"Gefahr, dass ORF von Netzwerken benützt wird"

6. April 2012, 12:52
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Christine Lackner wird Büroleiterin von ORF-Finanzchef Richard Grasl - Die 44-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt: Die ehemalige Sprecherin von Hubert Gorbach (BZÖ) werkte auch in der Agentur Peter Hocheggers

Wien - Knapp drei Monate nach dem Rückzug des SP-Stiftungsrats Niko Pelinka sorgt eine weitere Personalie am Küniglberg für Aufsehen: Neue Büroleiterin von ORF-Finanzchef Richard Grasl wird nach STANDARD-Infos Christine Lackner, ehemalige Pressesprecherin des früheren BZÖ-Ministers Hubert Gorbach und spätere Mitarbeiterin des Lobbyisten Peter Hochegger. Genau diese Vorgeschichte ist es, die für Alarmstimmung sorgt.

Auf Hocheggers "Gehaltsliste"

Lackner ist Teil jenes Netzwerks, das im Korruptionsausschuss derzeit die Öffentlichkeit erregt. Unter Schwarz-Blau war sie Sprecherin von Infrastrukturminister Mathias Reichhold (FPÖ), danach von Hubert Gorbach (BZÖ). Von dort wechselte sie in die Agentur Hocheggers. Reichhold wiederum wurde von Gorbach mit einem Job im Vorstand der Asfinag versorgt.

Die wiederum übergab Hochegger ihren kompletten Etat für Lobbying und PR. "Die Praktik gilt in der Szene als offenes Geheimnis: Du nimmst jemanden auf, damit du einen Etat gewinnst", sagt ein Branchenkenner. Im Untersuchungsausschuss führte Hochegger Christine Lackner auf seiner "Gehaltsliste" an.

"Mit Abstand die Beste"

Im ORF löst sie Roland Weißmann ab. Bei den Hearings sei sie "mit Abstand die Beste gewesen", sagt ein ORF-Mitarbeiter. Postenschacher vermutet hingegen die grüne Verfassungs- und Familiensprecherin Daniela Musiol: "Es besteht wieder die Gefahr, dass der ORF von Netzwerken benützt wird und Opfer von parteipolitischem Einfluss wird."

Die Postenvergabe erinnere sie an Niko Pelinka, der als SP-Stiftungsrat 2011 bei der Wiederwahl von Alexander Wrabetz half. Das BZÖ spielte 2006 bei Wrabetz' erster Berufung eine entscheidende Rolle. Vier seiner Stiftungsräte stimmten für Wrabetz, um eine Wiederwahl von Monika Lindner zu verhindern. Unlängst tauchte ein Geheimpapier des ehemaligen BZÖ-Chefs Peter Westenthaler mit Jobversprechen auf.Brosz: ORF scheint strukturell lernunfähig zu sein

Brosz: "Ehemalige Gorbach- und Reichhold-Pressesprecherin ist ein No-Go"

"Wenn diese Personalentscheidung wirklich so gefällt werden soll, muss dem ORF strukturelle Lernunfähigkeit unterstellt werden. Eine ehemalige Pressesprecherin Gorbachs und Reichholds ist als Büroleiterin des Finanzdirektors unabhängig von der Qualifikation ebenso ein No-Go, wie es der Leiter des SP-Freundeskreises Pelinka bei Wrabetz gewesen wäre," sagt der Mediensprecher der Grünen, Dieter Brosz am Freitag. Brosz: "Die spätere Tätigkeit Lackners bei Hochegger ist im Angesicht des laufenden Untersuchungsausschusses ein krönender Nebenaspekt. Schön langsam könnte am Küniglberg eine Hauptabteilung für schiefe Optik und politische Unvereinbarkeit gegründet werden, der Personalstand könnte sich sehen lassen." (Doris Priesching, DER STANDARD, 6.4.2012, red/online ergänzt)

  • Neue Büroleiterin für ORF-Finanzchef Richard Grasl wird Christine Lackner.
    foto: derstandard.at/johanna scholz

    Neue Büroleiterin für ORF-Finanzchef Richard Grasl wird Christine Lackner.

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