht was mit Skincare machen wolle. Ich war zunächst sehr skeptisch. Das sage ich ganz ehrlich. Ich wollte mir deren Forschung erst mal ansehen. Und habe festgestellt, dass dort die gleichen Techniken verwendet werden wie anderswo auch. Bei L'Oréal hat man geschaut, was sind für Glykane da, wie ändern sie sich mit der Zeit etc. Nun gibt es einen Consulting-Vertrag mit mir persönlich, nicht mit dem Max-Planck-Institut. Ich berate, wie man die wissenschaftlichen Grundlagen absichern kann und helfe auch in der Kommunikation, damit das Thema Glycobiologie richtig vermittelt wird.

STANDARD: Die Produktentwicklungen kommen also nicht aus Ihrem Labor? Und Sie werden nicht im weißen Dr.-Best-Kittel im Werbefernsehen auftreten?

Seeberger: Nein. Auf keinen Fall. Ich kann Ihnen daher keine Information über das Produkt und seiner Wirkung geben. Ich bin bei Produktpräsentationen dabei und werbe für die Glycobiologie. Was L'Oréal betonen möchte ist, dass man sich hier als erstes Skincare-Unternehmen an ein interessantes, dynamisches Wissenschaftsgebiet anschließt, das die Medizin sehr verändern wird.

STANDARD: Gibt es außer positiver Kommunikation auch was Positives zum Produkt?

Seeberger: Biochemisch muss man ganz klar sagen, wenn die Glykane, die in dem Produkt enthalten sind, an die Haut kommen, dann tut sich was. Das kann man beobachten. Wie das dann an der einzelnen Frau oder am einzelnen Mann wirkt, traue ich mir nicht zu prognostizieren.

STANDARD: Reicht eine vierwöchige Testreihe aus, um eine Wirkung in Aussicht zu stellen?

Seeberger: Wir haben bei den Impfstoffen natürlich viel längere Testreihen mit viel mehr Testpersonen. Ich sehe das praktisch. Wenn jemand das Produkt verwendet und sich danach besser fühlt, ist das in Ordnung.

STANDARD: Sie sind aber dem wissenschaftlichen Maßstab verpflichtet.

Seeberger: Ich kann nur so viel sagen. Es ist ein neuer Ansatz. Wenn man die Glykane an die Zelle bringt, kann man eine Veränderung beobachten. Es funktioniert prinzipiell. Der Claim für das Produkt ist okay. Wird es das Altern vermeiden? Ich denke nein. Wird es weitere Forschung obsolet machen? Nein. Für mich war interessant zu sehen, dass die Glykane im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen an der Oberfläche funktionieren. Sie müssen, um zu funktionieren, nicht in die Zelle eindringen. Manche Unternehmen behaupten, dass die von ihnen verwendeten Wirkstoffmoleküle in die Zelle reingehen. Da hätte ich als Wissenschafter meine Probleme.

(Bettina Stimeder, Rondo, DER STANDARD, 06.04.2012)

Das Produkt
Yves Saint Laurent Youth Liberator wirkt mit einer Kombination aus drei Glykanen, dem Complexe Glycanactif. Die drei Monosaccheride sind biomimetisch und werden - wie im Versuch belegt - von "ausgewählten Glycan-Rezeptoren", den entsprechenden Zucker-Andockstellen in der Haut angenommen. Die L'Oréal-Forschung unter Bruno Bernard stellt als neue wissenschaftliche Erkenntnis in den Vordergrund, dass sich die Glykane in der Haut mit der Zeit verändern und für das Erscheinungsbild einer gealterten Haut verantwortlich gemacht werden können. Forever Youth Liberator gibt es in einer umfangreichen Serie: Creme, Serum; Augencreme, Lotion, Reiniger und Gesichtswasser im Preisrahmen von 55 bis 115 Euro.

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