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Berlin - Dass menschliche Verhaltensweisen Einfluss auf die wildlebende Tierwelt haben, ist nichts Neues. Eine Querverbindung, an die man in diesem Zusammenhang allerdings nicht so schnell denken würde, haben nun Forscher um Gidey Yirga von der äthiopischen Universität in Mek'ele entdeckt: Wenn in Äthiopien die Fastenzeit herrscht, dann gehen Hyänen vermehrt auf die Jagd.
Die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta), die größte der vier noch lebenden Hyänenarten, ist ein reiner Fleischfresser, in der Nahrungsfindung aber sehr anpassungsfähig. Den überwiegenden Teil beschafft sie sich durch aktive Jagd, das Beutespektrum reicht dabei von Kleintieren bis zu großen Huftieren, die im Rudel gejagt und erlegt werden. Sie macht aber auch anderen Jägern wie Löwen die Beute streitig oder frisst Aas. In von Menschen dicht besiedelten Gebieten sucht sie im Müll von Fleischhauern und Haushalten nach Fressbarem. "Hyänen können fast alle organischen Substanzen fressen, sogar verdorbenes Aas und mit Milzbrand infizierte Tierkörper. Sie können alle Teile ihrer Beute fressen und verdauen - sogar Fell und Hufe", schreibt Yirga.
Saisonaler Wechsel
Die Abfall-Ressource wechselt mit der Jahreszeit jedoch erheblich. Etwa zwei Drittel der äthiopischen Bevölkerung sind Christen, was sich entsprechend auf die Abfälle während der Fastenzeit auswirkt, wenn auf Fleisch- und Milchprodukte weitgehend verzichtet wird. Insbesondere die Mitglieder der orthodoxen Tewahedo-Kirche nehmen die 55-tägige Fastenzeit vor Ostern ernst - mit Auswirkungen auf ihren Müll. Für die Hyänen bedeutet das einen Mangel an leicht erreichbarer Nahrung, sie müssen daher wieder häufiger auf die Jagd gehen.
Um herauszufinden, was die Raubtiere vor, während und nach der Fastenzeit gefressen hatten, untersuchten die Forscher Haare im Kot der Hyänen. Vor dieser Phase entdeckte das Team in 14,8 Prozent des Kots Eselshaare. Während der Fastenzeit in 33,1 und danach in 22,2 Prozent. Die Jagd auf Esel war offenbar die beste Alternative zu den tierischen Abfällen, folgert Yirga aus seiner in "Journal of Animal Ecology" veröffentlichten Studie. (APA/red, derstandard.at, 7.4.2012)
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