Mobilmachung auf Mondbasis Adolf

Christian Schachinger
4. April 2012, 17:54
  • Diesmal soll es mit dem Welteroberungsplan besser klappen: Tilo Prückner als Doktor Richter in Timo Vuorensolas Trash-Nazi-Groteske "Iron Sky".
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    Diesmal soll es mit dem Welteroberungsplan besser klappen: Tilo Prückner als Doktor Richter in Timo Vuorensolas Trash-Nazi-Groteske "Iron Sky".

In der Nazisatire "Iron Sky" haben ein paar von Hitlers Getreuen auf der dunklen Seite des Mondes überlebt und starten den Neuangriff

Wien - In der Schule steht der nur als fünfminütiges Fragment erhaltene Film "Der große Diktator" von Charles Chaplin auf dem Unterrichtsplan. Er zeigt diesen als Adolf Hitler dabei, wie er anmutig tänzelnd mit dem Globus jongliert und damit die wichtigste Botschaft des Nationalsozialismus unterstreicht: "Wir kommen in Frieden!"

Wir schreiben das Jahr 2018. Die besagte deutsche Schule befindet sich auf der Rückseite des Mondes in einem hakenkreuzförmigen Gebäude, in dem mittels Dampfcomputertechnik und des Wundertreibstoffs Helium 3 die lang ersehnte Rückkehr der Herrenrasse auf die Erde vorbereitet wird.

Die Nazis sind gar nicht ausgestorben. Sie haben die Besten ihrer Art dank eines streng geheimen Raumfahrtprogramms 1945 rechtzeitig auf den Mond gerettet. Hier wird ein Invasionskreuzer namens "Götterdämmerung" gebaut, hier werden Zeppeline mit Meteoriten beladen, um mittels eines zweiten Anlaufs den Endsieg zu schaffen.

Mehr oder weniger gelungene Nazisatiren haben in der Popkultur eine lange Tradition. Ernst Lubitschs "Sein oder Nichtsein" oder "Der große Diktator" machten den Anfang. Es folgten deklarierte Trashproduktionen wie "They Saved Hitler's Brain" oder "Ilsa - She Wolf Of The SS". Man kennt unter Wasser in U-Booten lebende SS-Zombies, die auf Südseeinseln auf Kannibalen treffen.

In "Der Untergang" hatte Bruno Ganz nicht ganz freiwillig die Lacher auf seiner Seite. Bei Helge Schneider als "Mein Führer" lachte dann niemand. Nach dem Welterfolg mit "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino setzt nun also der finnische Regisseur Timo Vuorensola auf den komischen Grat zwischen Tabubruch und Geschmacklosigkeit.

Film mit Mitspracherecht

Wir merken schon, der so entstandene Film "Iron Sky" wird seine Erfolge eher im Publikumssegment der Junggesellenfilme als in jenem von Filmpreisjurys feiern. Immerhin verdankt der Film seine Entstehung auch dem Finanzierungsmodell des Crowd Investment.

Fans der Vorgängerarbeit Vuorensolas, dem online millionenfach abgerufenen Trashmanifest "Star Wreck", konnten sich an der Produktion von "Iron Sky" beteiligen. 750.000 Euro kamen so zusammen. Das restliche 7,5-Millionen-Euro-Budget kam aus diversen europäischen Fördertöpfen. Leider beinhaltete dieses Modell auch ein Mitspracherecht beim Drehbuch.

So wird der ohnehin mit Naziklischees gut zugemüllte Film überlastet. Zwischen dem Deutsche-Wochenschau- und Heavy-Metal-Soundtrack der slowenischen Komikeraltspatzen Laibach ("Kameraden, wir kehren heim!") knallen dauernd Sprüche aus der Bud-Spencer- und Arnold-Schwarzenegger-Schule. Das rührt unter anderem daher, dass ausgerechnet ein obercooler US-Austronaut mit Sprechdurchfall die Mondbasis Adolf entdeckt.

US-Präsidentin Sarah Palins Umfragewerte sind im Keller und ihre Wiederwahl ist in Gefahr. Mondmissionen waren vor 40 Jahren ein sicherer Quotenbringer. Deshalb schickt sie in Hinsicht auf die ihr nicht einmal so sehr gewogene afroamerikanische Wählerschaft das schwarze Fotomodel James Washington (Christopher Kirby) mit zum Mond, um dessen dunkle Seite zu erkunden: "Black to the moon!"

Dieser reine Tor wird von den Nazis unter der Führung Wolfgang Kortzfleischs (Udo Kier) und seines intriganten Lieblingsschülers Klaus Adler (Götz Otto) gefangen genommen. Ein Mad Scientist "albinisiert" ihn. Er soll einen auf die Erde entsandten Stoßtrupp beraten, der dort die für den Start der Götterdämmerung dringend benötigte Mobiltelefone beschaffen.

Es folgt das reine Chaos. Klaus Adler rückt zum Berater Sarah Palins auf. Als Kortzfleisch die Nase voll hat und den Angriff auf die Erde befiehlt, ist die US-Präsidentin begeistert. Eine Präsidentin, die Krieg führt, muss nicht wahlkämpfen. Blöderweise geht in Folge die Welt unter. Von der Menschheit bleibt einzig ein versprengtes Häuflein Nazis oben auf dem Mond übrig.

Ein Film mit guten Momenten und einigen kontroversiellen Zynismen zum Thema Menschlichkeit und Fortschritt. Der Weltuntergang war aber auch schon einmal fetziger. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 5.4.2012)

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Ein Glück, dass ich den Film gesehen hab,

ohne vorher diese vernichtende Kritik zu lesen. So war es ein ausgesprochen unterhaltsamen Abend, ohne das Ende bereits zu kennen. Normale SF-Filme haben mich noch nie interessiert, aber dieser hier ist einfach Kult und wird sein Publikum finden, wie man schon an den vielen Postings sieht.
Übrigens: die US-Präsidentin sieht Sarah Palin zwar ähnlich, aber dass sie auch so heisst, wird im Film doch gar nicht erwähnt - oder?

Dafür das der Film mit so wenig Budget auskam und in beschaulichen Verhältnissen gedreht wurde ist er wirklich amüsant.
Die ganzen neuen Hollywood Filme sind ständige Neuerfindungen von irgendwelchen alten Storys und das ist ja wirklich Mumpitz!

Das Ende hätte ich mir besser gewünscht, also nicht die Welt zerstört sich selbst und die neuen Nationalsozialisten überleben auf dem Mond weiter.

Mehr Aufklärung hätte ich mir gewünscht in wie genau sind sie 1945 auf den Mond gekommen, wo kultivieren sie ihre Nahrungsmittel

Dann schaun Sie sich halt "Vom Winde Verweht" an, Herr Schachinger.
Und suchen Sie sich danach einen Job, von dem Sie etwas verstehen, auch wenn bezweifelt werden muss, dass es so etwas überhaupt gibt.

jaja, der intelektuelle standard mag keinen intentional-trash. schauts euch den film an, hab lange keinen so lustigen film mehr gesehen.

vergesst den artikel

erstens ist er eine plumpe nacherzählung, zweitens verrät er das ende.
stattdessen unbedingt ansehen. bin teilweise gelegen vor lachen.

schöne Nacherzählung des Films aber mit einer Kritik hat das ganze nicht viel zu tun.

habe zum glück nicht ganz aufmerksam gelesen und den Film heute gesehen, ist wirklich ein guter Streifen.

vor allem weil er nicht aus den USA kommt.

Artikel enthält Sp0iler!

Wer gscheit genug war, zuerst zu den Kommentaren runterzuscrollen: Nicht lesen. Im Artikel wird die komplette Filmhandlung inkl Ende verraten.

Spoiler Alert too late...

Toll, ich hab eigentlich bei einer Filmkritik nicht damit gerechnet...das Ende des Films zu erfahren...was soll denn das bitte, ein plumper Versuch die Zuschauerquote zu drücken?! ; ) Ärgerlich auf jeden Fall...da wäre wohl noch jemand vielleicht am Mond besser aufgehoben...

teil2: Iron Sky hingegen weist zwar einen reichhaltigen inhalt auf, aber es fehlt an spannung weil die handwerkliche umsetzung unprofessionell ist.

man hat immer das gefühl von schauspielern etwas vorgeführt zu bekommen, die sich selbst dabei nicht ernst nehmen.
auch die weltraumschlachten und die tolle NS-retrofuturistische ästetik hätte mehr gezeigt werden sollen.ausser bei der freiheitsstatue sieht man keine einzige zerstörung.
die wunderwaffe "götterdämmerung" zb wirkte keineswegs bedrohlich , sodass ich nicht darum fieberte ob sie noch rechtzeitig gestoppt werden kann, sondern im gegenteil ich hatte eher sorge ob das behäbige ding es endlich schafft zu starten, so wie bei einem ein alten VW-käfer der im winter startprobleme hat.
wenn der regisseur das beherzigt und den film nochmals überarbeitet, könnte es wirklich ein ganz großatiges werk sein

teil1: Es war natürlich äusserst schwer all die erwartungen zu erfüllen, nachdem bereits soviel hype um den film betrieben wurde, und bereits soviel von der handlung zuvor ausgeplaudert wurde

nach den vielen rezensionen und ankündigungen bleib relativ wenig von der handlung ,das ich dann beim betrachten noch nicht kannte.
mein resummee: eine tolle idee, ein tolles konzept, aber der gesamte film müsste nochmals zurück zum schneidetisch.
es gibt da gewisse handwerkliche tricks druch die entsprechende kameraführung, schnitt und hintergrundmusik, wie slesbt in einer banalen handlung spannung erzeugt wird. die handlgung von Avatar ist zb keineswegs aufregend, wenn sie nacherzählt wird, aber der zuseher ist aufgrund der fülle der tollen 3D-bilder, und atemberaubenden action in den film hineingezogen und voller spannung, sodass nicht einmal logische fehler im script bemerkt werden.

Ganz großes Kino.

Gegen Ende löst sich die Geschichte zwar ein wenig auf - da wäre ich dankbar gewesen wenn sie das Drehbuch ein wenig länger bearbeitet hätten - aber alles in allem kultiger b-movie-Nazi-trash :)

mir hats bestens gefallen. Im gegensatz zu diesem abgrundtief doofen SPOILER ARTIKEL!!!

Erstmal Danke dafür das der komplette Filminhalt inkl Ende in dieser "Rezension" verraten wird.

Hab mir den Film gestern angesehen, ein absolut irrwitzig überdrehter Trash und herrlich skuriler Spaß.

Trash ...

.. mit einer tollen Würze aus Sci-Fi Filmen und Themen der 20er bis 50er Jahre ... besonders "Gemein" sind die US-Präsidentin und die "Wurzel allen Energieübels" Tablet ;-)

Zum Thema Spoiler.

Anscheinend bin ich der einzige der zuerst die Kommentare liest um zu erfahrem ob es der Artikel wert ist gelesen zu werden.
Aber vermutlich werden die Kommentar-Zuerst-Leser mehr werden wenn manche Schreiberlinge solchen Müll abliefern.

Angriff der Mondnazis !

Da kann uns nur mehr einer helfen.
WINNETOU mit seine SILBERBÜCHSE.

nazis hinterm mond - wo sonst?

"die für den Start der Götterdämmerung dringend benötigte Mobiltelefone beschaffen."

-> darf ich raten, welche marke?

die finnen sind in ihrer ehrlichkeit, wie sie ihr kommerzielles primärinteresse offen und ungeniert praktizieren, fast ein bisschen süss ... wenn der film nicht gar so ein dreck wäre!

Auch für die, die den Film noch nicht gesehen haben:

Lasst euch von den spaßbefreiten Standardredakteuren diesen Film nicht verderben, es lohnt sich, ihn anzuschauen!
Er ist besser (und erfrischend anders als die eintönige EinheitsHollywoodSch...e), als hier beschrieben, und der Redakteur hat offensichtlich die Botschaften zwischen den Zeilen nicht bemerkt.

Und unangekündigte Spoiler gehen echt gar nicht!

SPOILER ALARM!!!

aber dennoch der film is einfach wahnsinnig GEIL!

Frage:

Kommt das oft vor, daß hier ein Film präsentiert wird und gleichzeitig der Inhalt verraten wird?

Bei diversen Hollywood-Blockbustern war mir sowas bisher noch nicht im OnlineStandard aufgefallen!

Absicht?

SPOILER ALERT!

Hab den Film gesehen, Herr "Ich durfte ihn vor allen anderen anschauen und vermiese auch allen anderen die Freud durch mein SPOILERn - Schachinger".

und ich fand ihn tw. gut, tw. eher nicht.
Aber @ PosterInnen:
Selber anschauen!

Art1kel enthält Sp0iler!

Interessant; hats das Wort 5po1ler in den Spamfilter dieses Artikels geschafft? Schreibts doch lieber einen Disclaimer in den Artikel rein, das kann doch nicht so schwer sein.

danke,

jetzt schau ich mir den film sicher nicht an. schade. ob die content-industrie es gut findet, dass ihr gerade wieder 4 kinokarten plus verpflegung abhanden gekommen sind?

ein leidenschaftlicher kinogeher.

Danke fürs Verraten des Film-Endes.

Jetzt spar ich mir/uns die paar Euronen fürs Kino+Popcorn und geh dafür ins Vegetasia essen.

btw: Die schönsten hakenkreuzförmigen Gebäude bauen immer noch die Amis:
http://www.flickr.com/photos/si... 143053448/

mhmmmmm Vegetasia...

Ah ... ich habe den Artikel nicht gelesen und bin direkt zu den Kommentaren geflogen.

Verstehe die Aufregung.

Aber mir ist es ehrlich egal, die Handlung interessiert mich auch nicht.

Ich finde solche Filme WICHTIG, einfach weil sie abseits von Hollywood produziert werden.

Diversifikation ist der Schlüssel.

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