Facebook droht unschuldigem Forenposter

Unterlassungsaufforderung gegen ein Browser Add On trifft einen unbeteiligten Forenposter.

Zorn macht Blind. Bei Facebook ist es der Zorn über ein Browser Add On. Die juristische Keule wird geschwungen und trifft einen Forenposter. Er heißt Rick Stratton und betont, mit der Sache nichts zu tun haben. "Wie beweise ich, dass ich keine Kontrolle über dieses Ding habe?", fragt er auf seiner Website.

Auf der Webseite TechCrunch hatte er einen Kommentar zu einem Bericht über das Add On hinterlassen. Das reicht den Facebook-Anwälten schon, um ihn für einen mehrfachen Rechtsbrecher zu halten. Wenn er seine Unschuld beweisen will, soll er sich einen Anwalt leisten.

Das Defaceable Add On

Stein des Anstoßes ist das inzwischen nicht mehr verfügbare Add On für Chrome-Browser namens "Defaceable". Es ermöglichte das Hinterlassen anonymer Kommentare und deren Einblendung auf Facebook-Seiten. Da diese Kommentare auf einem von Facebook unabhängigen Server gespeichert wurden, gab es ohne Add On nichts zu sehen.

Facebook sieht darin Betrug, Verstöße gegen die eigenen Nutzungsbedingungen, Verletzungen von Markenrecht und moniert eine Störung der https-Verschlüsselung. Auch die von Defaceable eingeblendete Werbung stört den Datenverwerter.

Hey, ich habs geschafft

Im Mai 2011 berichtete TechCrunch über Defaceable. Zur Darstellung der Funktionalität wurden einige Screenshots von Facebook samt "Deface" Einblendung gezeigt. Auf einem war zufällig Strattons Facebook-Profilfoto zu sehen.

Als er davon Wind bekam, hinterließ er unter dem Artikel einen Kommentar: "Hey! Ich habs auf TechCrunch geschafft!" Dass er mit Defaceable etwas zu tun oder es auch nur genutzt hatte, ist nicht zu erkennen.

Abmahnung

Diese Woche erhielt Stratton allerdings eine unfreundliche Unterlassungsaufforderung mit zahlreichen Begehren und einer Klagedrohung. Auch sein Facebook-Zugang wurde gekündigt, funktioniert aber noch.

Als Stratton sich mit Facebooks Anwältin von der Kanzlei Perkins Coie in Verbindung setzte, soll diese ungehalten reagiert haben: Er höre sich schuldig an und solle sich einen Anwalt nehmen, um zu beweisen, dass er nichts mit Defaceable zu tun zu habe.

"Ich kann verstehen, warum Facebook das abdrehen will", schreibt Stratton, "Aber ich kann da nichts tun." (Daniel AJ Sokolov, derStandard.at, 08.04.2012)

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