Bund deckt ÖVAG-Milliardenverlust ab

Tumpel-Gugerell für Volksbanken-Präsidium nominiert

Wien - Mit der Teilverstaatlichung der Volksbanken AG (ÖVAG) geht in knapp drei Wochen ein Austausch der Aufseher einher. Da die Ex-EZB-Direktorin und amtierende Aufsichtsrätin der Banken-ÖIAG Fimbag, Gertrude Tumpel-Gugerell, jetzt dezidiert zur Wahl für den ÖVAG-Aufsichtsrat nominiert ist, wird sie ins Bankpräsidium einziehen - als Bankpräsidentin.

In der Hauptversammlung der ÖVAG am 26. April gibt es den erlösenden Kapitalschnitt. Vor diesem Schnitt lag der Verlust der ÖVAG (AG) für 2011 bei 1,345 Mrd. Euro. Danach schmilzt er auf 53,5 Mio. Euro zusammen, wie heute bekannt gegeben wurde.

Hoher Preis

Der Preis ist hoch: Die Kapitalherabsetzung um 70 Prozent heißt, dass neben allen anderen Kapitalinstrumenten 700 Millionen der 1 Mrd. Euro Staats-Kapital weg sind, die seit 2009 in der ÖVAG liegen. Der Bund muss die Problembank jetzt auch rekapitalisieren helfen und übernimmt dazu mehr als 40 Prozent der Anteile über eine Kapitalerhöhung.

Verwaltet werden Staatsanteile an Banken in Österreich von der Fimbag. Die regionalen Volksbanken bleiben in der ÖVAG-Mehrheit. Sie werden zu umfassenden Haftungsverträgen herangezogen.

Mit dem Staatseinstieg sind auch grundlegende Rochaden in der Bankführung verbunden. Der bisherige Aufsichtsratschef, Volksbanken-Verbandsanwalt Hans Hofinger, verlässt den ÖVAG-Aufsichtsrat. Ebenso eine Reihe anderer bisheriger Räte.

Neuer Vorstandschef

Der Bund setzt Ende April auch einen neuen Vorstandschef ans Ruder. Als Wunschkandidat von VP-Finanzministerin Maria Fekter gilt dafür Stephan Koren. Um ihn rankten sich zuletzt aber auch wieder Gerüchte um einen Wechsel in die Notenbank. Das Mandat des glücklosen bisherigen ÖVAG-Chefs Gerald Wenzel läuft Ende April ohnedies von selber aus.

Vom Bund für die Wahl der Aufsichtsräte in der Hauptversammlung nominiert sind nach APA-Informationen vom Donnerstag neben Tumpel-Gugerell auch Klaus Kumpfmüller (Bundesfinanzierungsagentur), Hans Jörg Schelling (Wirtschaftksammer-Vize, Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger) und der frühere Bank Austria Vorstand Franz Zwickl.

Von den Mehrheitseigentümern als Aufsichtsräte nominiert sind folgende Volksbanken-Manager: Richard Ecker (Schärding), Markus Hörmann (Tirol Innsbruck-Schwaz), Rainer Kuhnle (Krems, Zwettl), Josef Preissl (Wien) und Edwin Reiter (Oberkärnten). Reiter und Kuhnle waren jetzt schon im Aufsichtsrat.

Die Zahl der Aufsichtsräte (Kapitalvertreter) in der ÖVAG wird jetzt um ein Drittel reduziert, hieß es heute weiter.

Rekordverlust von 1,345 Milliarden

Für die ÖVAG hat das Jahr 2011 mit einem Rekordverlust von 1,345 Mrd. Euro geendet, der freilich nicht mehr überraschend kam. In der Konzernbilanz meldete die ÖVAG am Donnerstag - ebenfalls vorläufig - einen Nettoverlust von 959 Mio. Euro. Grund für die tiefen Löcher in der Bilanz sind teure Wertberichtigungen auf Töchter und Ostbanken, aber auch Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen.

Die Vorsorgen auf Länderrisiken beliefen sich auf insgesamt 337 Mio. Euro - davon waren allein 160 Millionen Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen.

Vor allem aber Beteiligungs-Abwertungen waren teuer, sie lasten mit 880,5 Mio. Euro auf der Bilanz. Darunter die Totalabschreibung der Beteiligung auf die (nicht an die russische Sberbank verkaufte) Volksbank Rumänien (299 Mio. Euro). Auch der heuer zu Jahresbeginn durchgezogene Verkauf der Volksbank International (VBI, alle Ostbanken außer Rumänien) an die Russen endete unterm Strich mit einem Verlust von 160 Mio. Euro für die ÖVAG-Bilanz 2011. Rund 142,5 Mio. Euro musste die ÖVAG schließlich als Partizipationskapital-Zeichnerin ihrer früheren Tochter Kommunalkredit in den Wind schreiben.

Die Kommunalkredit gehört schon seit Ende 2008 dem Staat. 2009 wurde sie zweigeteilt, in eine fortzuführende Kernbank und in eine Abbaubank (Bad Bank/KA Finanz). In der KA Finanz wird im übrigen einen Tag vor der ÖVAG, schon am 25. April, ein Kapitalschnitt zum Verlustabbau durchgezogen. Diese Bank ist Österreichs größte Gläubigerin in Griechenlands-Papieren und muss hier mit Hilfe des österreichischen Staates dementsprechend wertberichtigen. (APA, 5.4.2012)

 

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Vorsicht - der Staat ist ein schlechter Unternehmer!

Nicht der Bund - sondern der Steuerzahler muss den Milliardenverlust abdecken!
Wozu braucht es ein Bankpräsidium und eine Bankpräsidentin, in AG's gibt es normalerweise (auch interimistische) Vorstände oder Vorstandsvorsitzende!
Warum kann sie gleichzeitig in den ÖVAG-Aufsichtsrat einziehen?
Warum sollen für den Aufsichtsrat hauptsächlich Volksbanken-Manager, Wirtschafts-/Sozialversicherungskämmerer nominiert werden und nur ein pensionierter Banken-/Wirtschaftsexperte?
Wäre das Ziel nicht schnellstmögliche Sanierung und Verkauf, damit die investierten Steuer-Mrd wieder zurückfließen?

Wäre die politische Fehlkonstruktion

"Kommunalkredit" (KK) nicht gegründet, oder gleich beim ersten Erkennen der Fehlkonstruktion liquidiert worden, hätten wir heute kaum ein OeVAG Problem.

Hätten die Finanzsysteme mehr echte Risikomanager und nicht a posteriori Erklärer, warum alles nicht a priori erklärbar war (O Ton Aufsichtsrat KK).

Hätten wir eine Aufsicht, die sich nicht nur in Paragrafen, sondern auch methodischem Risikomanagement äussert, ...
Bei KK war ja alles in Butter, weil alle im Sinne ihrer Fehlkonstruktion gehandelt haben.
Niedrigzinskontrakte zu einer Zeit, in welcher diese unmöglich zu refinanzieren waren.

Heute werden, im wilden Versuch es besser zu machen, Kommunen ruinöse Fremdwährungskredite mit Endfälligkeit, Tilgungsträgern, Wetten .. aufgeschwatzt.

Ist doch schön das dem Staat wieder Banken gehören, fehlen nur noch Bawag, Erste, und BA, dann gehören alle zur Raiffeisen Gruppe. Banker und Politiker.. ich glaub ich kauf mir Strabag und Hühnerzucht Aktien. Wird bald eine große Nachfrage nach Federn und Teer geben, eigentlich wäre etwas anderes besser aber dann wird wieder zensuriert, als ob die französische Revolution was schlechtes gewesen wäre!

na dann kann ja nix schiefgehen...

http://derstandard.at/131701912... in-im-Wifo

da wird ja dann das familieneinkommen der familie tumpel gesichert sein...

wo sind denn da jetzt die schwarzen Wirtschaftswunderkinder

die da immer schreien ..... mehr privat weniger Staat ....

Hast du das noch nicht bemerkt, dass die sich immer mit dem Wind drehen und wen er grad zu stark weht sind sie in Deckung?

Das war schon immer so ...

Milliarden-Abdeckung

Könnte man bitte endlich auf Ausdrücke wie "Bund", "Land", "Öffentliche Hand" und "Vater Staat" verzichten und sie durch die einzig wahre und richtige Bezeichnung, nämlich "die Steuerzahler", ersetzen?

Und in kurzer Zeit werden uns die üblichen Voll... hier im Forum erklären,...

...dass die Soziallleistungen und Pensionen schuld an den Staatsschulden wären, und dass "wir" über unsere Verhältnisse gelebt hätten.

Und so macht man aus einer durch die Bankster verursachten Krise eine "Schuldenkrise".

Wieso um alles in der Welt ...

... werden im Zusammenhang mit der Fimbag immer wieder Namen genannt, die sich im Bankenumfeld seit Jahren durch die 3-Affenqualifaktion ausgezeichnet haben und damit hauptverantwortlich für das Schaffen der Fimbag gewesen sind, genannt.

Dass man den Teufel nicht mit dem Belzebub austreiben kann, scheint in der halbstaatlichen Welt noch immer unbekannt zu sein.

Weiter so, Herrschaften! Je schneller wir den Bach runter gehen, desto wahrscheinlcih ist es, dass im Schirm noch was für uns über ist.

sich darüber aufzuregen

ist völlig sinnlos. Top-down ist die zukünftige Richtung. Bottom-up war einmal, und kommt so wie's einmal war, wahrscheinlich nie mehr wieder.

Sehr brav

Eine gutgehende CA verkauft und jetzt zieht man sich eine Ramsch Bank nach der anderen rein.

Ich dachte man wollte privatisieren und nicht verstaatlichen ?

Wahrscheinlich versteh ichs nicht weil ich nicht studiert habe, -- ok ich bleib beim playboy (Bilder anschauen)

ich dachte ja auch: "mehr privat, weniger Staat" heilt alles? Der Markt regelt alles?

Nun muß man feststellen das der Markt nichteinmal das Kapital regelt? Ja was denn nun?

Hab auch nicht studiert - vielleicht liegt es daran?

uebergetitelt:SYSTEMRELEVANT

Gutes Geschäft

ich ersuche mir mitzuteilen,in welchem wirtschaftssystem wir leben.

kapitalismus?ok.dann aber bitte keine eingriffe in private unternehmen.wenn ein unternehmen nicht ohne staatliche eingriffe überlebensfähig ist,ab in das insolvenzverfahren.auch wenns weh tut.

kommunismus?soll mir auch recht sein.dann aber bitte keine gehälter von bankmitarbeitern,welche über die gehälter eines öbb lok-führers hinausgehen.
von horrenden boni ganz zu schweigen.

Von der Definition her, wie Recht vom Staat gebrochen wird, z.B. bei den Sprüchen: "kein Staat haftet für die Schulden eines anderen Staates", uvm. und wie Diktatorisch z.B. bei der Vorratsdatenspeicherung vorgegangen wird, kommt man nicht umhin das System in dem wir leben als Faschismus zu bezeichnen.

Aber ich lasse mich gerne belehren, welche Gründe dagegen sprechen und in welcher Staatsform wir tatsächlich leben.

Pseudodemokratie

Es wird Zeit für eine Revolution!

Und das kann die VDS ruhig speichern, verhindern wird sie es nicht können!

und welche Art von Revolution soll das bitte sein?

nach Ansicht der Wissenschafter stehen der Menschheit nur zwei Wirtschaftsmodelle zur Auswahl: Kapitalismus oder Kommunismus. Wir haben beides zur selben Zeit. Wozu da noch auf die Barrikaden steigen?

Faschismus, Maoismus, Katechismus und der Isthmus von Korinth und was weiß ich noch alles.

Nur weil einige Wissenschafter nur bis zwei zählen können, heißt das noch lange nicht, dass es nicht, dass es nicht andere Leute mit neuen Ideen gibt.

Wissenschafter vertreten ihre Thesen immer nur auf bisherigem Wissen und sind immer ganz erstaunt, wenn die Wissenschaft neu geschrieben werden muss!

OK, lieber Freund.

für Sarkasmus ist hier natürlich kein Platz.

WUNDERBARES GESCHAEFT FUER DEN STEUERZAHLER

und herrlich hochdotierte Jobs fuer etliche Politschmarotzer!

Da schau ich lieber dem Pendler zu: http://www.youtube.com/user/00derpendler

Na, jetzt kommen die Experten ;-))

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