Mordprozess Jakob von Metzler fortgesetzt

18. Juni 2003, 10:00
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Täter plante den Tod des Bankierssohns von Anfang an ein - Angeklagter spricht von "schrecklicher Zwangsläufigkeit"

Der Entführer und Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler hat den Tod des Elfjährigen von Anfang an einkalkuliert. Sein Plan habe eine "schreckliche Zwangsläufigkeit" entwickelt, die er nicht habe wahrhaben wollen, sagte Magnus G. am Dienstag mit tränenerstickter Stimme vor dem Frankfurter Landgericht. Er habe sich geweigert, dies wahrzuhaben, da er dies nicht mit sich selbst habe in Verbindung bringen können.

Am Anfang habe er nur eine wirre Idee verfolgt, sagte G., der bisher erklärt hatte, er habe den Tod Jakobs nicht bewusst geplant, in einer ergänzenden Erklärung. "Als das Opfer noch kein Gesicht hatte, habe ich den Tod des Opfers einkalkuliert", sagte der 28-jährige Rechtsreferendar. Sehr schnell habe Jakob von Metzler wegen seiner körperlicher Unterlegenheit als Opfer festgestanden. Je konkreter seine Pläne geworden seien, "desto widerwärtiger wurde mir das Ganze".

"Beliebter Schüler"

Er habe sich gegen das, was er geplant habe, gewehrt und gesperrt, sagte G. unter Tränen. "Als Rettungsanker, als Entschuldigung vor mir selbst", habe er die Geschichte erfunden, dass er das Opfer mit Alkohol betäuben wolle, damit es sich nach der Freilassung nicht mehr an ihn erinnern könne. "Ich konnte einfach nicht bewusst handeln und habe mich an das geklammert, was ich mir als Plan zurecht gelegt hatte."

Zuvor hatte die Klassenlehrerin Jakobs den Elfjährigen als zarten, noch sehr kindlichen Buben geschildert, der in seiner Klasse sehr beliebt und geschätzt gewesen sei. "Eigentlich musste ihn jeder lieb haben", sagte Marlies Franke unter Tränen. In einer sehr leistungsstarken Klasse habe Jakob, der "niemals den Sohn reicher Eltern herausgekehrt" habe, Schwierigkeiten gehabt, sich zu konzentrieren und mit der Klassenspitze mitzuhalten. Es sei nicht seine Sache gewesen, um die Ecke zu denken, aber er habe "die Sprache des Herzens verstanden".

"Sehr betroffen"

Seine Lehrer seien überzeugt gewesen, dass der schüchterne Bub noch etwas Zeit brauche, um sich zu entwickeln, sagte Franke. Doch diese Entwicklung sei durch seinen Tod am 27. September 2002 jäh abgebrochen worden. Jakobs Tod habe die Klasse, die insgesamt ein starker Zusammenhalt verbinde, "sehr, sehr betroffen gemacht, die Beerdigung war ein Albtraum". (APA/AP)

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