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vergrößern 700x450Vor 14 Jahren wurde die Auffangstation für gerettete Bären von Vier Pfoten in Arbesbach errichtet.
vergrößern 700x450Die Bären haben körperliche und psychische Schäden davongetragen und können nicht mehr ausgewildert werden.
vergrößern 700x450Die Tierpfleger sorgen dafür, dass die Tiere möglichst artgerecht gehalten werden. Dazu gehört auch, dass ihnen die Futterbeschaffung etwas erschwert wird.
vergrößern 700x450In freier Wildbahn verbringen die Bären rund 16 Stunden am Tag mit der Nahrungssuche.
Drehstämme stellen die Bärentatzen vor eine Herausforderung. Das Essen muss erst "gepflückt" werden.
vergrößern 700x450Solche und andere Aufgaben, um an Nahrung zu gelangen, beschäftigen die Bären.
vergrößern 700x450Die Saison für Besucher dauert von Ostern bis Allerheiligen, in dieser Zeit kommen rund 25.000 Besucher.
In den kalten Monaten ziehen sich die Bären in ihre Winterhöhlen zurück.
vergrößern 700x450Nur Brumca bevorzugt es, ihre eigene Höhle zu graben.
vergrößern 700x450Der Jüngste im Bärenbunde ist der zweijährige Eddie, der aus einem Zwinger in Jordanien gerettet wurde. Da das Bärenschutzzentrum ausdrücklich nicht der Nachzucht dient, werden die männlichen Bären kastriert.
vergrößern 700x450Der Bärenwald ist kein Zoo. Die Bären haben viele Rückzugsmöglichkeiten.
vergrößern 700x450Eigentlich sind Bären Einzelgänger, durch die soziale Interaktion mit ihren Artgenossen nehmen in Gefangenschaft jedoch die Verhaltensauffälligkeiten ab.
vergrößern 700x450Die 23-jährige Maggie wird im Team nur Office Supervisor genannt. Die schwarze Katze wurde am Karlsplatz geboren, zweimal von einem Auto angefahren und einmal von einem Hund attackiert. Von den Bären lässt sie sich nichts gefallen.
Seit Ende März stehen die Bewohner des Bärenwaldes im Waldviertel wieder auf ihren vier Pfoten. Nur die alte Lara liegt noch gemütlich in ihrer künstlichen Höhle am Rücken und streckt die Beine in die Luft. Ihre Pfleger zwinkert die 30-Jährige, für Bären ein hohes Alter, nur verschlafen durch die Glasscheibe an. Die Auffangstelle in Arbesbach für gerettete Bären wurde 1998 von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten eröffnet. Sieben Braunbären leben hier auf insgesamt 14.000 Quadratmetern, die in vier Gehege unterteilt sind.
Dort können sie baden, graben, umherstreifen, klettern und sich in Höhlen verstecken. "Wir sind kein Zoo. Wenn die Bären nicht mehr wollen, können sie sich zurückziehen", sagt Sigrid Zederbauer, die seit elf Jahren die Verantwortliche im Bärenwald ist. Da die Tiere nicht mehr ausgewildert werden können, werden so gut wie möglich die Bedingungen in freier Natur nachempfunden. Sie sind zu abhängig vom Menschen und würden in freier Wildbahn nicht überleben. Durch schlechte Haltungsbedingungen haben sie zudem körperliche Schäden davongetragen und sind verhaltensgestört.
Steine umdrehen für die gute Laune
Der wichtigste Punkt am Beschäftigungsprogramm ist die Nahrungsaufnahme. Die Allesfresser verbringen in Freiheit rund 16 Stunden am Tag mit der Suche nach Essbarem. Mitarbeiter Stefan Knöpfer - als Absolvent eines Kollegs für Innenraumgestaltung und Holztechnik avancierte er zum "Chefbärenspielzeugbauer" - tüftelt an Geräten, die die freie Wildbahn imitieren. Um an die Happen zu kommen, müssen die Tiere Geschicklichkeit beweisen.
Zederbauer erklärt einige Geräte: In den Lochstamm kann man zum Beispiel Futterstücke hineinlegen. Anschließend wird ein Stein verwendet, um das Loch zu schließen. Der Bär muss zuerst den Stein entfernen, bevor er an das Futter gelangt. Bären wenden in der Natur oft Steine, um an Insekten oder Würmer zu kommen, oder sie öffnen Stämme, um die darin lebenden Insekten zu fressen.
Tatze am Rechenschieber
An dem Futtervorhang kann man Obst und Gemüse befestigen. Durch das lange Seil pendelt das Futter stark, so dass der Bär vorsichtig sein muss, um es auch pflücken zu können. Der Rechenschieber besteht aus zwei Bällen, die oben ein Loch besitzen. Sie sind im oberen Bereich aufgehängt, der Ball muss gehoben und in dieser Position gehalten werden, damit das Hundetrockenfutter herausrieselt.
In freier Wildbahn ernähren sich Bären zu 80 Prozent durch Baumrinde, Blätter, Wurzeln, Pilze, Nüsse, Früchte und Beeren. "Hier knabbern sie auch ungekochte Nudeln und Nüsse. Über einen Happen Fleisch freuen sich die Bären immer, hin und wieder bringen Jäger Rehe", berichtet Zederbauer.
Nur die eigenwillige Brumca, die Pfleger nennen sie liebevoll Brummel, isst fast nie Fleisch und bevorzugt die pflanzliche Ernährung. Dafür liebt es die europäische Braunbärin, sich in Parfum zu wälzen. Bären lieben allgemein intensive Gerüche, egal wie sie für Menschennasen riechen. Sie informieren sich auch über ihre Nasen: Am Kot erkennen sie zum Beispiel den Hormonstatus und können dadurch abschätzen, ob ein Weibchen paarungsbereit ist.
Depressiver Bär
Brummel wurde als privates Haustier in der Nähe von Wiener Neustadt gehalten. Die meiste Zeit musste sie einsam und beschäftigungslos in einem 35 Quadratmeter kleinen Verschlag fristen. Alle Zähmungsversuche scheiterten und sie wurde immer wilder und größer. Nach zähen Verhandlungen konnte das Tier schließlich doch beschlagnahmt werden und in den Bärenwald gebracht werden.
"Man merkte, dass sie in der Gefangenschaft stumpfsinnig geworden war. Sie ging stundenlang auf und ab", sagt Zederbauer. Mittlerweile ist Brummel bekannt dafür, sich nichts gefallen zu lassen. So sei es schon vorgekommen, dass sie Besucher so angebrüllt habe, dass die Menschen verschreckt vom Rundgang zurückkamen, erzählt Zederbauer schmunzelnd.
Rhythmus der Natur
Als Brumca nach Ardesbach kam, hatte sie außerdem noch nie Winterschlaf gehalten und hatte eine solche Angst vor dem Eingesperrtsein, dass sie sich weigerte, die künstliche Höhle zu betreten. Im zweiten Winter im Bärenwald grub sie sich ihre eigene Höhle und hielt das erste Mal seit 16 Jahren Winterruhe - ein großer Erfolg für die Mitarbeiter des Bärenwaldes.
Diese Perioden der Ruhe sind für Bären sehr wichtig: Die Körpertemperatur sinkt um circa fünf Grad und das Herz schlägt statt 40-mal nur noch achtmal pro Minute. Sie sind in dieser Zeit aber nicht wehrlos und leicht aufzuwecken. Die Natur hat es zudem so eingerichtet, dass sich befruchtete Eizellen erst im Herbst in der Gebärmutter einnisten. In mageren Jahren sterben die Eizellen ab, da die Mutter zu wenig Milch hätte. "Bärinnen sind Essensstaubsauger, jede Kalorie, die sie sich anfressen, ist wichtig", ergänzt Zederbauer.
Gemeinsam gegen die Einsamkeit
Eigentlich sind Bären Einzelgänger. Im Waldviertel sind sie Gehegekollegen: Durch den Sozialkontakt und die Beschäftigung miteinander nehmen Verhaltensstörungen schneller ab. Dass sich die Bären aber so gut wie in Arbesbach verstehen, ist eher die Ausnahme, berichtet Zederbauer: "Die anderen Bärenstationen beneiden uns immer um unsere friedlichen Hippiebären."
Vinzenz, Liese, Tom und Jerry wohnen zusammen. Optisch sind sie mehr "Blondbären" als Braunbären, ihr helles Fell ist typisch für syrische Braunbären. Der Größte im Gehege ist Vinzenz, er hat alles, was man von einem guten Chef gern hätte, sagt Zederbauer: "Er weiß, dass er der Stärkere ist. Er hat eine natürliche Autorität und muss sie sich nicht erkämpfen."
Gemeinsam mit seiner Schwester Liese lebte er neun Jahre lang in einer 300 Quadratmeter kleinen Betongrube auf der Gemeindealpe bei Mitterbach. Im Winter, wenn die Bären ihre Ruhephase haben, war Hochsaison am Skilift. Als Touristenattraktion waren auch die Geschwister keinen natürlichen Rhythmus mehr gewohnt.
Abgeschliffene und ausgeschlagene Zähne
Einige Bären müssen die nicht artgerechte Haltung in der Vergangenheit mit ihrer Gesundheit bezahlen. Tom und Jerry waren Zirkusbären und mussten auf zwei Beinen Kunststücke vorführen. Dadurch hat Tom gesundheitliche Probleme, berichtet Zederbauer, während sie seine Arthrose- und Schmerzmittel in einen Hefezopf drückt. Nach der langen Winterruhe, in der er nichts zu sich nimmt, also auch keine Medikamente, hat er Probleme mit dem Gehen. "Das bedeutet, er hat Schmerzen. Nach der Winterruhe baut er immer extrem ab", sagt Zederbauer. Eigentlich tun ihm alle Bewegungen weh, aber er sollte wieder Muskeln aufbauen, um seinen Zustand zu verbessern.
Zusätzlich hat Tom wegen seiner abgeschliffenen Zähne Probleme, manchmal braucht er länger zum Essen - ein Aspekt, der bei der Fütterung berücksichtigt wird. Die englische Veterinärin Lisa Milella hat sich auf Zahnmedizin spezialisiert und berichtet, dass das Abschleifen und Ausschlagen der Zähne eine verbreitete Praxis ist. 2006 erhielt sie für ihr Engagement für gerettete Tanzbären in Indien den "Exotic Animal Dentistry Grant".
Sie erklärt im Gespräch mit derStandard.at, welche Probleme die illegal gehaltenen Tiere auch nach ihrer Befreiung haben: "Als Welpen werden ihnen die Zähne abgeschnitten. Bei erwachsenen Bären werden die Zähne mit Eisenstangen brutal eingeschlagen. Dadurch sollen sie zum einen für die Touristen weniger aggressiv aussehen, aber auch besser zu kontrollieren sein."
Wurzelbehandlung statt Zahnentfernung
Viele der indischen Tanzbären, die Milella behandelte, hatten schmerzhafte Abszesse auf den Zahnwurzeln. Idealerweise wird bei der Zahnbehandlung kein Eckzahn entfernt, sondern eine Wurzelbehandlung durchgeführt, berichtet Milella: "Das ist einfacher für uns und weniger traumatisch für die Bären."
Es ist zudem eine sehr aufwendige Prozedur, einem Bären vier Eckzähne zu ziehen. Bei der Wurzelbehandlung können zwei Ärzte gleichzeitig arbeiten und auch die Anästhesie dauert dadurch kürzer. Nach einer erfolgreichen Zahnbehandlung könne eine Veränderung im Verhalten der Bären beobachtet werden, berichtet die Ärztin: "Sie sind lebendiger, sozialer und überhaupt enthusiastischer bei ihrer Tagesroutine."
Ein Boxsack für den Halbstarken
Der Jüngste im Bunde ist der zweijährige Eddie. Stereotypes Hin- und Herwippen und das Nuckeln an der Pfote sind Zeichen seiner schweren Verhaltensstörung, die unter anderem daher rührt, dass er zu früh von seiner Mutter getrennt wurde. Er hat eine abenteuerliche Rettung hinter sich: Im Frühjahr 2010 wurde er in einem Zoo in Jordanien geboren. Im Oktober wurde er von der Princess Alia Foundation und Vier Pfoten aus der Zwingerhaltung befreit und in eine Auffangstation in Amman gebracht. Da in Arbesbach besser für ihn gesorgt werden konnte, wurde er schließlich nach Österreich transportiert.
Vor wenigen Tagen wurde er kastriert, daher ist nun eine Vergesellschaftung mit den anderen Bären möglich. Der Halbstarke sollte im Moment eigentlich seine Kräfte mit Gleichaltrigen messen. Als Ersatz haben ihm die Bärenbetreuer zum Beispiel einen Boxsack aufgehängt, an dem er seine unbändige Energie nun auslässt. Er war viel eingesperrt und brauche dauernd Bewegung und Aufmerksamkeit, meint Zederbauer.
Fürs Erste muss Eddie jedoch lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich sein Futter selbst zu suchen. Denn junge Bären lernen bis zu einem Alter von drei Jahren alles über das Bärenleben von dem Muttertier, berichtet die Bärenwald-Chefin: "Andere Bären sind viel weniger abhängig von uns. Für die sind wir nur die Zweibeiner, die die Schlüssel zum Futter haben und die Scheibtruhe bedienen." (Julia Schilly, derStandard.at, 19.4.2012)
Weitere Informationen
Der letzte frei lebende Bär in Österreich wurde 1842 erlegt. Seit etwa 1970 gibt es Versuche, Braunbären wieder hier anzusiedeln. Weltweit liegt der Bestand bei etwa 180.000 Tieren. Die meisten davon leben in Alaska, Kanada und Russland, wo es noch weitläufige menschenarme Gebiete mit ausgedehnten Wäldern gibt.
Schönfeld 18
3925 Arbesbach
office@baerenwald.at
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Es hat sicher was beruhigendes, wenn man meint was gutes zu tun, ob es das auch ist, ist wieder eine andere Sache. Was aber Tatsache ist das Bären Wildtiere sind für den Menschen gefährlich, was man, sehr gut in Arbesbach ansehen kann.
An und für sich ist es so das Bären Menschen aus dem Weg gehen, so wie es Rehe, Füchse und Hasen auch machen. Was aber der unterschied ist, ist das Rehe u.w. keine Raubtiere sind Bären schon. Sie können einen Menschen gefährlich werden. Und wozu sollte ich etwas vorderen was an sich schon eingetreten ist, sie sind ja schon alle abgeschossen oder eingesperrt. Also stellt sich die frage nicht!
Für mich ist das eine sehr übertriebene Bären Aufbewarungsanstallt. Und so lange man sich so einen Luxus leisten kann woher auch immer das Geld kommt erscheint es nur all zu grotesk das man Flüchtlinge abschieben muß, weil man es sich nicht leisten kann Ihnen zu helfen!
ich hoffe, dass die ehemaligen Besitzer dieser Tiere für die gegenwärtige Versorgung auch bezahlen
Die hier beschriebene Einrichtung und auch "Tierschutzheime" generell sind an sich eigenartige Einrichtungen - die Tiere fallen ja nicht vom Himmel - die hatten alle einmal Besitzer.
Jeder der sich ein Tier anschafft, muss damit rechnen bis zu dessen Lebenende für die Versorgung verantwortlich zu sein.
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