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Bauchfrei, wenn es nach Prada bei der Fashion Week von Mailand geht.
Mit der Bauchfrei-Mode ist das so eine Sache - ohne das passende Darunter überzeugt sie nämlich nur bedingt. Fest und röllchenfrei soll die Bauchdecke bitte schön sein - so zumindest will es die westliche Mainstreamkultur. Deren Leitbilder, die Bäuche weiblicher Popstars, die die Hitparaden der letzten 30 Jahre bestimmten, waren in der Regel zuverlässig jung, gebräunt und durchtrainiert. Zwischen immer tiefer rutschenden Hosenbünden und knapp unter der Brust endenden Shirts huldigten Madonna, Britney Spears und Shakira, die Protagonistinnen der popkulturellen Nabelschau der 1980er-, 1990er- und der Nuller-Jahre der Körperregion, die Vitruv noch als "des Körpers natürlicher Mittelpunkt" ausmachte.
Und dann erst Christina Aguilera! Der US-Popstar setzte 1999 orientalische Tanzelemente im Videoclip zu seinem Hit Genie In A Bottle kommerziell ein und bezog sich dabei auf die Fernsehserie Bezaubernde Jeannie aus den 1960ern: Barbara Eden wiederum, damals Darstellerin des orientalischen Flaschengeistes, musste ihren Bauchnabel auf dem Bildschirm noch verstecken. Und das, obwohl das Körperbewusstsein kontinuierlich stieg und die Frauenzeitschriften mit Diättipps und Gymnastikübungen befüllt wurden.
Bauchnabelpiercings und Tätowierungen
30 Jahre später sind Extremsportarten angesagt, die Mode fokussiert sich auf die trainierte Bauchregion: Enfant terrible Alexander McQueen macht 1996 die extrem tief sitzenden Hipsters, die er Bumsters nennt, sogar laufstegtauglich: Bei diesen Hosen liegt allerdings nicht nur der Bauch, sondern auch das Hinterteil frei.
Einige Jahre später setzt Mariah Carey in einem Musikclip modische Statements. Sie schneidet für ein Video ihren Jeansbund ab und trägt dazu natürlich bauchfrei. Gleichzeitig verordnet der Zeitgeist Bauchnabelpiercings und Tätowierungen am Steißbein - was einst Teil der Undergroundkulturen, wird nun erst einmal zum Massenphänomen, um dann einige Zeit später zum modischen Fauxpas erklärt zu werden.
Die Schönheitschirurgie reagiert in den USA begeistert auf die allüberall fallenden Hosen- und Rockbünde und sorgt von nun an nicht nur für flache Bäuche, sondern bietet auch Nabelkorrekturen an: Schmale, senkrecht verlaufende Nabel gelten als schön und sexy.
Auf die Zurschaustellung des weiblichen Nabels in der westlichen Popkultur und der Jugendmode folgten unwiederbringlich die Debatten um "übertrieben freizügige Kleidung" an den Schulen. Die Mädchen von heute, so immer wieder der Vorwurf, zögen sich zu sexy an: Mal ging es um zu tief sitzende Hüfthosen, ein andermal um bauchfreie Shirts und Miniröcke, die im Klassenzimmer für Irritation sorgten.
Anti-Bikini-Verein
Dabei ist die Debatte um den sichtbaren Nabel keineswegs neu: Mitte der 1940er-Jahre machte er beispielsweise in der Badebekleidung von sich reden. In einem Pariser Nobelbad musste ein Zweiteiler aus vier Stoffdreiecken mangels kooperationsbereiter Mannequins von einer Stripteasetänzerin vorgeführt werden.
Werbewirksam benannte sein Erfinder, Louis Réard, das Stück Stoff nach dem Bikini-Atoll, auf dem US-Präsident Truman einige Tage zuvor Atomtests durchführen lassen hatte. Widerstand und Empörung der Anständigen wie der Konservativen waren - nach Verdrängung der Errungenschaften der Freikörperkultur um 1900 - groß. In Rio de Janeiro, ausgerechnet, wurde sogar ein Anti-Bikini-Verein gegründet.
Wie bei der bezaubernden Jeannie
Während Frauen in den 1950er-Jahren dem Einteiler noch die Treue hielten, sorgte 1962 Ursula Andress' Auftritt im Bond-Streifen Dr. No für Furore: Sie nahm im knappen Bikini den Zeitgeist der 1960er-Jahre vorweg. Und heute? Werden nach wie vor Diskussionen um die Sichtbarkeit weiblicher Bäuche in der Öffentlichkeit geführt: In Saudi-Arabien werden Musikalben von Popstars wie Katy Perry oder Mariah Carey retuschiert und Bauch, Beine und Dekolletee der Musikerinnen mittels Photoshop bekleidet. Dabei gilt die Freilegung des Nabels längst nicht überall als Tabu: In der indischen Kultur wird das Choli, ein bauchfreies Oberteil, als Bestandteil des Saris getragen.
Und darüber hinaus, auf den internationalen Laufstegen? Da blitzte der entblößte Bauch in einigen Modekollektionen wieder hervor. Bei der modisch einflussreichen Miuccia Prada sehen wir hoch sitzende Faltenröcke und knappe Tops: der Bauch sichtbar, allerdings nur als schmaler Streifen. Der Nabel hingegen wie bei der bezaubernden Jeannie unsichtbar. Wir dürfen uns also wieder auf was gefasst machen. (Anne Feldkamp, Rondo, DER STANDARD, 06.04.2012)
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Diese Theorie lässt sich kaum verifizieren.
Ganz im Gegenteil! Es lässt sich empirisch nachweisen,dass sich das ästhetische Empfinden innerhalb der menschlichen Gesellschaften an der Norm orientiert.
Sowohl zu dick als auch zu dürr, also ausserhalb einer "Norm" die auf einen gesunden Körperzustand hinweist, werden von der Mehrheit der Menschen als weniger attraktiv empfunden.
Das kann jeder, auch Aliens, nach Studium der Menschen empirisch bestätigen.
Zuviel an Speckrollen sind also nicht attraktiv, genausowenig wie sekelettöse Rippenbeschau ganz ohne gesunde Fettreserven.
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