Ang'steckt is!

11. April 2012, 14:48
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Die Zukunft sei elektrisch, dekretierte Konzernlenker Carlos Ghosn. Renault schickt mit dem Zoe im Herbst den vierten Stromer ans Netz. Nissan zeigt, dass man sich auch modellseitig neu aufstellen muss

Die Sache ist wie das Leben: nicht ganz ohne Risiko. Vor wenigen Jahren hatte einer der mächtigsten Männer der Automobilindustrie, Renault-Nissan-Oberguru Carlos Ghosn, die Devise ausgegeben, die Zukunft der Mobilität sei rein elektrisch, und die französisch-japanische Allianz werde dabei den Oberton angeben. Frankreichs Atomstromlobby, die EDF voran, jubelte, in die Präfekturen flatterte die Sarkozy'sche Weisung, der Behördenfuhrpark habe künftig aus E-Mobilen zu bestehen, das bringt gleich einmal ordentlich Stückzahlen, nur die französischen Medien, die machen seit Monaten auf Spielverderber und schießen sich auf den selbsternannten Superstar (Ghosn, nicht Sarkozy) ein.

Unverantwortlich sei es, so der Tenor, alles auf eine Karte zu setzen, Milliarden zu investieren in eine Zukunft, die so wie von Ghosn skizziert wohl kaum stattfinden werde, Milliarden, die beim Ausbau der klassischen Modellpalette fehlten, Renault falle schon jetzt gegenüber der heimischen Konkurrenz (Peugeot, Ci- troën) zurück, noch mehr aber gegenüber der deutschen, deren Philosophie man mit Fächerprinzip beschreiben könne: Da man jetzt noch nicht weiß, wohin die Reise geht, investieren sie in eine Fülle möglicher (Alternativ-)Antriebsszenarien.

Ungeachtet der harschen Töne setzt Renault erst einmal die Cheforder konsequent um, mit Kangoo Z.E. und Fluence Z.E. sind die ersten reinrassigen Elektrovehikel bereits verfügbar, Z.E. steht für den schönen französischen Begriff Zero Emission, und der Ablauf ist aus Kundensicht immer der gleiche: Man erwirbt das Auto, die Batterie indes bleibt im Besitz des Herstellers, der (überschaubare) monatliche Leasingraten dafür verlangt.

Drittes Renault E-Mobil im April

Mit dem Twizy, einem lustigen Auto-Motorrad-Zwitterwesen, steht im April bereits Renaults drittes E-Mobil am Start, und im November folgt dann mit Zoe der vierte Streich. Renault kann also Vollzug melden an Ghosn, ang'steckt is!, würde man in Österreich sagen.

Zoe, das steht im Altgriechischen für Leben, das haben Renaults auch in elitären geisteswissenschaftlichen Zirkeln hochgeschätzte Altphilologen fein ausgeheckt und womöglich den bösen Ghosn-Kritikern ins Stammbuch geschrieben, Zoe jetzt in Richtung Überleben gedeutet.

Mobiles Leben im Zoe jedenfalls findet konkret statt auf 4,08 Metern Länge, womit das E-Mobil nun auch in der Größenordnung Clio angekommen ist, einer Fahrzeugklasse, in der Renault zu Recht als ziemlich kernkompetent gilt. 88 PS leistet der E-Motor, es ist eine Reichweite von 210 km avisiert, mal sehen, was davon im wirklichen Leben ankommt, und sogar der Preis steht schon fest: 20.780 EURO - für die Miete des Lithium-Ionen-Akkus (der über das Ladesystem Chamäleon auch 30-Minuten-Schnellladung ermöglicht) werden monatlich 79 EURO fällig. In der Formensprache ist das neue Firmendesign konsequent umgesetzt, hinterm großen Renault-Emblem versteckt sich die Ladestation, und wer jetzt Nasenbär sagt, soll sich in die Ecke stellen und schämen.

Keine Scham, mehr Geld

Keinesfalls schämen muss sich Renault für das Tempo, mit dem man ein E-Mobil nach dem anderen auf den Markt schlenzt, Chapeau! Das muss allerdings auch so sein, denn bis 2016 will die französisch-japanische Allianz 1,5 Millionen Elektrovehikel auf der Straße haben, und damit schalten wir um nach Japan, zu Nissan. Die fernöstliche Reichshälfte kooperiert wie Renault eng mit dem japanischen Elektronikkonzern NEC, gemeinsam wird gerade eine Jahreskapazität von 500.000 Li-Ion-Batterien aufgebaut, auch das ein strategisches Investment, und mit dem Leaf hatte Nissan im Vorjahr bereits den Titel Auto des Jahres in Europa eingeheimst, obwohl er am Großteil der Märkte noch gar nicht erhältlich war.

Nimmt man den Genfer Autosalon als Seismografen, was in naher Zukunft zu erwarten sei, und dafür nutzen die meisten Hersteller diese Automessen ja unter anderem, dann zeigt sich allerdings auch, dass Nissan wieder deutlich mehr Geld in die Hand nimmt (nehmen darf), um die Modellpalette am europäischen Gusto zu kalibrieren. Ein Erfolgsmodell allein (Qashqai) genügt eben auf Dauer nicht.

Immerhin sind der extravagante Juke und der extrabrave Micra recht erfolgreich angelaufen, und es kommt noch mehr. Die in Genf gezeigten Studien - Invitation und Hi-Cross - lassen sogar erahnen, was in etwa. Der Invitation, ein Mobil mit verwegen gestaltetem Heck und schlauem Raumkonzept, wird von Kennern als Hinweis auf die Rückkehr ins Kompaktwagensegment interpretiert, vielleicht wird 2013 aus der Studie ein Nachfolger des angejahrten Note (Renaults Pendant wäre ein neuer Modus). Ist dem so, wird der rund 4,20 m lange Invitation eine Einladung, nicht nur Ford B-Max und Opel Meriva ins Kaufkalkül zu ziehen, sondern auch einmal beim Nissanhändler vorbeizuschauen.

Mit 4,66 Metern schlägt der Hi-Cross in eine ganz andere Kerbe, und es steht wohl zu vermuten, dass sich dahinter ein neues Crossovermodell verbirgt, welches in absehbarer Zukunft das Trio Juke, Qashqai und Murano verstärken könnte. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/RondoMobil/April2012)

  • Mit dem Zoe schickt Renault im Herbst das vierte E-Mobil an die 
Ladestation - mehr Elektroautos bietet keiner.
    foto: werk

    Mit dem Zoe schickt Renault im Herbst das vierte E-Mobil an die Ladestation - mehr Elektroautos bietet keiner.

  • Und aus Nissans Studie 
Hi-Cross wird wohl ein neues Crossover-Modell, ...
    foto: stockinger

    Und aus Nissans Studie Hi-Cross wird wohl ein neues Crossover-Modell, ...

  • ... aus dem 
Invitation in neuer Juke
  .
    foto: stockinger

    ... aus dem Invitation in neuer Juke .

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