Gefährliche Übertragung

  • Fragile Journalistin: Juliette Binoche (mit Louis-Do de Lencquesaing) in "Das bessere Leben".
    foto: thimfilm

    Fragile Journalistin: Juliette Binoche (mit Louis-Do de Lencquesaing) in "Das bessere Leben".

Juliette Binoche in Malgoska Szumowskas Film "Das bessere Leben" - und die weiteren Filmstarts der Woche im Überblick

Eine Frau, die andere Frauen studiert und dabei mit ihren Vorurteilen und heimlichen Wünschen konfrontiert wird: Eine solche Geschichte der Übertragung versucht Malgoska Szumowskas Film "Das bessere Leben" / "Elles" zu erzählen. Juliette Binoche spielt eine Aufdeckungsjournalistin, die über junge Prostituierte eine Reportage schreibt.

Heikles Terrain, für das der Film leider kaum Gespür aufbringt. Um die moralische Rechtschaffenheit der Heldin zu verhandeln, muss man etwa nicht käuflichen Sex romantisieren: Die Studentin bringt ihre Dienstleistung jedoch mit einem lieben Lächeln an - als ging's darum, Eis zu verkaufen -; eine zweite wird dekorativ beim "dirty sex" gezeigt. Ungelenk, plakativ inszeniert Szumowska, was diese Szenen bei der Journalistin auslösen. Zu zeigen, wie das bürgerliche Selbstverständnis ins Kippen gerät, dies gelingt ihr auf diese Weise nicht. 

Märchen und Mutanten
Die weiteren Filmstarts der Woche

Alter und nicht ganz so alter Klassiker, neu aufgeputzt: "Spieglein, Spieglein" heißt die jüngste Adaption von Schneewittchen, mit Julia Roberts als intriganter Königin. In einer nachträglich angefertigten 3-D-Optik geht James Camerons "Titanic" nochmals auf fatalen Kurs.

Timo Vuorensolas mit cleverer Marketing-Strategie beworbene Science-Fiction-Satire "Iron Sky" lässt finstere Nazis mit neuen Welteroberungsplänen auftreten. Und Luc Besson bewegt sich mit der Verfilmung der Lebensgeschichte der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, "The Lady", auf ungewohntem Terrain, während Audrey Tautou in Pierre Salvadoris Komödie "Bezaubernde Lügen" wieder einmal nicht so recht vom "Amélie"-Rollenfach loskommt. (kam, DER STANDARD, 5.4.2012)

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4 Postings
Ob die Rezensentin ihre eigenen Vorurteile je refleketiert hat?

Ein großes Plus dieses Films ist eben der sehr sensible und unverkrampfte Zugang zum Thema Prostitution.

Ob das der Dame zu entspannt war?

in österreich ist tiefste depression a la haneke gefragt, um gelobt zu werden ...

...

ah ein beispiel aus der kommunikativen sexkettenforschung, ein ansatz aus der produktionskettenforschung...

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