Anstieg bei negativen Lehrabschluss-Prüfungen

5. April 2012, 15:55

18 Prozent der Wiener Lehrlinge bestanden die Abschlussprüfung 2011 nicht - Zunahme um mehr als ein Drittel seit 2005

Immer mehr Lehrlinge bestehen die Lehrabschlussprüfung nicht. Im Jahr 2011 fielen 18,3 Prozent der Wiener Lehrlinge durch. Das bedeutet einen neuen Negativ-Rekord. Im Jahr davor waren es 17,3 Prozent. Der beste Wert wurde 2005 erzielt, da waren es lediglich 12,9 Prozent. 

Hinsichtlich der Berufssparten gibt es große Unterschiede, berichtet wien.orf.at. 52 Prozent der Installateur-Lehrlinge und 48 Prozent der angehenden Kfz-Mechaniker scheitern bei der Prüfung. Bei Malern und Anstreichern sind es sogar 60 Prozent, die die Abschlussprüfung nicht bestehen.

Konsequenzen haben die negativen Ergebnisse allerdings kaum. Eine Lehrabschlussprüfung kann so oft wie notwendig bzw. gewünscht wiederholt werden. Dabei müssen nur die negativen Teilbereiche wiederholt werden - was also positiv ist, bleibt positiv.

Ausbeutung statt Ausbildung

Die Gewerkschaftsjugend ist ob der aktuellen Zahlen empört. "Offenbar verwechseln tatsächlich manche Betriebe Ausbildung mit Ausbeutung", schiebt der Wiener SPÖ-Gemeinderat Christoph Peschek den Ausbildungbetrieben den Schwarzen Peter zu. "Wie kann jemand drei Jahre im Betrieb sein, ohne dass jemandem die Defizite auffallen?"

Das weist Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, zurück: "Das kann man so nicht bestätigen. Es tut der Situation wirklich nichts Gutes, wenn hier schlechte Stimmung gemacht wird." Die Wirtschaft erwarte sich, dass die Schulen nachrüsten. Jank plädiert für eine Ganztagsschule, um qualifiziert ausgebildet zu werden. "Strengstens zurückzuweisen" sei der Vorwurf, dass Betriebe Lehrlinge ausbeuten würden, so Jank.

Arbeitsgruppe soll Lösung bringen

In Wien berät seit Jahresbeginn eine Arbeitsgruppe der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer und des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (WAFF) über das Problem der negativen Abschlussprüfungen. Dabei werde diskutiert, mit welchen Leistungen Lehrlinge auf ihrem Weg zur Abschlussprüfung unterstützt werden können. Erste Ergebnisse sollen bis zum Sommer vorliegen. (red, derStandard.at, 5.4.2012)

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Selbst Verantwortung übernehmen

Ganz unschuldig sind die Betriebe sicher auch nicht, aber auch der Lehrling muss willig sein zu lernen während der Lehrzeit und FÜR die Lehrabschlussprüfung. Wenn einem eh alles egal ist und man hat eh nur Party und Blödsinn im Kopf, dann ist es auch ein bisschen billig, die ganze Schuld auf die Ausbildner zu schieben.

Wissen ist oft eine Holschuld!

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Hier die Schuld nur beim Einen oder dem Anderen suchen wäre verkehrt. Die jungen Leute sind einfach nicht mehr so gewillt ausgebildet zu werden. Erkennt man schon wenn sie in der Hauptschule mit mehr als einem 5er sitzen bleiben, wo dort das Niveau eh schon extrem niedrig ist. Es ist ihnen einfach vieles egal und unterm Strich muss sich das wo bemerkbar machen.
Und wenn manche Betriebe resignieren und einfach die Lehrlinge schlecht ausbilden weil es "ja eh nicht fruchtet", kann man es dann doch irgendwo verstehen.
Es müssen beide Parteien an sich arbeiten und die Berufsschule ebenfalls ihren Beitrag leisten.

....und die Berufsschule ebenfalls ihren Beitrag leisten.

Natürlich ist das richtg, aber begonnen muss damit schon in den Volksschulen werden.
Hier krankt das System. Politische Eitelkeiten, Unfähigkeit und Freunderlwirtschaft machen eine sinnvolle schulische Entwicklung zunichte. Wenn einer schon in der VS nachhinkt, setzt sich das verstärkt auch in den HS fort.
Einmal Depperl, immer Depperl.
Das ist kein Ansporn für einen sinnvollen Abschluss.

womit wir wieder

im bildungsbereich angekommen sind.

... solche wenig-informationen sind "echt entbehrlich" - welches sind die zentralen defizite und verantwortlich für das nichterreichen der ziele dieser jungen menschen? wie viele der genannten lehrlinge machen ihre ausbildung in welcher art von unternehmen und werden von wem in welcher art vorbereitet? wie viele von ihnen werden in bildungsmaßnahmen des ams "gelehrt" und welche Qualifikationen haben deren Trainer (außer schlecht bezahlte zwangsanstellungen)?

es ist beängstigend, dass fast jeder 5. scheitert; kein motivierender, gelungener einstieg ins berufsleben:-(

und noch ein grosser elefant im raum den keiner sieht ;)

na geh... jetzt hamma eh bald die gesamtschule... die wird's schon richten ;-)

Bei uns im Betrieb hat der Chef kein Interesse gezeigt einen geeigneten Lehrling (mit Interesse am Beruf) zu finden. Den ersten Bewerber hat er interviewed, einen!! Tag auf Probe geholt und kurzum eingestellt. Da hat er aber schön geschaut als der in der Berufsschule mit vorwiegend 4er heim gekommen ist. Ich mein der Lehrling ist ja menschlich gesehen nett, aber hatte so gut wie keine Vorkenntnisse und ist nicht motiviert sich mit der Materie zu beschäftigen.

hab selbst mal in einer beratungsstelle für arbeit suchende jugendliche gearbeitet und mitbekommen, wie viele jugendliche einen lehrberuf nehmen, der sie gar nicht interessiert, aber sie sind froh nach 200 bewerbungsschreiben überhaupt irgendeine lehre machen zu können. kann mir gut vorstellen, daß man sich zwar noch so viel bemüht, aber ohne interesse keine adäquate einstellung zu dem beruf.

und was haben sie denen geraten die bei 200 bewerbungsschreiben keine lehre gefunden haben ?

gut das wir wenigstens die Facharbeiter

aus südlichen Gefilden haben. Die 'reißen' uns raus!

und deren Kinder sorgen für anschließend für den schlechten Notendurchschnitt.

wäre interessant "wo" sie fiegen

ist es die schulische allgemeinbildung, dann hat das system ja vorher bereits versagt, ist es die fachliche ausbildung, na dann sollt man mal den lehrherrn bei den löffeln packen.

Gibt es auch Bereiche, in denen die Lehrlinge selbst verantwortlich sind?

Sprach Herr Peschek jun.

der weder jemals eine Schulausbildung zu Ende brachte, noch jemals in den Genuß einer Lehrausbildung kam.

Sind Sie sicher,

dass der Herr Gemeinderat und Landtagsabgeordnete keine Matura hat? In seinem Lebenslauf sind der Besuch der AHS Polgarstraße bis zum 18. Lebensjahr und seine Schulsprechertätigkeit angeführt.

Bis 18 AHS heißt noch lange nicht mit MAture abgeschlossen zu haben

Wir hatten bei uns im Unternehmen einen jungen Mann vorstellig, dar angab 5 Jahre HTL vorweisen zu können. Alle gingen davon aus er hat die Mature. Denkste. Er ist an zwei HTL jeweils nicht über die zweite Klasse hinausgekommen.

man muss schon besonders smart sein

um eine lap nicht zu bestehen...

Habe selbst in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte gearbeitet.
Ich gebe zu, dass ich das völlig falsch eingeschätzt habe.
Dachte, ich würde den Lehrlingen jene theoretischen Grundlagen, deren Verständniss für die erfolgreiche Ausübung des Berufes unerlässlich sind, beibringen. Vieles, worin ich mich mühsam einlesen musste um es zu verstehen, da meine früheren Ausbilder das häufig nur oberflächlich und nicht schlüssig zu erklären vermochten.
Leider haben wir die meiste Zeit mit der Lösung banalster Aufgaben verbracht. Das war ein besserer Bastelunterricht, mehr leider nicht. Einer hat gezeigt, dass es auch anders geht. Der wollte leider nicht, die anderen konnten nicht bzw. hatten den falschen Beruf gewählt.

auch die Auswahl der berufschulleher...

ist eine Katastrophe. Ich habe oft den EIndruck, da hat das Arbeitsamt jene hinvermittelt, die in keinem Betrieb mehr zu brauche nwaren. Die Ausbildung und die Auswahl gehört dringenst auf neue Füsse gestellt.

ich fand die Berufsschullehrer, welche die wichtigen, berufsspezifischen Fächer unterrichteten ausgesprochen gut.

ja gute gibt es überall....

... und da hast du Glück gehabt.

warum die Lehrlinge immer schlechter werden:

jeder der irgendwie die Möglichkeit hat auf eine Schule zu gehen macht das, also die fallen schon mal weg und nachrücken tun die, die früher eher ungelernte Hilfsarbeiter gewesen wären, aber deren Jobs sind weggefallen. Und schlecht bezahlte Lehrberufe, bekommen sowiso schwieriger Lehrlinge.
Aber Schulsystem gehört auf jeden Fall reformiert, damit auch wirklich jedes Potenzial genutzt werden kann, gab da diesen interessanten Bericht im letzten Falter über Deutschlands beste Schule eine Gesamtschule, kostet nicht wirklich mehr bringt aber so einiges und die Eltern stehen Schlange.

gesamtschule und schlechtes aussieben ist schuld? zucht und ordnung muss her?

gehts noch?
es sind vielmehr genau die alten strukturen, welche attraktives lehren nicht möglich machen. unser schulsystem verändert sich zu langsam und ist verhärtet in seinen strukturen. besseres schulsystem ermöglicht bessere ergebnisse.
auch wenns in manche köpfe nicht hinein geht, aber niemand kommt blöd zur welt und sonderschulen sind aus dem letzten jahrhundert und dort sollen sie bleiben.
die wirtschaft kann auch nicht erwarten, dass fertig ausgebildete lehrlinge vom himmel fallen, die nichts kosten und nur die deppenarbeit machen. wer gute mitarbeiter haben will, muss diese auch ausbilden und das ist nicht gratis. dafür verdienen sie mit ihnen ja auch geld. und, anbiederungen machen nicht sexy.

Die Definition von "blöd" müsste noch abgeklärt werden.
Aber Sie glauben doch nicht im Ernst, dass alle mit gleicher Begabung und gleichem Potential zur Welt kommen?

Die Wirtschaft darf wohl erwarten, daß Lehrlinge zumindest des Lesens und Schreibens mächtig sind und die Grundrechnungsarten beherrschen.
Wer nach neun Schuljahren das nicht kann, der lernt es auch in Zukunft nicht mehr. Und ja, es gibt auch Naturdeppen und kein Dienstgeber ist interessiert, einen solchen beim Handerl überall hinzuführen.

es gibt schon zuviele....

"Naturdeppen"... toller Ausdruck :-)

und es wird in Zukunft immer blöder, wenn sich diese wieder vermehren und ihren Kindern genau gar nichts beibringen, ausser wie man die Playstation bedient.

ihr posting beweist, dass es naturdeppen gibt

tztz....

halten wir die Wahrzeit nicht aus?

Lesen sie sich mal die anderen Postings durch, fast alle schreiben das die heutige Jugend den Bach runter geht.
Ich bin also nicht der Einzige mit der Meinung.

ja, aber nur weil es viele sagen, wirds deshalb nicht richtiger

zum glück dürfen wir alle unsere meinung sagen und ich gönne ihnen die ihre. ein vorurteil kann durch kein argument widerlegt werden und somit lass ichs.
schönes wochenende.

ein vorurteil kann durch kein argument widerlegt werden?

interessant. man lernt nie aus, hier im standardforum.

Spannend, wenn eine ÖVP-Funktionärin (aus der Praxis) für eine Ganztagsschule plädiert,

während fast alle anderen ÖVP-Funktionäre (die ihre Theoretiker-Posten in der Familie weitervererben wollen) dies strikt ablehnen.

Wie erwartet wird dem System, der Wirtschaft, den Ausbildnern usw. die Schuld gegeben..

Der Einzelne ist niemals selbst für sein Scheitern verantwortlich.
Das ist klassische linke Denke!

"die Denke" ??
da habe ich aber eine Staune!
dazu empfehle ich folgendes:
http://www.youtube.com/watch?v=3smcHS5L8lA
der ganze beitrag von hildebrandt ist super, aber für dich speziell ab 2:45

Ist halt wie bei jeder Bildungsdiskussion -

die bösen Lehrenden sind's immer ganz allein.

...ja wer denn sonst?

Ach ja, ich hab die Eltern vergessen, die sich einen Dreck um die Erziehung/Bildung ihrer Kinder kümmern......

interessant wäre da ein bundesländer vergleich !

denn allgemein sind die ösi-lehrlinge nicht schlecht. wenn man div. berufsweltmeisterschaften hernimmt.

und dass im standard natürlich mal alle anderen "schuld" sind ist auch klar.

Man kann nicht von den Firmen verlangen

das zu kompensieren was die jungen Leute in der Schule nicht gelernt haben. Weil wenn jemand die Grundrechnungsarten nicht beherrscht was oftmals vorkommt hat das mit Ausbeutung relativ wenig zu tun.

Insbesondere lernt man ja auch in der Schule in keinster Weise mit Stress umzugehen. Wenn dann lauter verhätschelte Schüler rauskommen braucht man sich nicht wundern wenn diese sich dann in der Zitat Gusenbauer "modernen Hochleistungsgesellschaft" nicht zurechtfinden.

Das kommt davon wenn man die Leute in der Schule NICHT aussiebt!

das ganze Schulsystem....

ist in den letzten Jahren zu Grunde gegangen.
Mit Gesamtschule, nicht mehr sitzenbleiben usw... wirds nur noch blöder.

Ich hätte mir vor 20 Jahren nicht erlaubt schlechte Noten heim zu bringen und gegen Lehrer etwas zu sagen.

So blöd es vllt. klingt, Zucht und Ordnung... das fehlt heutzutage.....

zu Grunde gegangen??

das war früher sicher nicht besser, nur jetzt ist es noch unmoderner und es fällt im vergleich noch mehr auf.

und solche gute alte Zeit Einschätzungen und frührer war alles besser, halte ich für Nonsens.

Wenn sie so auf Zucht und Ordnung stehen, schauen sie sich einmal das Weiße Band von Michael Haneke an, dort sieht man wohin schwarze Pädagogik führt.

wird trotzdem statistikeng geben

wieviele sind vor 10 oder 20 jahren durchgefallen wieviele jetzt.

und wenn sie so wenig auf zucht und ordnung stehen dann erklären sie mir mal warum 2/3 der 16-18 jährigen sich vom berufsleben überfordert fühlen? vielleicht weil sie das "wirkliche leben" in der schule nie kennengelernt haben und ihnen in der schule die realität vorenthalten worden ist?

das Berufsleben verändert sich ja auch nicht

woher kommen denn die Produktivitätszuwächse?

woher?

weil ein arbeitnehmer jetzt in 20 stunden genau so viel leisten muss wie vor 20 jahen in 40 stunden.

nur hat die schule diesen trend verschlafen bzw. bereitet die jugendlichen überhaupt nicht auf den "stress" des berufslebens vor!

ich rede....

von vor 10 Jahren, nicht vor 100 Jahren.
Ist wohl ein kleiner Unterschied... :-)

genau herr oberscharfrichter, deshalb haben wir soviele docker in österreich

no offense.

Wirtschaft erwartet sich dass Schulen nachrüsten

DANKE ÖVP!

Erst Bildung kürzen - dann über die dummen dummen Jugendlichen (heutzutage) schimpfen.

von kürzen kann keine rede sein. keinen cent würde ich im übrigen mehr in das system stecken, solang sich nicht gewisse einstellungen ändern.

Mich wundert das Ergebnis ganz und garnicht.

Das Niveau ist in Wien am Tiefpunkt. In meiner Heimatgemeinde würde man für sowas in die Sonderschule gesteckt werden.
4 und 5 gabs generell nicht. Für ne 3 musste man sich schon wirklich blöd anstellen.

Bei der Abschlussprüfung wurde man dann nicht mehr so einfach durch gewunken. Daher hoher Dropout.

Die paar Leute die "echte" Lehrlinge waren, sind durchwegs
kompetent gewesen der Rest war bei einer Firma angestellt und vom AMS bezahlt. ( Damals 150€ im Monat!!!) Die waren durchwegs dumm wie Stroh.

Wobei in meiner Klasse zum Glück (oder vl generell in IT-Lehren) ein deutlich höheres Niveau als in anderen herrschte.

Wer denkt einschlägige Soaps sind alles Fake den kann ich versichen solche tiafen Prolos und Tussis gibts wirklich

Das nachweislich beste Ausbildungssystem funktioniert halt nicht in Wien

aber woanders schon: warum nur?

http://www.imove-germany.de/cps/rde/x... /14353.htm

bei vielen ausbildnern in den berufsschulen ist das aber kein wunder...

da arbeiten oftmals wirklich nur noch die, die sonst keinen job mehr gefunden haben, weder in betrieben noch in schulen

die berufsschulen...

... bilden nicht aus, sie begleiten/unterstützen die ausbildung. diese obliegt den ausbildungsbetrieben und da liegt es, je nach lehrberuf, ziemlich im argen.

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