Virtueller Shop in Torontos Untergrundwelt

  • Wasch- und Putzmittel, Shampoo und Zahnpasta, Küchenrollen und Windeln bietet die 
Online-Drogerie Well.ca in einem virtuellen Shop an.
    foto: well.ca

    Wasch- und Putzmittel, Shampoo und Zahnpasta, Küchenrollen und Windeln bietet die Online-Drogerie Well.ca in einem virtuellen Shop an.

Eine kanadische Drogerie experimentiert mit Barcodes. Ohne Lokal und Personal soll Laufkundschaft gewonnen werden.

Das PATH-Netz in Toronto ist laut Guinness-Buch der Rekorde der größte unterirdische Einkaufs-Komplex. Die Fußgänger-Tunnel sind insgesamt 28 Kilometer lang und beherbergen etwa 1.200 Geschäfte mit rund 5.000 Mitarbeitern und mehr als 370.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das ist mehr als das doppelte der SCS nahe Wien, die es auf 173.000 Quadratmeter bringt.

Fotos und Produktcodes

In Toronto verzichtet ein neues Experiment seit Montag aber auf horizontale Verkaufsfläche. Plakate an der Wand reichen. Sie sind an einer prominenten Kreuzung in den PATH-Tunnels angebracht und zeigen Produktfotos samt Preisschildern und 2D-Barcodes.

Wasch- und Putzmittel, Shampoo und Zahnpasta, Küchenrollen und Windeln - solche und ähnliche Produkte bekannter Marken bietet die Online-Drogerie Well.ca auf diese Weise feil. Wer die passende App auf seinem Handy installiert hat, kann eine Bestellung aufgeben indem er den passenden Barcode scannt. Die Waren werden portofrei nach Hause geliefert.

Neuland

Laut Well.ca handelt es sich um das erste virtuelle Barcode-Geschäft in Nordamerika. Es ist ein Versuch, die Vorteile von E-Commerce und einer guten Lage in der Stadt zu kombinieren. Der Anbieter zahlt statt Miete für ein Geschäftslokal nur den Preis für Plakate an der Wand. Außerdem muss er vor Ort kein Personal beschäftigen. Der Kunde wiederum braucht sich an keiner Kassa anzustellen.

Die App ist für Android, Blackberry, iOS und Windows Phone verfügbar. Das Experiment läuft vorerst bis Ende April. Eine Nachteil ist die geringe Verbreitung von Mobiltelefonen in Kanada. Regionale Marktgliederungen und mangelnder Wettbewerb halten die Tarife sehr hoch, so dass auf 100 Einwohner nur etwa 70 Mobilfunk-Anschlüsse kommen. In Österreich sind es mehr als doppelt so viele. Immerhin liegen die Tarife in Toronto unter dem nationalen Durchschnitt Kanadas.

PATH soll weiter wachsen

Toronto plant, PATH langfristig auf 60 Kilometer Länge auszudehnen. Wichtige neue Gebäude sollen zudem so gebaut werden, dass sie leicht an das Tunnelnetz angeschlossen werden können. Schon jetzt marschieren täglich über 100.000 Pendler durch die Röhren, dazu kommen noch einkaufende Touristen und Einwohner.

Zahlreiche wichtige Veranstaltungsorte und Einrichtungen wie Bahnhof und Busbahnhof sind Teil von PATH. Der CN Tower, DAS Wahrzeichen Torontos, ist über eine geschlossene, oberirdische Verbindung namens Skywalk angebunden. (Daniel AJ Sokolov, derStandard.at, 4.4.2012)

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