Die Insel der fünf Küchen

Katharina Seiser
8. April 2012, 13:19
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  • Auf der Insel treffen die kulinarischen Traditionen von Thais, Chinesen und Indern auf jene der buddhistischen und muslimischen Malaysier - die Folge ist eine abenteuerliche Vielfalt, die sich am besten auf den Straßenmärkten der Hauptstadt George Town erleben lässt: mit Kräutern und Curry aufgeladene Nudelsuppen, Frühlingsrollen, Fischkopfcurrys und vieles, vieles mehr.
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    Auf der Insel treffen die kulinarischen Traditionen von Thais, Chinesen und Indern auf jene der buddhistischen und muslimischen Malaysier - die Folge ist eine abenteuerliche Vielfalt, die sich am besten auf den Straßenmärkten der Hauptstadt George Town erleben lässt: mit Kräutern und Curry aufgeladene Nudelsuppen, Frühlingsrollen, Fischkopfcurrys und vieles, vieles mehr.

Penang vor der Küste Malaysias gilt als Ort von grandioser kulinarischer Diversität und Paradies des guten Essens

Das Unesco-Welterbe ist bloß ein Vorwand, nach Penang zu reisen. Alle kommen wegen des Essens. Die Altstadt der Hauptstadt George Town ist reich an chinesisch dominierter Geschichte. In der Street of Harmony stehen ein buddhistischer und ein Hindu-Tempel neben einer anglikanischen Kirche und einer Moschee. Gläubige gehen ohne Security ein und aus.

Die vielen Ethnien im Land spiegeln sich auch in den Straßen zwischen den historischen Gebäuden wider: Thailändische, chinesische und indische Küchen verbinden sich mit malaiischen Traditionen zu Geschmäckern, die mit schillernd noch immer nicht treffend genug beschrieben sind. Außerdem gibt es in Penang - daneben nur noch in Malakka und Singapur - die Peranakan- oder auch Nyonya-Küche, die aus malaiisch-chinesischen Mischehen entstanden ist.

Peranakan, auch Straits-Chinesen oder Baba-Nyonya genannt, haben bereits vor mehr als 1000 Jahren begonnen, sich in Malaysia anzusiedeln. Aus den strengen chinesischen Ritualen, nicht nur im kulinarischen Bereich, und dem Einfluss der neuen Heimat ist eine einzigartige Kultur entstanden, die heute nur noch an wenigen Orten gelebt wird. In Penang, besonders George Town, verteidigt die Peranakan-Community nach wie vor ihren Status als prägendes Element der Stadt und vor allem ihrer Küchen. Wer in Penang etwas auf sich hält und eine Feier ausrichtet, geht in ein Nyonya-Restaurant. Nyonya ist die Bezeichnung für Großmutter, während Baba den Großvater meint.

Aufwändige Zubereitung

Den guten Ruf verdankt die Nyonya-Küche ihrer aufwändigen Zubereitung. Sie vereint gekonnt Curry-Aromen aus Kurkuma oder Koriander mit Säure aus Tamarinde, frischen Kräutern wie Wild Betel (Daun Kadok) und Laksa Leaf (Vietnamesische Minze) und der Schärfe von Chilis. Die Süßspeisen "Nyonya Kuih" aus Reismehl, Kokosmilch und Gula Melaka, dem besonders aromatischen, weichen malaiischen Palmzucker, werden nur zu festlichen Anlässen zubereitet.

Am besten bucht man ein Zimmer ohne Frühstück in einem der alten chinesischen Geschäftshäuser in George Town, die nach und nach in Heritage Hotels umgebaut werden - und eine Food Tour. Der Ess-Alltag spielt sich fast ausschließlich auf der Straße ab. Man startet mit Hawker Food (darunter wird das Essen der Straßenstände zusammengefasst, Anm.) auf einem Morgenmarkt wie Pulau Tikus mit über Holzkohle gegrilltem Toast mit Kaya, einer Art Aufstrich aus Kokos, Palmzucker und Eiern. Dazu wird in Malaysia gesüßter Kaffee oder malaiischer Schwarztee - oder eine Mischung aus beiden - getrunken. Apom Balik, kleine Palatschinken, die in wokartigen Gusseisenpfännchen gebacken werden, sind mit Bananen, süßem Mais und Erdnüssen gefüllt.

Nudeln zum Frühstück

Ein paar Stände weiter bietet einer der ältesten Marktstandler Penangs in zweiter Generation das Nudelgericht Chee Cheong Fun an. Frische breite Reisteignudeln, weich gedämpft, mit drei verschiedenen, Umami-reichen Saucen aus fermentierten Sojabohnen (erinnert an Hoisin-Sauce), Chili und vergorener Shrimpspaste, die in Malaysia Belacan genannt wird, zähflüssig ist und als Geheimwaffe in vielen Gerichten zum Einsatz kommt.

Eine Portion Char Kway Teow, das neben Laksa wohl bekannteste Gericht Penangs, entspricht vom Fettgehalt zwar einem halben Backhendl als Frühstück, aber die rauchigen, in Schweineschmalz im Wok gebratenen Nudeln mit dunkler Sojasauce, Sojasprossen, Muscheln, Garnelen, scharfer chinesischer Wurst und Lauch duften so verlockend, dass Spiegeleier mit Speck dagegen wie eine Fastenspeise wirken.

Nach ein wenig Gewürzkunde im Tropical Spice Garden führt der Weg nach Balik Pulau, jenem Ort im Zentrum der Insel, an dem die berühmteste aller Laksas zubereitet wird. Diese vielgerühmte Nudelsuppe gibt es in ganz Malaysien, meist auf Fischbasis, wobei aber über die genaue Machart und Zutaten überall in Malaysien so gerne diskutiert wird wie bei uns über den einzig wahren Erdäpfelsalat.Die säuerliche Nyonya Asam Laksa wird aus Makrele und viel Laksa Leaf mit Tamarinde zubereitet.

Als Einlage gibt es neben dicken Reisnudeln zerpflückte Fischstückchen, frische Ananas, Gurke, Schalotten, Chili, Minze, Laksa Leaf und die in feine Streifen geschnittenen rosa Blüten einer Ingwerart. Ein Löffel Belacan rundet diese Laksa ab.

Nach dem ersten Schluck mit kräftiger Säure und fruchtiger Süße, angenehmer Schärfe und kräuterfrischer Duftigkeit erscheint es ganz selbstverständlich, dass Gäste vier Autostunden aus Kuala Lumpur oder sogar Singapur extra für eine Schale dieser Suppe anreisen. Dazu trinkt man frisch gepressten Muskatsaft aus den Früchten, die wie unreife Marillen aussehen. Serviert wird Nutmeg Juice mit einer eingelegten Sauerzwetschke: Nektar und Ambrosia in einem.

Curry mit Stadtführung

Wenn der kulinarische Wagemut es zulässt - und das sollte er nach entsprechender Akklimatisierung unbedingt - genießt man erfrischendes Cendol: geschabtes Eis mit süßen roten Bohnen, Mais, mit Pandanblättern aromatisierten Nudeln und einer kalten Kokossuppe mit Palmzucker. Nach dem Besuch alter Clanhäuser wie dem Green oder Blue Mansion bietet sich Nasi Kandar an.

Die muslimisch-indischen Lokale mit den langen Schlangen Wartender davor bieten Fish Head Curry ebenso an wie Beef Rendang, eine Art trockenes, warm-würziges Rindercurry, Tintenfisch oder Gemüsegerichte aus langen Bohnen, Okra und Omeletts. Es kann sein, dass man an einem Nasi-Kandar-Stand eine oder zwei Stunden ansteht.Als Weiße/r wird man dann unweigerlich gefragt, warum man Hawker Food isst und ob es einem schmeckt.

Essen ist Volkssport und wichtigstes Gesprächsthema in Malaysia. Dann folgen Tipps, welche Speisen an diesem Stand besonders gut sind, welche man lieber woanders und welche am nächsten Tag essen sollte. Die gilt es gleich zu notieren, denn Namen haben die meisten Hawker-Food-Stände keine.

Sie werden nach den Straßenkreuzungen, Geschäften, vor denen sie stehen, Uhrzeiten, zu denen sie kochen und Alter bzw. Physiognomie ihrer Inhaber/innen beschrieben. Wer dann noch Zeit und Lust hat, kann sich den beeindruckenden alten Stadthäusern, den Tempeln und Klöstern hingeben, die Penang auch zu einem kulturhistorisch einzigartigen Ort gemacht haben. Aber wie gesagt: Die meisten kommen nur wegen der unglaublichen Vielfalt an gutem Essen. (Katharina Seiser, Rondo, DER STANDARD, 06.04.2012)

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21 Postings

mit solchen Artikeln/Autorinnen tu ich mir schwer:

Das Unesco-Welterbe ist bloß ein Vorwand, nach Penang zu reisen. Alle kommen wegen des Essens. (...) Aber wie gesagt: Die meisten kommen nur wegen der unglaublichen Vielfalt an gutem Essen.
Man wird zu Beginn des Artikels mit einer nicht haltbaren Aussage begrüßt, die am Ende wieder relativiert wird. Da frage ich mich: Was ist die Motivation, so zu schreiben? Gibt es da am Ende Vorbilder, die nicht zu hinterfragen sind?
Oder findet das heute jeder super, toll und gut? Das Flapsige ...
Ist das Journalismus 2.0, alles mögilchst subjektiv und Aussagen werden sowieso keine mehr getätigt, weil alles relativ ist??

der erste und der letzte satz ist schrott. dazwischen eine brave nacherzählung.

stelle fest, dass der thread auf grund des postings der autorin entfernt wurde. finde ich ok, das hatte da nix verloren, das sind interna. alles eine frage, wie man was bringt.

Nussig, würzig, scharf

Es wird auch liebevoll Island Diarrhoe genannt.

Meiner Meinung nach gibt Melaka

was Tempel der verschiedenen Religionen, was alte chin. Häuser (meiner Meinung nach zu sehr gepflegt, kenne Melaka und Penang lange bevor Georgetown und Melaka zum Weltkulturerbe erklärt und herausgeputz wurden) und Galerien betrifft mehr her. Alleine die Uferpromande und kleinen Guesthouses in alten chin. Häusern entlang dieser sind sensational, der Nachtmarkt mit all den Köstlichkeiten sowieso. Georgetown ist mir zu hektisch, zu grossstädtisch, zu viel Verkehr.

Schon mal Dim Sum mit Shrimps und Durian gefüllt (frittiert) probiert? Hab ich bislang nur in Singapur vorgefunden, köstlich.

War als Replik auf das Posting von Maros gedacht

so, JETZT HAB ich hunger!!

sollte solche artikel nicht lesen, wenn die geschäfte geschlossen sind und der kühlschrank nur mit dem nötigsten gefüllt ist :-(

aus dem grund gibt es restaurants... oder lieferservice wenn sie selbst zu faul sind.

Und der nächste Schoitl der vergisst das Ö nicht aus Wien allein besteht und Menschen auch am Land wohnen können wo es keinen Lieferservice gibt. ggg

Kann ich nur bestätigen! Selten wo so gut gegessen wie in Penang - besonders die Penang Laksa (Rote Fischsuppen) und die Dim Sums haben es mir dort angetan.

Kann ich nur bestätigen! Selten wo so gut gegessen wie in Penang - besonders die Penang Laksa (Rote Fischsuppen) und die Dim Sums haben es mir dort angetan.

Da sag noch jemand dass Multikulti was schlechtes ist...

solange multi bei sich zu hause kulti macht.

"dass Multikulti was schlechtes ist..."

Dazu sollte man allerdings wissen, dass es in Malaysia unter der Oberfläche ganz gewaltig brodelt. Der musl.Teil gegen den Rest. Das wird eher nicht gutgehen.

Im Falle von Malaysia wäre es aber recht unseriös, das einer Religion anzuhängen. Das hat nur sehr indirekt dadurch was damit zu tun, dass ethnische Malayen de facto immer (schon vom Gesetz her) Muslime sind.

(Interessierte mögen sich bitte weiter über den wirtschaftlichen Status der Chinesen in Malaysia -- relativ zu den Malayen -- informieren, bevor sich da noch irgendwelche falschen Vorurteile bilden.)

habe jahre in malaysien gelebt und kann bestätigen, dass die malays ihren rassismus bereits offen ausleben, unter mahatir noch dezenter. wie wollen sie sich erklären, dass chinesen bis vor kurzer zeit NICHT an einer staatlichen uni studieren durften (so wie meine chin. frau) und heute die chinesen 100 punkte brauchen, um aufgenommen zu werden (für eine sehr limitierte zahl an studienplätzen), während bei malays 50 punkte genügen? wenn man konvertiert, dann darf man zu malay-bedingungen an die uni.
und da die chinesen keine staatl.karrieren machen durften, haben sie sich dem handel zugewandt und kontrollieren die wirtschaft. ausserdem steuern sie einen grossteil des BIPs bei, da fleissig-im gegensatz zu malays.
informieren sie sich bitte.

"(schon vom Gesetz her)"

Vom Gesetz her...
...das für die moslem. Malaien die Scharia ist, die generelles Gesetz auch für Nichtmoslems (Chinesen, Inder) werden soll. Hat ja bekanntlich zu heftigen Protesten und einiger Irritation unter den nichtmosl. Ethnien geführt.

War im Februar in West Malaysia. Die Moslems unserer Gruppe weigerten sich in ein chin. Restaurant zu gehen, die anderen Malaysier bedachten sie mit eisiger Verachtung...hat mir nicht sonderlich gefallen, was ich da sah.

Aber hier reden wir ja von food- und der passt.

Das ist ja nur die letzte Ausprägung der Spannungen. Die Ursache von dem ganzen Schlamassel ist nicht unbedingt die Religion sondern dass die Chinesen besser gebildet und reicher als die Malaien waren und sind, was wiederum zur offiziellen Bevorzugung von Malaien geführt hat (die von docw erwähnten Quoten an Unis z.B.). Ist halt eine ziemliche Diskrepanz zwischen politischer und wirtschaftlicher Macht.

Schön ist das alles nicht, da haben Sie allerdings recht. Aber wenn man "Malaien" statt "Moslems" schreibt, kommt das Ganze seriöser herüber. Denn darum geht's.

also das essen ich echt gut

ich geh dort immer in indische restaurants, da gibts verschiedene kuechen von verschiedenen gegenden aus inden und dies nicht nur in "little India" das gleich bequem neben chinatown in georgetown liegt. das was mich dort am meisten interessiert ist die verschmelzung der verschieden ethnischen gruppen. uebrigens georgetown hat auch ein "starkes" nachtleben, mehr hier: http://www.penangcentral.com/Penang-Ge... etown.html

Du wirst mit Nachtleben hoffentlich nicht

die indischen Transvestiten meinen welche sich in der Lebuh Chulia die Füsse platt stehen. Dass die ethnischen Gruppen verschmelzen bezweifle ich, dass sie grossteils friedlich nebeneinander leben stimmt wohl eher. Allerdings ist es wohl nur eine Frage der Zeit wie lange sich die Inder und Chinesen die Benachteiligung gegenüber den Malayen von Seiten der Regierung gefallen lassen werden.

die chinesen lassen sich das auf ihre art und weise gefallen, indem ihre kinder im ausland studieren und im ausland bleiben (weil sie wie meine frau als chinesin NICHT an einer einheimischen uni studieren durften). was sich als vorteil herausstellte-uni in nordamerika und jetzt top-job in AT. ebenfalls ihre schwester, die andere in den usa, die anderen in australien und singapore. aber sogar 80% der gebildeten males verlassen das land, da es in korruption kaum mehr zu übertreffen ist. auch von der nächsten wahl erwarte ich mir nichts, denn nach der BN kommt wahrscheinlich anwar ibrahim, DER wolf im schafsfell und bester freund des saudi-königs abdullah. traurige perspektiven für diese tolle land.

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