Waschstraße

Karin Pollack
9. April 2012, 18:34
  • Baden bringt's, allerdings warnt die Expertin vor zu heißen und zu langen Badewonnen.
    foto: apa

    Baden bringt's, allerdings warnt die Expertin vor zu heißen und zu langen Badewonnen.

Samtig, glatt, makellos. Mit einem Vollbad allein ist das nicht zu erreichen. Es gibt Reinigungsrituale, die ohne Hilfe nicht machbar sind.

Es ist ein bisschen wie mit den Fenstern im Frühling. Monatelang ist es nicht aufgefallen, dass sie lange nicht geputzt wurden, mit den ersten Sonnenstrahlen kommt dann alles ans Tageslicht. Mit den eigenen Außenflächen ist es ähnlich. Lange nicht eingecremt, raue Stellen, über den Winter hat sich da und dort ein bisschen Speck in Dellen angesammelt, die Füße sind rau: Ein Frühjahrsputz an sich selbst könnte also auch nicht schaden. Allein: Es gibt Dinge, die mit fremder Hilfe wesentlich effizienter sind. Nirgendwo in Wien bekommt man zum Beispiel eine bessere Abreibung als in "Mon Corps" im vierten Bezirk, wo die Marokkanerin Portner Bouschra Badezeremonien inszeniert. Zuerst duschen, dann wird man von oben bis unten mit Arganöl eingeschmiert.

Arabische Rituale

Nun geht es ab ins Hamam. 15 Minuten später landet man in einem mit Kerzen erleuchteten Raum auf einem steineren Tisch (kein Altar!), auf dem jede alte Hautschuppe am Körper dem traditionell harten Waschlappen Kis zum Opfer fällt. Bouchra arbeitet mit mindestens einer Assistentin und vergisst keine einzige Stelle, schrubbt, rubbelt, massiert. Auch Haarewaschen ist Teil des Programms, und nach einer Stunde fühlt man sich wie neu geboren. "Man spürt bei uns die Zeit nicht", sagt die Marokkanerin, deren Stammgäste ohne eine monatliche Abreibung gar nicht mehr sein wollen. Dass arabische Rituale gerade ein Trend zu werden scheinen, beweisen die Pflegezeremonien, die das Sofitel Vienna Stephansdom nun auch der Wiener Bevölkerung angedeihen lassen will. Wer Glück hat, sieht nachmittags im Spa nur einige wenige Hotelgäste.

Vollbäder: der glatte Wahnsinn

Vor der Körperbehandlung wird auch hier eine Session im Hamam vorgeschlagen, das Dampfbad ist dort eine Art Duschkabine - in Schwarz. Die Pflegeprodukte der Serie "Cinq Mondes" sind dufttechnisch sehr orientalisch, ein Kontrast zur ansonsten dekonstruktivistischen Architektur des Gebäudes, das für Gäste von außen bisher, was Umkleidekabinen betrifft, noch ausbaufähig wäre. "Die Massage ist gut hier", bestätigen zwei Wienerinnen, die regelmäßig zur Massage kommen. Körperpflege in der Badewanne ist natürlich auch eine Variante, um sich auf die wärmeren Jahreszeiten vorzubereiten. Die Beauty-Spezialistin Paula Begoun, die im Internet ihren Blog Paula's Choice betreibt, warnt allerdings vor Vollbädern. "Duftstoffe reizen die Haut und sensible Körperbereiche", warnt sie, mehr als zehn Minuten im Wasser seien das absolute Maximum, und zu heiß sei glatter Wahnsinn, weil es die Haut langfristig austrocknet.

Wie ein Schmetterling

Gegen Peelings und gelegentliche Fruchtsäure-Anwendungen hat sie allerdings nichts einzuwenden, tägliches Einschmieren empfiehlt sie dringend, und die Produkteauswahl diesbezüglich ist riesig (siehe unten).Sonja Fritz, die in der Wiener Naglergasse seit vielen Jahren den Kosmetiksalon Bella Vital betreibt, findet, dass gerade im Frühling auch Entschlackung ganz wichtig ist. Nach einer Einölung mit ätherischen Ölen aus ihrer Pflegeserie Sofri steht hier eine Wärmekur am Programm. Eingepackt in Plastikfolie unter zwei Heizdecken, kann man sich wie ein Schmetterling kurz vor dem Schlüpfen aus dem Kokon oder wie ein Hotdog fühlen.

Detoxen

"Viele Frauen vergessen, sich an den Unterarmen einzucremen", berichtet sie in der anschließenden Eincreme-Session, für jede Körperregion gibt es eine eigene Creme. Vollends entschlackt dann die Lymphdrainage, eine Apparatur, die den Eindruck vermittelt, man würde wie ein Michelin-Männchen aufgepumpt - indes werden Giftstoffe ausgeleitet. Das gibt einem ein gutes Gefühl. Ähnlich dem, durch klare Scheiben auf Frühlingsgrün nach draußen zu blicken. (Karin Pollack, Rondo, DER STANDARD, 07.04.2012)

Zu den Waschstraße-Tools geht's hier lang

Beliebte Beauty Oasen in Wien:
Mon Corps in 1040 Wien, Belvederegasse 33
Sofitel Spa in 1020, Praterstraße 1
Bella Vital in 1010, Naglergasse 2

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9 Postings

Und immer wieder das Märchen von der Entschlackung....

ja das macht mir auch immer lachen...

lol

Is eh egal, nächstes Jahr wird das Gegenteil behauptet und vermarket.

Japaner und -innen liegen stundenlang in der echt heißen -- für europäische Verhältnisse -- Badewanne und schauen trotzdem (oder deshalb?) nur halb so alt wie Europäer aus.

ok vergaß einen wichtigen punkt...

die sonnenbäder...die machen auch viel aus...das macht auch die feinste haut mal zu leder...

tja das eine hat mit dem anderen nichts zu tun...

da ist auch das futter entscheidend...ja ja...

Ramen in Fettsuppe, Tonkatsu, Tsukemen, Aji Fry und natürlich das beliebte Shabu-Shabu-all-you-can-eat?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich esse in Japan sehr gerne und finde das Essen toll, doch die Realität heutzutage ist, mal eben schnell in der Mittagspause eines der oben genannten, ähem, reichhaltigen Gerichte einzuwerfen (fast jeder Berufstätige geht zu Mittag essen). Das karge und gesunde japanische Essen ist praktisch gesehen ein schöner Mythos aus der Vergangenheit.

na sowas auch...

haette mir da fast etwas mehr aufschrei der feministen wegen des fotos erwartet...weil die frau so gluecklich in den milchkrug reinlaechelt...

Wenn ich an den Gestank denke, den man als RadfahrerIN oft erdulden muss oder, wenn einer in der Straßenbahn den Arm zu Festhalten hebt, wäre ich schon soooo froh, wenn der Großteil der (überwiegend männlichen) Österreicher wenigstens ab und zu ein richtiges Bad nähme! :-) Oder jeden Tag das Hemd/T-shirt wechselte.

Schön, wenn man sich das leisten kann, es gibt leute die haben diese Beträge als Urlaubsbudget ;)

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