Und Fuchsberger weinte

Ljubiša Tošic, 4. April 2012, 17:26
  • Harry Belafonte bei "Menschen bei Maischberger": Die Sendung gibt es hier zum Nachsehen.
    foto: screenshot, zdf mediathek

    Harry Belafonte bei "Menschen bei Maischberger": Die Sendung gibt es hier zum Nachsehen.

Belafonte übernahm gütig und gelassen die Regie - als heiserer Erzähler, der tief ins 20. Jahrhundert eintauchte

Mit Publikum herausgeputzt hatte sich Menschen bei Maischberger. Und auch die Moderatorin drehte festlich auf, als stünde sie inmitten eines entscheiden Castings für Wetten, dass...?. Dies alles in Erwartung eines Seniors, dem man einen Freund zu Seite setzte, Joachim "Blacky" Fuchsberger, welcher zum Aufwärmen erzählte, wie ihn Leonard Bernstein einst auf "Fucky Blacksberger" umgetauft hatte. 

Als Harry Belafonte dann Platz nahm, überkam ihn kein Grant (Maischberger: "Jubel, Beifall - gewöhnt man sich eigentlich daran?"). Er übernahm einfach gütig und gelassen die Regie - als heiserer Erzähler, der tief ins 20. Jahrhundert eintauchte. Zu schildern geruhte Belafonte, wie er in den USA auf einer Toilette von einem Polizisten mit einer Pistole bedroht wurde, da er sich erdreistet hatte, seine kleine Not an einem gesetzlich für Weiße reservierten Ort zu lindern.

Er erzählte, wie er mit Freund Sidney Poitier nach Mississippi flog, um eine bedrohte Wahlrechtsbewegung zu unterstützen, und dabei vom Ku-Klux-Klan "umsorgt" wurde ("Ich dachte, zwei Stars umzubringen würde ihnen schwerfallen - deswegen kam ich mit Poitier"). Natürlich kamen auch Alkoholismus und Spielsucht zur Sprache. 

Wie es dann jedoch plötzlich nostalgisch wurde und Fuchsberger bei einer Einspielung (Belafonte singend, in der Fuchsberger-Show aus den 1980ern) zu weinen begann, erklomm der intellektuelle Entertainer den Gipfel der Güte. Belafonte sang, wiewohl durch eine verpfuschte Stimmband-OP längst der Stimme beraubt, kurz und würdevoll ("Banana Boat Song", von Fuchsberger erfleht), und vollendete so sein Talkshow-Kunstwerk. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 5.4.2012)

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11 Postings
danke,

ich hab alle 73 Minuten genossen. Maischberger grossartig wie immer.

Was ich mich frage: wie würde so ein Interview bei uns laufen?

Russwurm - sie weint statt Fuchsberger.

Apropos, Zechners Brainstorming trägt schon erste Früchte: Russwurm und Stöckl zurück in den Hauptabend. Und schon sehnt man den Lorenz zurück (na ja, eigentlich nicht wirklich).

"foto: screenshot, zdf mediathek" => doch wohl ehe ardmediathek, oder?

Es macht Spass, Artikel von Ljubiša Tošic zu lesen. Sie sind so menschlich.

BELAFONTE FOR PRESIDENT!!

IN THIS SMALL COUNTRY?

Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber ich kenne und schätze Herrn Belafonte als wunderbaren Zeitgenossen. Ein toller Mensch!

und genau das ist der job eines guten moderators: laß die gäste reden

danke,

bin grad am zusehen

Habe nur einen Teil davon gesehen und das war ganz großes Fernsehen.

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