Nachtflüge am Frankfurter Flughafen verboten

4. April 2012, 17:10
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Die Anwohner des Flughafens jubilieren, die Lufthansa rechnet für ihre Frachttochter Cargo mit erheblichen Einbußen und einem weiteren Wettbewerbsnachteil

Frankfurt/Wien - Der Ausbau des Frankfurter Flughafens inklusive der vierten Piste ist rechtmäßig, aber zum Schutz der Anwohner muss der Flugbetrieb zwischen 23 und fünf Uhr ruhen. Diese Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig hatte sich nach den Hinweisen in der Hauptverhandlung vor drei Wochen schon angedeutet.

"Die Flieger fliegen 50 Meter über meinem Haus, da versteht man kein Wort mehr", beschrieb einer der Privatkläger seine Situation. Der größte Wunsch der Fluglärmgegner - die Schließung der neuen Landebahn Nordwest - bleibt aber unerfüllt. Lärmgegner demonstrieren seit Monaten immer montags im Frankfurter Flughafenterminal gegen die Lärmbelastung.

Für die Lufthansa, speziell die Luftfrachttochter Cargo, ist die Entscheidung ein herber Rückschlag, zumal Frankfurt nicht nur einer der größten Passagierflughafen Europas ist, sondern auch der größte Frachtflughafen. Unter dem Slogan "Die Fracht braucht die Nacht" warb die Lufthansa für Nachtflüge, die vor allem nach Asien und Nordamerika abheben und just in time oder Express-Lieferungen ermöglichen. "Luftfracht ist teuer und deshalb wird per Luftfracht nur befördert, was aus Termingründen wirklich fliegen muss.

Langfristig "gravierende negative Folgen"

Nur durch die Abflüge in der Nacht etwa Richtung USA kann durch den sogenannten Nachtsprung die Auslieferung am gleichen Kalendertag erreicht werden. Unser Expressprodukt hat in Frankfurt Umladezeiten von bis zu 180 Minuten, die Anlieferung der Kunden für Abflüge aus Frankfurt kann bis zu 90 Minuten vor dem Start erfolgen", erläuterte zuletzt Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt. Konzernboss Christoph Franz sagt dem Luftverkehrsstandort Frankfurt nun langfristig "gravierende negative Folgen" voraus.

"Frankfurt, Hessen - ja, der ganzen Export- und Logistiknation Deutschland drohen die Flügel gestutzt zu werden", so Franz. Laut Garnadt kostet das Nachtflugverbot das Unternehmen im Jahr rund 40 Millionen Euro beim operativen Gewinn. Lufthansa Cargo befördert rund die Hälfte der Fracht an Bord der Passagierflugzeuge von Lufthansa und ihrer Tochter AUA. Mehr als die Hälfte der Fracht, die nach Frankfurt geflogen wird, ist Transitfracht und geht anschließend auf weitere Flüge an ihren Bestimmungsort. Eine räumliche Trennung der Passagier- und Frachtflüge (etwa Frankfurt nur für Passagiere und alle Fracht nach Hahn) sei daher "weltfremd", stellte Garnadt klar.

Wettbewerbsnachteil

Und einmal mehr verweist die Lufthansa darauf, einen zusätzlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Golf-Carriern zu haben, die an ihren Drehkreuzen rund um die Uhr starten und landen dürfen. Aber auch in Amsterdam, Paris oder London kennt man dieses Verbot nicht. Am Wiener Flughafen gibt es eine Nachtflugbeschränkung, aber kein Verbot.

Bereits im Oktober des Vorjahres, als das Nachtflugverbot erstmals durch eine Vorinstanz wirksam wurde, musste die Lufthansa umplanen: Fünf Crews pro Woche flogen am Abend mit den beladenen Maschinen 19 Minuten lang von Frankfurt nach Köln (kein Nachtflugverbot), wo die Flugzeuge drei bis vier Stunden später in Richtung China abheben - wenn der russische Luftraum frei war und die zugewiesenen Landezeiten in Fernost erreicht werden. Da die Besatzungen es nach diesem Zwischenstopp nicht mehr im Rahmen ihrer Dienstzeit nach Fernost schaffen würden, müssen sie abgelöst werden und per Auto die 160 Straßenkilometer nach Frankfurt zurückfahren. Ein Teil der Fracht muss zudem per Lkw auf der Autobahn nach Köln zum Flughafen befördert werden. (cr, DER STANDARD, 5.4.2012)

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    17 Starts und Landungen pro Nacht zwischen 23.00 und 5.00 Uhr dürfen nicht mehr durchgeführt werden.

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    862.000 Tonnen an Luftfracht werden jährlich in Frankfurt umgeschlagen.

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