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Bis zu 250 Tonnen Fisch fängt ein einziger europäischer Supertrawler in Westafrika - pro Tag. Das ist die Menge, die 56 mauretanische Fischerboote gemeinsam aus dem Meer holen - pro Jahr.

Unnötiger Beifang wie Delfinewird halbtot wieder über Bord geworfen.
Dakar/Wien - Es war einer dieser Momente auf hoher See, die sich Melanie Aldrian für immer eingebrannt haben. "Um Mitternacht hat mich ein Crew-Mitglied geweckt. Ich blickte über Bord und sah einen Riesenschwarm Delfine, die uns begleiteten. Wir konnten sie auch hören, weil die Motoren alle abgedreht waren." Die Geschichte geht aber weiter: "Am nächsten Morgen machten wir Fotos von einem Supertrawler, der gerade seinen Fang einzog. Wir sahen einige Delfine, die sich im Netz verheddert hatten. Sie wurden halbtot wieder über Bord geworfen."
Mit ihrem Team dokumentierte die 30-jährige Grazerin diese Szene. Einen Monat lang war die Greenpeace-Mitarbeiterin mit 21 Gleichgesinnten aus 17 verschiedenen Nationen auf der Arctic Sunrise vor Senegal und Mauretanien unterwegs, um auf die Überfischung der Meere aufmerksam zu machen. Aldrian koordinierte die Aktionen der Umweltorganisation. Nach Hause hat Aldrian auch einen Satz ihres senegalesischen Kollegen Raoul Monsembula mitgenommen. "Er hat gesagt: 'Westafrika ist der neue europäische Fischsupermarkt. Sie kommen und bedienen sich.'"
Bestände leergefischt
In der Tat fängt die EU-Flotte fast ein Viertel ihrer gesamten Fischfangmenge bereits in fremden Gewässern. Immer mehr europäische Bestände sind leergefischt. Also weichen die Supertrawler in die noch fischreichen Gewässer in Westafrika aus, um die Nachfrage befriedigen zu können. Wie Heuschrecken sind einige davon schon weiter in den Südostpazifik vor Chile gezogen.
Die EU unterstützt dieses Ansinnen privater Fischereiflotten. Zwischen 2006 und 2012 wurden Konzerne mit 142,7 Millionen Euro unterstützt, um sich Fischereirechte in Westafrika sichern zu können. Einige Unternehmen werden auch mit direkten Subventionen ausgestattet, beliefern mit ihrem Fang aber nicht nur die EU, sondern auch den Rest der Welt mit frischem Fisch.
"Schwimmende Fischfabriken" nennt Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms die 140 Meter langen Supertrawler vor Westafrika. "Der Fang eines Trawlers, bis zu 250 Tonnen Fisch pro Tag, wird direkt an Bord tiefgekühlt und für den Weitertransport verpackt", erzählt sie. Unerwünschter Beifang wie Delfine, Haie oder Schildkröten wird mehr tot als lebendig über Bord geworfen.
Effizientes Fischen
Selbst frischer Fisch kann tot wieder im Wasser landen. Dann nämlich, wenn die Gefriertruhen zwar schon voll, der nächste Fang aber größere und schönere Fische aufweist als der vorhergehende Versuch. Die Tiefkühltruhen werden in diesem Fall geleert - effizientes Fischen heißt das.
Allein an einem Vormittag hat Aldrian vor Mauretanien sieben riesige Trawler gesichtet. Kaum ein Hering, eine Sardelle oder eine Makrele - darauf sind sie spezialisiert - entging ihren Netzen. "Ein einziger Trawler fängt so viel Fisch pro Tag wie 56 mauretanische Fischer in ihren kleinen Pirogen gemeinsam pro Jahr", sagt Aldrian. "Die Situation für die Fischer vor Ort wird immer prekärer, sie müssen ja ihre Familien ernähren. Bei uns fragt man sich, wieso die Afrikaner als Flüchtlinge nach Europa strömen. Dabei sind wir auch mit unserer Fischereipolitik die Verursacher.
Probleme mit Nachhaltigkeit
"Bis Ende des Jahres soll eine Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) stehen. Deutschland etwa setzt sich vehement für ein Verbot von Rückwürfen ein. "Ohne Verkleinerung der Fangflotten ist aber kein nachhaltiges Fischen möglich" , sagt Helms. Ein Österreicher verputzt im Schnitt 14 kg Fisch (Frischfanggewicht) pro Jahr. Wer auf nachhaltigen Fisch setzt, hat es schwer. Helms: "Es steht ja nirgends oben, dass dieser Fisch von Trawlern vor Westafrika gefangen wurde."
Welche Initiativen sinnvoll sind und welcher Fisch bedenkenlos verzehrt werden kann, zeigt der heute, Donnerstag, veröffentlichte neue Fisch-Ratgeber von Greenpeace. Bei Schellfisch, Tunfisch, Lachs oder Shrimps sollte man genau auf den Fangort sehen. Ein No-go sind: Schwertfisch, Alaska-Seelachs oder Seehecht. "In Österreich", sagt Aldrian, "kann keiner sagen, dass ihn das Problem mit dem Fischfang nichts angeht." (David Krutzler, DER STANDARD, 5.4.2012)
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Vergessen wird in dem Bericht die gleich doppelt - von der EU und von Marokko völkerrechtswidrig besetzte und geplünderte Westsahara Bis auch die dortigen Fischer - fischlos - zu Piraten und Entführer herabgewürdigt gezwungen sind...
Aber die in der Westsahara tätige polizeiliche NURSO darf die Menschenrechte nicht kontrolieren....
diese Werteverdrehung ist das Widerlichste überhaupt. Wir fischen subventioniert den Westafrikanern ihre Nahrungsmittel weg und toppen das Ganze mit Ressourcenvernichtung. Wir sind die Lemminge die sich längst im freien Flug befinden ...
Falsch verstanden, würde ich sagen.
Angenommen, Sie sind in Österreich: ich esse, wenn ich dort bin, genau nie Fisch, er ist dort überhaupt sehr wenig präsent, aufgedrängt wird er mir auch nicht.
Essen Sie einfach im Senegal senegalesischen Fisch und in Österreich irgendwas anderes, das (anders als Fisch) im Überfluss vorhanden ist. Ganz einfach.
der hier gelebt hat und auch hier gefangen wurde.
Forelle, Seibling oder Zander sind wohl weit teurer als z.B. Pangasius, Makrele oder Hering, aber man muß hier keinesfalls auf Fisch verzichten.
Ist nicht nur gesund, schmeckt auch gut.
p.s.: Alpenlachs, ein Genuss sonder Gleichen.
http://www.greenpeace.org/austria/d... in-Europa/
zum Beispiel.
Ich glaube in Brüssel ist ein gewisser Herr Hahn nicht unentscheidend beteiligt!
ist eine gute sache.
auch wenn man in wirklichkeit kaum mehr was guten gewissens essen kann. aber das ist ausdruck des zustandes unserer meere.
leider halten sich die wenigsten konsumenten an solche ratgeber. und nicht nur das:
was in gasthäusern und kantinen als billiges fischmenü auf den tisch kommt da kann man davon ausgehen, dass es aus den ökologisch schädlichsten fangmethoden stammt.
auch wenns nach einem zu schnellen ruf nach dem gesetzgeber klingt: nachdem der einzelne im gasthaus nicht nachvollziehen kann woher der fisch kommt und vielen das auch wurscht ist sollte in österreich der verkauf von fisch aus den ökologisch schlechtesten methoden/am meisten überfischten gebieten ganz verboten werden.
zeigt richtig schoen auf, weswegen nicht nur die EU, sondern wir als menschliche gesellschaft im allgemeinen, scheitern. immer wieder.
gier & ruecksichtslosigkeit.
seh passend dazu auch diese humorvolle analyse
(humor ist, wenn man trotzdem lacht):
"What is the Monkeysphere?"
http://www.cracked.com/article_1... phere.html
Ist das tatsächlich so?
Kann das jemand bestätigen?
Falls ja, ist das ja dann wohl die größte Sauerei (neben den ganzen anderen Sauereien, die da getrieben werden)...
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