ÖGB-Jugend fordert von Firmen mehr Geld für Lehrlingsausbildung

4. April 2012, 12:34

Gewerkschaftsjugend will "Fachkräftemilliarde" - Unternehmen sollen 1 Prozent der Lohnsumme einzahlen - Wirtschaftskammer dagegen

Wien - Bei der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) läuten die Alarmglocken: In manchen Lehrberufen fallen mehr als die Hälfte der Jugendlichen bei der Lehrabschlussprüfung durch oder treten erst gar nicht an, sagte ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Michlmayr gestern Abend vor Journalisten. Die Gewerkschaft fordert daher eine "Fachkräftemilliarde" um die Ausbildungsqualität bei Lehrberufen zu steigern. Das Geld dafür soll von den heimischen Unternehmen kommen.

"Wenn ein Glaser-Lehrling bei der Lehrabschlussprüfung das erste Mal eine Fräsmaschine sieht", läuft für Michlmayr etwas falsch. Das Problem sei, dass Lehrlinge in manchen Betrieben Hilfsarbeitertätigkeiten ausüben müssten, anstatt fachliche Kompetenz aufzubauen. Als weitere Beispiele nannte er Elektriker-Lehrlinge, die die meiste Zeit Kabelschächte stemmen und Kabel ziehen oder KFZ-Mechaniker, die in der Lehrzeit hauptsächlich Öl und Reifen wechseln. Andererseits werden österreichische Lehrlinge auch Berufsweltmeister, relativierte Michlmayr.

Ein Prozent der Bruttolöhne

Mit der Fachkräftemilliarde will die Gewerkschaftsjugend mehr Geld für die Ausbildung. Alle österreichischen Unternehmen sollen ein Prozent der Bruttolöhne in einen Topf einzahlen, aus dem dann die Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, gefördert werden sollen. Derzeit bilden laut Gewerkschaft 20 Prozent der Firmen aus. Durch den Vorschlag würde die gesamte Wirtschaft solidarisch zur Fachkräfte-Ausbildung beitragen. Mit dem Geld sollen auch die überbetrieblichen Lehrwerkstätten finanziert werden. Der Bund bzw. das Arbeitsmarktservice AMS würde sich mit dem Modell pro Jahr 150 Mio. Euro sparen.

Am derzeitigen Modell kritisiert die ÖGJ, dass die in den Insolvenzfonds eingezahlten Mittel für die Lehrstellenförderung nicht zweckgebunden sind. In der Krise hätte der Fonds mehr Geld für Konkurse aufbringen müssen und daher das Geld für Lehrlingsförderung gekürzt. Mit einem eigenen Fachkräfte-Topf würde die Finanzierung unabhängig vom Insolvenzfonds, argumentiert die Gewerkschaft.

WKÖ dagegen

Die Wirtschaftskammer lehnt den Vorschlag ab. Dieser sei auch beim letzten Bildungsdialog im Jänner nicht besprochen worden, sagte Wirtschaftskammer-Lehrlingsreferent Alfred Freundlinger am Mittwoch gegenüber der APA. Die Wirtschaftskammer ist gegen eine zusätzliche Belastung der Lohnnebenkosten, so Freundlinger. Die Gewerkschaft wolle Staatskosten auf die Betrieb umwälzen. (APA, 4.4.2012)

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2 Postings
Die Gewerkschaft wolle Staatskosten auf die Betrieb umwälzen.

Ja und? Schreiben ja eh Gewinne..solang das der Fall ist kein Problem!!!!!

Und außerdem:

wer profitiert denn von gut ausgebildeten Lehrlingen?

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