"Brunnhilde" am Mischpult

  • Petra Grosinic, Christina Steyskal und Elif Isik (v. li.) an den 
Turntables in der Brunnenpassage, wo sie gelernt haben, was es braucht, 
um DJane zu sein.
    foto: der standard/urban

    Petra Grosinic, Christina Steyskal und Elif Isik (v. li.) an den Turntables in der Brunnenpassage, wo sie gelernt haben, was es braucht, um DJane zu sein.

Die Caritas hat Mädchen zu erfolgreichen DJanes ausgebildet, die mittlerweile Pratersauna und Café Leopold beschallen

Wien - Elif Isik war in ihrem Freundeskreis immer diejenige, die Musikkassetten zusammengestellt und sich bei Partys um die Beschallung gekümmert hat. Trotzdem hätte sie sich "nie gedacht", sagt die 28-Jährige, dass sie einmal als DJane arbeiten würde. Möglich wurde der Einstieg in die Männerdomäne durch einen sechsmonatigen Workshop der Caritas Wien, der 20 junge Frauen aus der Gegend um den Brunnenmarkt im 16. Bezirk das Handwerk an den Plattentellern näherbrachte. Die 16- bis 30-jährigen Teilnehmerinnen kamen aus verschiedenen sozialen und kulturellen Ecken.

Aus der Ausbildung, die im Jahr 2010 in der Brunnenpassage stattfand, einem Kulturzentrum der Hilfsorganisation auf dem Marktplatz, entstand "Brunnhilde". Ein Kollektiv aus zwölf DJanes, deren Auflege-Referenzliste sich sehen lassen kann: Sie bestimmten schon bei den Wiener Festwochenund in Clubs wie der Pratersauna, dem Ostklub oder dem Café Leopold den Beat. Die DJanes sind einzeln, zu zweit oder dritt buchbar, Elif Isik koordiniert die Termine. Das Repertoire reicht von Worldmusic über Balkan bis zu Techno und Electro-Pop/Jazz.

Ende letzten Jahres wurde "Brunnhilde" in Deutschland mit dem internationalen Preis "faktor kunst" ausgezeichnet. "Das geht alles so auf", freut sich Brunnenpassage-Leiterin Anne Wiederhold. Jetzt wünscht sie sich, dass die jungen Frauen ihr Wissen auch anderen vermitteln und zu diesem Zweck zum Beispiel mit einem DJane-Mobil - "am besten in knalligem Pink" - in Gemeindebauten fahren können.

"Gehe mehr aus mir heraus"

Einfach hat man es als DJane nicht immer: "Bei mir, Türkin mit Kopftuch, glauben schon viele: Da kommt sicher kein Ton raus", sagt Elif Isik (DJ Ana Tolia) über den Moment, wenn sie sich ans Mischpult stellt. Aber dem Selbstbewusstsein habe der Workshop einen Schub gegeben, meint Petra Gros inic, die als DJane CounTessa auflegt. "Ich gehe jetzt mehr aus mir heraus", sagt die Studentin, die unter anderem mit kroatischer Volksmusik experimentiert.

Christina Steyskal aka DJ Falangee verdient sich derzeit mit dem Auflegen regelmäßig was dazu. Für Theda Schifferdecker ("Theda") war der Workshop berufsbestimmend: Die 20-Jährige studiert seit eineinhalb Jahren Tontechnik. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 6.4.2012)

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