Arzt soll Behinderten triebdämpfende Pillen verabreicht haben

Rett war jahrelang am Rosenhügel tätig - Zusammenarbeit mit NS-Kindereuthanasiearzt Heinrich Gross

Bozen/Wien - Der 1997 verstorbene österreichische Kinderarzt Andreas Rett soll behinderten Menschen von den 1960er- bis zu den 1980er-Jahren im großen Stil das Medikament Epiphysan zur Triebdämpfung verbreicht haben. Das berichtete der Südtiroler Radiosender Rai Bozen am Donnerstag. Rett war lange Jahre Leiter der Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel in Wien, ihm wurde das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Vor einigen Jahren wurde nach Recherchen des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) bekannt, dass Rett NSDAP-Mitglied war. Er soll zudem mit dem vormaligen NS-Kindereuthanasiearzt Heinrich Gross auf der Grundlage von Gehirnpräparaten, die von den im Rahmen der NS-Kindereuthanasie ermordeten Spiegelgrund-Opfern stammten, einen wissenschaftlichen Aufsatz verfasst haben.

Die Behinderten-Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Österreich fordert von der Stadt Wien die Einrichtung einer historischen Untersuchungskommission und einer Opferhotline, ähnlich jenen Einrichtungen für Opfer von Gewalt in Heimen. (red, DER STANDARD, 6.4.2012)

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