Ein Planet, der sich "wie eine Zelle" geteilt hat

10. April 2012, 18:01
37 Postings

Roter Riesenstern verschluckte gigantischen Gasplaneten und spuckte zwei winzige Welten wieder aus - so lautet zumindest die Theorie

Als der sonnenähnliche Stern KIC 05807616 seinen Wasserstoff aufgebraucht hatte, schien es zunächst, als sei es auch um alle seine Planeten geschehen. Der Stern stieß seine äußere Hülle ab und blähte sich im Verlauf der folgenden Jahrmilliarden zu einem Roten Riesen auf. Seine Planeten dürften im Verlauf dieser Entwicklung tatsächlich von der zu gigantischer Größe angewachsenen Sonnen verschluckt und vernichtet worden sein - mit einer Ausnahme: Ein einzelner Gasriese von fünffacher Jupitermasse klammerte sich weiterhin an sein "Leben".

Von der äußeren Hülle des sterbenden Sterns umgeben verlor der Planet durch Reibung Energie und geriet näher an den dichten, Millionen Grad heißen Kern. Den Gravitationskräften der Sonne hatte der Planet schließlich nichts mehr entgegen zu setzen: Der Gasriese wurde auseinander gerissen und teilte sich in einem Vorgang, der an Zellteilung erinnert, in mehrere Tochterplaneten.

"Einige davon haben wohl nicht überlebt und stürzten in den Stern oder wurden fort geschleudert," meint Noam Soker vom israelischen Institute für Technologie in Haifa. "Zwei dieser Bruchstücke aber haben überlebt"

Planeten-Mitose

Diese beiden Tochterwelten - jede von ihnen etwas kleiner als die Erde - befinden sich immer noch im Orbit von KIC 05807616. Das behaupten zumindest Soker und sein Kollege Ealeal Bear. Für die Wissenschafter ist dieser Mitose-ähnliche Prozess die plausibelste Erklärung für die Existenz der beiden "Mini-Erden".

Stéphane Charpinet und sein Team von der Universität Toulouse in Frankreich haben die ungewöhnliche Konstellation im Dezember des Vorjahres entdeckt, als sie den rund 4.000 Lichtjahre entfernten Stern am Ende seines Lebens einer genaueren Beobachtung unterzogen. Dabei stellten sie bei KIC 05807616 alle 5,7 und 8,2 Stunden jeweils einen Helligkeitsausbruch fest. Nachdem die Forscher alle anderen Erklärungen ausgeschlossen hatten, blieb nur mehr eine Möglichkeit übrig: "Wir schlossen daraus, dass das, was wir dort sahen, nur zwei Himmelskörper sein können, die den Stern umkreisen," meint Charpinet.

Kleine Überlebende eines Infernos

Aus den gesammelten Daten errechneten die Astronomen, dass die beiden Planeten wahrscheinlich 0,759- und 0,867-mal so groß sind wie die Erde und über die 0,440-fache und 0,655-fache Erdmasse verfügen. Für die französischen Astronomen waren diese Werte eine ausgesprochene Überraschung, den bislang waren noch niemals zuvor derart kleine Himmelskörper entdeckt worden, die das Rote-Riesen-Stadium eines Sternes überlebt hatten. Daher glauben Charpinet und Kollegen, dass dies ursprünglich zwei Gasriesen waren, die ihre Atmosphären verloren hätten.

Eine Deutung, mit der Bear and Soker nicht einverstanden sind. Für die beiden israelischen Wissenschafter ist die These nicht in der Lage, die auf ungewöhnliche Weise miteinander synchronisierten Bewegungen der beiden Planeten zu erklären. Ihr "Zellteilungs-Modell" würde dagegen als Ursache für die Beobachtungen gut funktionieren. Auch der US-Astronom Jason Nordhaus vom Rochester Institute of Technology in New York kann der neuen Theorie einiges abgewinnen. Allerdings betont er, dass die Existenz der beiden Mini-Planeten um KIC 05807616 noch nicht ausreichend bewiesen sei. Die beobachteten Ausbrüche könnten durchaus auch nur regelmäßige Helligkeitsschwankungen des Sternes selbst sein. (red, derstandard.at, 10.4.2012)

  • Die beiden kleinen Planeten könnten ursprünglich aus einem großen Gasriesen hervorgegangen sein, der von seinem Muttergestirn zerrissen worden ist.
    illustration: université de toulouseuniversité de toulouse

    Die beiden kleinen Planeten könnten ursprünglich aus einem großen Gasriesen hervorgegangen sein, der von seinem Muttergestirn zerrissen worden ist.

Share if you care.