Schnee dämpft Aufprall einer abgestürzten Mess-Sonde

4. April 2012, 15:59
5 Postings

Start einer Höhenforschungsrakete in Kiruna - Bremsfallschirm öffnete sich nach dem Wiedereintritt nicht

Kiruna - Mit "Esrange" befindet sich ein kleiner Weltraumbahnhof im Norden Europas, der relativ wenig bekannt ist, obwohl die ESA hier einige Forschungseinrichtungen unterhält. Von dem nahe der nordschwedischen Stadt Kiruna gelegenen Gelände werden Raketen- und Ballonstarts durchgeführt, die der Höhenforschung dienen. Vom jüngsten Beispiel, einem Projekt von Luft- und Raumfahrttechnik-Studierenden, berichtet die Universität der Bundeswehr München.

Das Experiment, das das Team SOMID ("Solid-borne Sound Measurement for the Independent Detection of Nominal and Non-nominal Events on Space Vehicles") an der Höhenforschungsrakete testete, wurde vom Deutschen Luft und Raumfahrtzentrum (DLR) prämiert. Mithilfe verschiedener Messungen der Mikrovibrationen während des Fluges wurden die Ereignisse an Bord der Rakete genau erfasst und sollen noch ausgewertet werden. So haben beispielsweise Ventile ein charakteristisches Eigengeräusch, das beim Experiment während des Raketenfluges aufgezeichnet wurde. Verändert sich dieses Geräusch, kann entsprechend schnell ein Fehler analysiert werden. Mit Hilfe solcher Daten soll künftig eine sehr genaue und auch schnelle Fehleranalyse bei Raum- und Luftfahrzeugen möglich werden, um dadurch auch mögliche Unglücke zu verhindern.

Der Ablauf

Der Start verlief reibungslos, die Rakete stieg auf und erreichte in sieben Minuten ihre maximale Höhe von 86 Kilometern. In dieser Höhe verglühte der Raketenantrieb, so dass nur noch der Behälter mit den insgesamt vier Experimenten (davon drei von anderen Teilnehmern) und einem Gewicht von 120 Kilogramm auf die Erde zuraste. Während des Wiedereintritts in die untere Atmosphäre hätte sich ein Bremsfallschirm öffnen sollen, der jedoch defekt war. So schlug der Behälter umgebremst auf dem Boden auf - allerdings dämpfte der tiefe Schnee den Aufschlag.

Da auch der Peilsender beschädigt war, machte sich eine Suchmannschaft per Hubschrauber auf, um den Behälter zu suchen und zu bergen. Nach insgesamt sechs Stunden konnten die Studierenden ihr Modul untersuchen und stellten starke Beschädigungen fest. "Zum Glück war die alles entscheidende Speicherkarte mit allen aufgezeichneten Daten unversehrt", erklärt Frank Neff aus dem Forschungsteam erleichtert. (red,derstandard.at, 4.4.2012)

  • Start der Höhenforschungsrakete in Kiruna.
    foto: universität der bundeswehr münchen

    Start der Höhenforschungsrakete in Kiruna.

Share if you care.