Grüne Gentechnik: Ein bisschen Vogel Strauß

Kommentar |

Im Schnitzelland Österreich gilt: Hauptsache gegen Gentechnik

Politisch ist die Gentechnik-Bewegung, die sich in Österreich vor ziemlich genau 15 Jahren mit dem Gentechnik-Volksbegehren konstituierte, ein voller Erfolg: Die Welle der Abneigung gegen diese Technologie ist ungebrochen, und jedes zarte Pro-Argument wird schnell im Keim erstickt.

Nur sind halt mittlerweile 15 Jahre ins Land gezogen, und vor allem in den USA, wo die Gentechnik in der Landwirtschaft breitflächig eingesetzt wird, ist nichts passiert. Zwar werden dort immer mehr Menschen immer fetter - aber dies der Gentechnik umzuhängen geht wohl doch nicht.

Die Mauer an Ablehnung ist in vielen EU-Ländern, besonders in Österreich, überhaupt nicht brüchig. Jeder Politiker ist gut beraten, nicht am Tabu zu rütteln. So verhält sich auch der zuständige VP-Agrarminister Nikolaus Berlakovich, der ansonsten kein besonders geschickter Politiker ist. Er macht den Spagat, den der Bürger will: Einerseits beharrt er auf Anbauverboten für gentechnisch verändertes Saatgut. Andererseits gibt es keine Kennzeichnung beim Fleisch all der Kühe und Schweine, die mit importiertem gentechnisch verändertem Sojaschrot aufgezogen wurden. - Vielleicht weil der Unterschied zwischen Gentechnik-Fütterung und Nicht-Gentechnik-Fütterung am Fleisch labortechnisch nicht zu erbringen ist?

Im Schnitzelland Österreich wird über solche Dinge nicht diskutiert. Hauptsache, man ist gegen Gentechnik. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 5.4.2012)

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