Toxikologe: Arsen-Vergiftung ist ewig nachweisbar

5. April 2012, 12:22
  • So harmlos und schön die Herbstzeitlose aussieht, so giftig ist sie. Die Pflanze enthählt das dem Arsen ähnliche Gift Colchicin. 2-5 Gramm der Blütensamen sind für Menschen eine tödliche Dosis.
    foto: apa/ulrich perrey

    So harmlos und schön die Herbstzeitlose aussieht, so giftig ist sie. Die Pflanze enthählt das dem Arsen ähnliche Gift Colchicin. 2-5 Gramm der Blütensamen sind für Menschen eine tödliche Dosis.

Arsen sei "keine intelligente Art", jemanden zu vergiften, meint Rainer Schmid, Toxikologe an der MedUniWien, im Zusammenhang mit dem Tod zweier Männer

In Zusammenhang mit dem Tod zweier Männer aus Wien und Niederösterreich, die ein und dieselbe Bekannte hatten und unter rätselhaften Umständen gestorben sein sollen, wurde am 4. April auf dem Friedhof von Gumpoldskirchen (Bezirk Mödling) die zweite Exhumierung vorgenommen.

Die Leiche des im Oktober 2010 verstorbenen Wieners Herbert A. (68) soll nun einer toxikologischen Untersuchung unterzogen werden. Gerichtsmediziner Christian Reiter hatte bei Herbert A. in einer Gewebeprobe eine um das 50-fache höhere Arsenkonzentration als im Normalfall festgestellt. In beiden Fällen steht eine 51-jährige Polin unter Mordverdacht, die sich in Krems in Untersuchungshaft befindet.

"Keine intelligente Art", jemanden zu vergiften

Arsen sei "keine intelligente Art", jemanden zu vergiften, meint dazu Rainer Schmid, Toxikologe an der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien). Das Halbmetall sei ewig im Körper nachweisbar, am besten in den Haaren und in den Nägeln, sagt der Wissenschaftler. "Da passiert nichts, es wird nicht vom Körper abgebaut."

Giftig sind die Arsen-Sauerstoff-Verbindungen, wie etwa Arsentrioxid (Arsenik), die bereits in geringen Mengen tödlich wirken können. Lediglich ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht ist erforderlich, um jemanden zu töten. Für einen 80 Kilogramm schweren Mann reichen demnach 80 Milligramm der Substanz bereits aus.

Geruchloses, leicht süßlich schmeckendes Pulver

Arsen, das in Kriminalromanen gerne als Mordgift eingesetzt wird, ist ein geruchloses und leicht süßlich schmeckendes, weißes Pulver, das sich gut in Flüssigkeiten löst. "Es ist unscheinbar, schaut aus wie Zucker und schmeckt ein bisschen süßer, aber nicht auffällig. Man muss es nicht mit einem anderen starken Geschmack übertünchen", so Schmid.

Der Mensch, dem Arsen ins Essen gemischt wird, würde es nicht erkennen. Danach kämpft er jedoch relativ schnell mit Durchfällen, Erbrechen, Bauch- und Kopfschmerzen sowie Krampfanfällen. Herzinsuffizienz und Kreislaufversagen sowie Niereninsuffizienz innerhalb von ein bis zwei Tagen sind möglich.

"Arsen schaltet den ganzen Metabolismus herunter." Das Gift wirkt auf die Energieproduktion in den Zellen. Es verhindert die Bildung von energiereichen Phosphatverbindungen als Energieträger, sagt Schmid. Um eine akute Vergiftungen zu bekämpfen, müsse die Substanz chemisch gebunden werden, damit sie der Körper ausscheide.

Chronische Arsenvergiftung ist mit freiem Auge sichtbar

Eine chronische Arsenvergiftung ist sogar mit freiem Auge an Nägel und Haut sichtbar. Anzeichen seien die hellen Mees-Streifen auf den Fingernägeln, die brüchig werden. Zudem würde sich auch der sogenannte Halbmond verfärben. Auch Haut verändert sich durch sogenannte Melanosen, dunklen Staubflecken. Der Atem des Betroffenen riecht nach Knoblauch.

Bei regelmäßigen Konsum in geringsten Mengen entstehe eine gewisse Abhängigkeit. "Es gibt ja die Geschichten, dass früher die Bauern und Bergleute Arsen gegessen haben, weil es einen gewissen aktivierenden Effekt hat, damit man nicht einschläft", sagt Schmid. Auch Pferden habe man das Halbmetall verabreicht, damit sie beim Verkauf am Markt frischer aussehen und das Fell mehr glänzt.

Das Spurenelement kommt überall in der Umwelt vor

Arsen ist nicht einfach zu besorgen. "Es gibt zwar in Österreich noch jede Menge alte Bestände, weil es früher als Pestizid oder Beizmittel verwendet wurde, das wird aber heute nicht mehr gemacht", so Schmid. Um Arsen kaufen zu können benötigt man eine sogenannte Giftlizenz.

"Ich habe so etwas, ich muss aber vorlegen können, warum ich die Substanz brauche", erklärte der Toxikologe. Gifte müssten zudem entsprechend abgesperrt gelagert werden. Jede Entnahme müsse in einem Giftbuch eingetragen werden.

Arsen kommt als Spurenelement überall in der Umwelt, in organischen Verbindungen und damit auch in Lebewesen vor. "Bangladesch hat zum Beispiel ein riesiges Arsen-Problem, weil das Grundwasser durch natürliche Vorkommen verseucht ist." Pflanzen können Arsen nicht selbst produzieren, sondern nur aufnehmen - etwa Schilfgras tut dies verstärkt.

Selbst schwer herzustellen

Dass es möglich ist, das Gift aus dem Metall selbst herzustellen, hält der Toxikologe für einen schwierigen Vorgang. "Nicht alle Arsenverbindungen sind gleich giftig. Und um das herauszuextrahieren, brauche ich ein Labor. Und wenn ich das habe, kann ich es gleich selbst kaufen", erklärte Schmid.

Für den Toxikologen gebe es "jede Menge anderer Gifte, wo kein Mensch auf einen Mord draufkommen würde". Schmid: "Etwa der Oleander enthält Glycoside, die Herzrhythmusstörungen bewirken können, was bei entsprechend starker Vergiftung auch zum Tod durch Herzlähmung führen kann", so Schmid. "Wenn das kein junger Mensch ist, wird niemand fragen." (APA, 5.4.2012)

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24 Postings
ohje

"Etwa der Oleander enthält Glycoside" jetzt liest das wer und schon sidn Glycoside böse:-D

Danke für die Denkanstöße für einen perfekten Mord

Schwachsinniger Artikel

Da wird munter Arsenik (As2O3) mit Arsen verwechselt und die Behauptung, dass man aus elementarem Arsen nur in einem Labor eine giftige Form herstellen kann, ist absolut falsch: Arsen löst sich in Schwefelsäure, die in jeder Drogerie erhältlich ist. Kann jedermann in der Küche nachmachen. Vorsicht: Beim Arbeiten mit konzentrierter Schwefelsäure muss SO2 in Wasser aufgenommen werden - kein Problem da es sich unglaublich gut löst.

"Keine intelligente Art, jemanden umzubringen" - na und? Hauptsache eine wirksame!

der Supergau für die Pathologie - praktisch toxikologisch nicht nachweisbar wäre eine Vergiftung mit Kalium (intra venös hoch dosiert) da nach dem Tod eh alle Zellen Kalium in die Umgebung abgeben würde alles auf einen natürlichen Tod hindeuten...

Kalium i.v. schmerzt schon in geringen Dosierungen. Einen großen Bolus spritzen wird also nicht ohne entsprechende Abwehr (inklusive Kampfspuren und Paravasaten) vom Betroffenen gehen.

ob eine Spritze oder Infusion schmerzt hängt hauptsächlich davon ab ob die Lösung isoton (schmerzfrei) - hypo- oder hyperton ist....

Ringerlösung zB enthält auch Kalium und ist absolut schmerzfrei da isoton

sie können auch mit einer "schmerzfreien" Kaliuminfusion jemanden ins Jenseits befördern - ist übrigens auch nichts neues und in manchen Krankenhäusern auch schon vorgefallen (Kaliumlösung mit Ringerlösung vertauscht)

Unsere 20mval-Ampullen haben eine Osmolarität von 4 osmol/l, also 10x höher als das Plasma. Ich kann mir nicht vorstellen dass das angenehm sein kann. Aber als langsamer Bolus oder verdünnt wärs natürlich möglich, aber da stell ich mir die praktische Umsetzung schwierig vor. Und dann ist die Frage ob zB 20mmol K+ überhaupt für 100% tödliche Rhythmusstörungen reichen oder ob man nicht doch doppelt oder dreimal so viel nehmen muss - "für alle Fälle"

3,5 - 5,5 mmol/l Kalium Normalwert -
ab 8 mmol/l sehr kritischer Zustand (da kann sich keiner mehr wehren Muskelschwäche und Lähmungen, heftige Herzrhythmusstörungen)
ab 10 mmol/l ist zu 100% jeder von uns tot (Herzstillstand)

bei einem Blutvolumen von ca 4-6 l und Ihren 20mmol Kalium Ampullen können Sie es sich ausrechnen wieviel nötig wäre um ganz sicher zu sein.....
ad Osmolarität des Blutplasma: ca 300 mosmol/l Normalwert bei Infusionslösungen ab 800 mosmol/l muss ein zentraler Venenkatheter angelegt werden
übrigens: hypertone Lösungen werden viel besser vertragen als hypotone....

Naja, wie verschafft man jemandem eine IV Injektion, ohne dass er es merkt? Und der Einstich ist auch ziemlich verdächtig.

Was immer wieder kolportiert wird ist eine schleichende Vergiftung mit schwerem Wasser.

Oder einfacher wie bei Columbo mit einem riesen Eisblock am Schädel.

Danke für den Tipp! :-)

Nett, dass wir das jetzt alle wissen, vielleicht könnte man noch einen Kurs an der Volkshochschule einrichten...

Pflanzen können Arsen nicht selbst produzieren, sondern nur aufnehmen

Unnötiger no-na-ned Satz xD

Rosstäuscher und Giftler

Wie die das früher wohl gewonnen haben ?

einfach mal nach 'hüttrauch' googlen!

Mit freiem Auge sichtbar

Offensichtlich ist es aber im medizinisches System und auch bei der Totenbeschau niemanden aufgefallen.
Ich möchte nicht wissen, wieviele Tote es wegen des Einsatzes von Erbbeschleunigern gibt.

zur bildunterschrift:

hier ist die strukturformel von colchicin (C22H25NO6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Colchicin

und hier von 'arsen', gemein ist wohl arsen-III-oxid (As2O3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Arsenik

unähnlicher geht wohl nicht mehr!

Das dachte ich mir auch!

Ein komplexes organisches Alkaloid mit einem einfachen Oxid zu vergleichen. Wobei die pflanzlichen Gifte (oder welche von Pilzen) vermutlich deutlich einfacher zu besorgen sind als Arsen(ik), wenn man offenen Auges durch die Natur wandert.

ein bisschen genauer hätte das schon erörtert werden können

wie man jemanden so vergiftet dass es keiner feststellen kann :-)

ein bsp? bitte sehr

C2H6Hg : wirkt stark zeitversetzt und ist durch unklare symptomatik von keinem normalen arzt erkennbar. selbst wenn kann man kaum nachweisen woher es kam, die verheerende wirkung lässt sich ohnehin nicht aufhalten. herstellung ist relativ einfach - sofern man sich dabei nicht selbst vergiftet. nur gut das die meisten erbschleicher keine chemiker sind.

Ethylquecksilber?

Gab es da nicht etliche Quecksilbervergiftungen durch Verseuchung der Umwelt mit Methyl-Hg (Minnamata, et. al.)

nein, ich meinte dimethylquecksilber

ist die gefährlichste hg verbindung und gelangte meines wissens nie direkt in die umwelt. wird nur in geringen mengen für paar spezialanwendungen benötigt. es gab aber paar industrieunfälle wo einzelpersonen betroffen waren. die merkten es viel zu spät und hatten keine chance. fatal lethal dieses zeugs.
minamata? nachdem mikroorganismen quecksilbersalze methylieren können ist es durchaus möglich das über diesen umweg auch dimethyl-hg gebildet wurde.

aber der Experte weiß es, hätte ich den Eindruck

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