Wachstumsprognose glatt halbiert

17. Juni 2003, 19:20
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Nationalbank korrigiert den Konjunkurausblick massiv nach unten - Ende der Krise erst 2005 erwartet - SPÖ erkennt enorme Budgetprobleme

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat in ihrer nun vorliegenden Frühjahrsprognose die Annahmen für das Wirtschaftswachstum in Österreich deutlich nach unten revidiert. Nach den Jahren 2001 und 2002 werde Österreichs Volkswirtschaft erstmalig zum dritten Mal in Folge lediglich eine Wachstumsrate von unter einem Prozent aufweisen, sagte OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher.

Mehr als halbiert

Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die für heuer erwartete Wachstumsrate um 0,8 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent mehr als halbiert. Für das kommende Jahr erwartet die OeNB nach 2,2 Prozent im Herbst nur mehr ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent. Erst im Jahr 2005 sei wieder mit einer Rückkehr zu durchschnittlichen Wachstumsraten der 90er-Jahre zu rechnen.

Auch von den Wirtschaftsforschungsinstituten Wifo und IHS, die ihre Schätzungen am 27. Juni vorlegen, wird eine deutliche Revision der März-Prognosen erwartet. Das Wifo hatte damals eine Wachstumsrate für heuer von 1,1 Prozent unterstellt, ein Wert, der auch der Budgeterstellung unterlegt wurde.

Negative Effekte

Liebscher und OeNB-Chefvolkswirt Peter Mooslechner sagten, es sei klar, dass der Budgetvollzug und die Erreichung der angestrebten Defizitziele sicher "nicht leichter" werden.

SP-Budgetsprecher Christoph Matznetter geht einen Schritt weiter. Er bewertet die Differenz zwischen der Wifo-März-Prognose und der OeNB-Schätzung mit einem negativen Effekt für Karl-Heinz Grassers Budget von rund 400 Mio. Euro. Dazu kämen rund 350 Mio. Euro, die die Steuereinnahmen seit Jahresbeginn hinter Plan lägen. Damit werde der Bund heuer auch "mit Sicherheit" gegen den innerösterreichischen Stabilitätspakt mit Ländern und Gemeinden verstoßen, in dem Grasser ein Bundesdefizit von 1,8 Prozent festgeschrieben hat.

Probleme der Handelspartner

Hauptgrund für Österreichs Wirtschaftsflaute sind laut OeNB die Probleme der Haupthandelspartner Deutschland und Italien, nicht hausgemachte Probleme. Die leichte Erholung im kommenden Jahr werde durch die niedrige Inflation, die die Kaufkraft der Bevölkerung erhöhe, maßgeblich unterstützt. Als Euro-Durchschnittskurs für heuer nimmt die OeNB einen Wert von 1,13 Dollar im Vergleich zu 0,95 Dollar für 2002 an.

Für den Juni zeigt auch der Konjunkturindikator der Bank Austria Creditanstalt zum dritten Mal in Folge eine Verschlechterung. Zwar sank der Wert nur geringfügig von 2,0 auf 1,9, er liegt damit allerdings so schlecht wie am Tiefpunkt der Rezession zu Jahresende 2001. (miba/DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.6.2003)

  • OeNB-Liebscher: Wirtschaftsprognose glatt halbiert.
    montage: derstandard.at

    OeNB-Liebscher: Wirtschaftsprognose glatt halbiert.

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